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Artikel | saldo 17/2002

Grippeimpfung nach wie vor stark umstritten

Spitäler, Alters- und Pflegeheime sind ein Risiko für die Verbreitung von Grippeviren. Doch das Pflegepersonal wehrt sich gegen eine Impfung.

Die Risiken einer Grippe werden unterschätzt. Tatsache ist: An Grippe sterben in der Schweiz jedes Jahr 400 bis 1000 Menschen. Über 90 Prozent der Opfer sind über 65, weshalb das Bundesamt für Gesundheit auch in diesem Herbst vor allem Senioren und Seniorinnen zur Grippeimpfung aufruft.

Basel-Stadt geht noch einen Schritt weiter. Kantonsarzt Bruno Bucheli appelliert mit einer grossen Info-Kampagne an die Verantwortung derjenigen, die mit der Risikogruppe «65 plus» tagtäglich in Kontakt kommen: das Pflegepersonal in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie im Spitexbereich. «Die Grippeimpfung ist bei älteren Menschen nur bedingt wirksam. Gerade deshalb sollte sich auch das Pflegepersonal impfen lassen, um die Ausbreitung von Grippeviren einzudämmen.»

Der Basler Kantonsarzt geht davon aus, dass sich bis heute nur ein kleiner Teil des Pflegepersonals gegen Grippe impfen lässt. Erforderlich wäre eine Durchimpfungsrate von 70 bis 80 Prozent, betont Bucheli: «Wissenschaftliche Studien belegen, dass die grippebedingten Todesfälle im stationären Bereich bei entsprechender Impfquote um die Hälfte reduziert werden können.»

Die Botschaft kommt in Basel nicht überall gut an. Der Schweizerische Berufsverband der Krankenschwestern und Krankenpfleger (SBK) wollte sein Logo für die Info-Kampagne des Kantonsarztes nicht hergeben. Daniela Maritz, Medienbeauftragte des SBK beider

Basel: «Wir finden, dass es in der Eigenverantwortlichkeit unserer Mitglieder liegt, ob sie sich gegen Grippe impfen lassen oder nicht.»

Doch dass Pflegende eine Gefahr für die Risikogruppen darstellen, lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Behörden unternehmen deshalb nicht nur in Basel, sondern auch in der Stadt Zürich den Versuch, das Pflegepersonal von der Notwendigkeit der Grippeimpfung zu überzeugen.

Aber nicht nur das Pflegepersonal steht im Fokus der Impfaktionen: Um die Ausbreitung der Grippeviren in den städtischen Alters- und Krankenheimen zu vermindern, können sich beispielsweise in der Stadt Zürich in der ersten Novemberwoche alle Besucher und Angehörigen gratis gegen Grippe impfen lassen.

François Loriol



Bis Mitte November impfen

Die Grippeimpfung muss rechtzeitig zwischen Mitte Oktober und Mitte November erfolgen, damit die körpereigenen Abwehrkräfte aufgebaut werden können. Sie schützt nicht mit absoluter Sicherheit vor einer Grippeerkrankung, vermindert aber das Risiko eines schweren

Verlaufs beträchtlich. Die Grippeimpfung muss jedes Jahr wiederholt werden.

Informationen auf dem Internet: www.grippe.ch, www.bag.admin.ch, www.influenza.ch

23. Oktober 2002


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