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Obligationen-Fonds in Schwellenländern versprechen hohe Zinsen. Risiken sind vorhanden, aber überschaubar.
Die Aktienkurse sind tief gesunken, und Obligationen sind gegenwärtig auch nicht gerade attraktiv: So rentieren beispielsweise Anleihen der Eidgenossenschaft mit knapp 3 Prozent pro Jahr, jene von Industrie- und Handelskonzernen bieten einen knappen Prozentpunkt höher. Selbst Frankenanleihen ausländischer Schuldner werfen mit bestenfalls 3,2 Prozent kaum mehr ab.
Nicht nur Rendite, auch Wechselkursrisiko beachten
Kein Wunder, investieren viele Anleger im Ausland. Fonds ermöglichen auch Kleininvestoren mit Beträgen von 10 000 bis 20 000 Franken den Einstieg in internationale Anlagen. Diese Fonds sind in der Rege- geografisch oder thematisch ausgerichtet.
So hat etwa die amerikanische Investment-Bank Schroders einen US Dollar Bond mit 55 Prozent gesicherten Anleihen von Ländern und andern öffentlichen Körperschaften im Angebot. Er wuchs innert der letzten zwölf Monate um 5,8 Prozent, seit Anfang 2002 sogar um 6,1 Prozent.
Das Pendant dazu ist der European Bond mit 91 Prozent Staatsobligationen. Seine Gesamtrendite liegt nur wenig tiefer: 5,2 Prozent waren es in den vergangenen 12 Monaten, 4,2 Prozent seit Jahresanfang.
Dollar- und Euro-Anleihen rentieren somit deutlich höher als Obligationen in Franken. Doch aufgepasst: Das Wechselkursrisiko macht die rund zweiprozentige Differenz kaum wett.
Anders sieht es aus, wenn Investoren über die Industrieländer Westeuropas und Nordamerikas hinausgehen. Die kapitalmarktfähigen Entwicklungs- oder «Schwellenländer» (Emerging Markets, Emma) müssen seit Beginn der 90er-Jahre deutlich höhere Zinsen zahlen als beispielsweise zehnjährige US-Regierungspapiere.
17 Prozent Rendite mit Euro-Anlagen in Osteuropa
Schroders' Emerging-Markets-Fonds in Dollar etwa erzielt mit 18,2 Prozent innert Jahresfrist die vermutlich höchste Rendite unter den weltweiten Emma-Fonds. Bei den regionalen Anlagen bringt es der Asian Bond A sogar auf 19,4 Prozent (in der jeweiligen Originalwährung).
Die volkswirtschaftlichen Kennzahlen der Schwellenländer haben sich seit 1998 derart verbessert, dass auf den Staatsanleihen zu den hohen Zinssätzen noch Kursgewinne hinzukommen. Das führt in den Fonds, die solche
Papiere halten, ebenfalls zu attraktiven Renditen. Für die letzten 12 Monate etwa erzielte der Osteuropa-Fonds Credit Suisse Emerging Europe B einen Wertzuwachs von 17,6, der Vontobel Eastern European einen von 16,5 Prozent (beide in Euro).
Hohe Renditen in der Vergangenheit lassen sich jedoch nicht einfach in die nähere Zukunft projizieren. Fachleute sehen die Risiken von Emma-Fonds vor allem in der Politik. So sanken jüngst die Kurse für brasilianische Staatsanleihen, als sich Lula da Silvas Wahlsieg abzeichnete. Doch anders als in der Asienkrise Ende der 90er-Jahre bleiben derartige Bewegungen isoliert. Andreas Höfert, Ökonom bei UBS Warburg: «Einen Dominoeffekt befürchten wir nicht.»
Nach Krisen dank tiefen Kursen günstiger Einstieg Andererseits bergen die jüngsten Krisen - Staatsbankrott Argentiniens, Wechselkursdebakel Brasiliens - auch Chancen für einen günstigen Einstieg bei kurzfristig tiefen Kursen. Die in der Schweiz zugelassenen Emerging Markets Dept. von Goldman Sachs und HSBCs Global Emerging Markets F.I. mit hohen Lateinamerika-Anteilen rentierten in den letzten 12 Monaten mit 10,5 respektive 6,8 Prozent. Solche Lateinamerika-Fonds enthalten neben hohen argentinischen vor allem auch mexikanische Anteile. Mexiko leidet zurzeit weder an überbordenden Staatsdefiziten noch an Aussenhandelsproblemen. Die argentinischen Staatsschulden sind grösstenteils durch den Internationalen Währungsfonds garantiert.
Sergio de Pretto
23. Oktober 2002
