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Artikel | K-Tipp 17/2002

Rasch und stromsparend auf dem Siedepunkt

Teeliebhaber sind mit einem elektrischen Wasserkocher gut bedient. Das Gerät hilft Energie, Zeit und Kosten sparen.

Eigentlich wäre die Sache mit dem Stromverbrauch ja ganz einfach: Um eine bestimmte Wassermenge zum Kochen zu bringen, brauchts rein physikalisch immer gleich viel Energie. Es müsste also egal sein, ob man die Herdpfanne oder den elektrischen Wasserkocher benutzt.

Ist es aber nicht: In Tat und Wahrheit ist der Stromverbrauch deutlich grösser, wenn das Wasser auf dem Herd erhitzt wird.

Grund: Der Herd «verpufft» mehr Energie an die Umgebung als der Wasserkocher. Und er benötigt relativ viel Strom, um Kochplatte und Pfanne aufzuheizen.


Geringe Unterschiede zwischen den Kochern

Karl Dittli, Leiter des Elektrofachgeschäfts Eltop in Zürich, bringt es auf den Punkt: «Bei 2000 Watt Leistung braucht eine Kochplatte etwa acht, ein elektrischer Wasserkocher aber nur rund vier Minuten, um eineinhalb Liter Wasser zum Sieden zu bringen.» Der Kocher verbraucht im Prinzip also nur halb so viel Energie.

Zwar gibts laut Dittli auch zwischen den Wasserkochern je nach Material, Steuerung und Konstruktionsweise Unterschiede im Stromverbrauch. «Doch diese Differenzen sind vergleichsweise bescheiden», sagt der Gerätefachmann. Selbst die «schlechteren» Wasserkocher seien deutlich sparsamer als die Herdplatte.

Die Watt-Zahl als solche spielt für den Stromverbrauch keine Rolle: Ein Kocher mit 1200 Watt Leistung ist nicht sparsamer als ein 2000-Watt-Gerät. Letzteres bringt nämlich das Wasser viel schneller auf den Siedepunkt. Entsprechend gibt es auch immer weniger Wasserkocher mit nur 1000 bis 1500 Watt Leistung.

Für den Gebrauch in Altbauwohnungen sind solche «schwachen» Geräte jedoch oft besser geeignet. «Alte Häuser haben den Stromkreis meist nicht so hoch abgesichert», weiss Karl Dittli. Wenn man da einen 2000-Watt-Kocher einschaltet, kann rasch einmal die Sicherung durchbrennen.

Technische Gründe können also für ein leistungsschwaches Gerät sprechen. Wenns ums Stromsparen geht, sind aber andere Faktoren entscheidend.

Zum Beispiel die Wassermenge im Kocher. «Erhitzen Sie immer nur so viel Wasser, wie Sie gerade benötigen», empfiehlt Dittli. «Das spart Strom und Zeit.»

Dittli rät ferner vorab bei Geräten mit freiliegender Heizspirale zu regelmässigem Entkalken. Bei stark verkalkter Spirale nehme deren Effizienz spürbar ab.

Doch Achtung: Bei Kochern mit vernickelter Heizspirale sollte man gemäss Empfehlung des Kantonalen Labors Zürich nach dem Entkalken zuerst viermal Wasser aufkochen, ohne es zu trinken. Ratsam ist zudem, das Wasser nie öfters als einmal zu erhitzen. So bleibt der Nickelgehalt im Wasser tief, was vor allem für Nickelallergiker bedeutsam ist.

1996 hat der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter in einer Analyse nämlich festgestellt, dass Kocher-Heizspiralen nach der Reinigung reichlich Nickel ans Trinkwasser abgeben können. Im untersuchten Fall waren es 140 Mikrogramm pro Liter.


Tiefer Nickel-Grenzwert in Deutschland

Das ist ein hoher Wert. Während die Schweizer Fremd- und Inhaltsstoffverordnung auf der Liste der erlaubten Metall-Höchstkonzentrationen im Trinkwasser Nickel nicht erwähnt, definiert die deutsche Trinkwasserrichtlinie zurzeit einen Maximalwert von 50 Mikrogramm pro Liter. Und auf Anfang nächsten Jahres wird dieser Wert in Deutschland gar auf 20 Mikrogramm pro Liter gesenkt, wie Daniel Imhof vom Kantonalen Labor Zürich ausführt.

Indes: Bezüglich der Wasserkocher scheint sich das Nickelproblem inzwischen etwas entschärft zu haben. Das Kantonale Labor Zürich jedenfalls hat bei sporadischen Gerätekontrollen während der letzten Jahre praktisch keine auffälligen Resultate mehr gefunden.

Trotzdem: Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte beim Kauf eines Wasserkochers ein Gerät ohne Nickelstahl wählen. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Anfrage beim Hersteller, denn laut Daniel Imhof «kann selbst ein Spezialist von Auge einen Chromstahl kaum von einem Nickelstahl unterscheiden».

16. Oktober 2002 | Gery Schwager gschwager@ktipp.ch


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