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Eine neue Studie belegt: Laubbläser schleudern Schimmelpilze und Darmbakterien in die Luft. Ärzte warnen vor Infektionen und Asthma-Anfällen.
Thomas Grether thgrether@pulstipp.ch
Wenn das Laub fällt, sind sie wieder unterwegs: Die Profi-Bläser vom Dienst. Sie geben Vollgas, um Blätter auf Haufen zu sammeln. Was nicht niet- und nagelfest ist, wird fortgeweht. Der Tornado 505 HK zum Beispiel, laut Prospekt «der Wendigste unter den Laubbläsern», bringt es auf eine Luftgeschwindigkeit von etwa 150 km/h. So schnell fegte vor drei Jahren der Sturm Lothar über die Schweiz.
Dreck kann bei Passanten zu Bindehautentzündung führen
Laubbläser knicken zwar keine Bäume, doch jetzt zeigt sich: Sie wirbeln grosse Mengen schädliche Keime auf. Dies hat das deutsche Umweltbundesamt in Berlin erstmals in einer Studie belegt. Das Resultat:
- Am Staub, den die untersuchten Geräte in die Luft pusten, haften Darmbakterien, Parasiten und sogar Viren. Und zwar in über 30fach höherer Konzentration als vor dem Einsatz der Laubbläser. Die Bakterien stammen vor allem von Hunde- und Katzenkot, der unter den Blättern modert.
- Die Zahl von Schimmelpilz-Keimen sowie Blütenpollen in der Luft erhöht sich in der Umgebung der Bläser um das 5- bis 10fache.
Einmal in der Luft, bleiben die mikroskopisch kleinen Partikel während Stunden dort, oft sogar für mehrere Tage. Die Berliner Wissenschaftler kommen in ihrer Studie zum Schluss, dass Laubbläser «ein Infektionsrisiko darstellen» und «die Gesundheit schädigen».
Allergologe Steffen Engelhart, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Bonn, rät: «Wer eine solche Maschine bedient, sollte sich mit einer Atemschutzmaske schützen.»
Doch auch Passanten seien betroffen. «Der Dreck in der Luft kann eine Bindehautentzündung auslösen. Wer Asthma hat, muss mit einem Anfall rechnen.» Besonders gefährdet sind laut Engelhart Menschen, die gerade eine Chemotherapie machen. «Sie können eine Pilzinfektion bekommen. Die Keime gelangen in die Lunge und über das Blut in den Organismus.»
Geräte können die Umwelt stärker belasten als ein Auto
Doch allen gesundheitlichen Bedenken zum Trotz arbeiten Hausmeister und Gemeindearbeiter immer öfter mit Laubbläsern. Wo einer auftaucht, bleibt kein Vogel auf dem Baum - viele der trag- und fahrbaren Geräte dröhnen so laut wie Discomusik. Und blasen pro Stunde bis zu 270 Gramm Ozon bildende Kohlenwasserstoffe in die Umwelt - das 200fache eines Autos.
Jetzt stossen Laubbläser bei der Bevölkerung zunehmend auf Widerstand, wie zum Beispiel in Baden AG. Dort setzt die Stadtverwaltung die Geräte sogar in der Altstadt ein, obwohl sich Baden ansonsten «gerne einen grünen Anstrich gibt», sagt SP-Einwohnerrä- tin Regula Dell' Anno-Doppler. Für sie sind Laubbläser «Spielzeuge mit Motor», an denen sich «vor allem das männliche Geschlecht erfreut».
In einem dringenden Postulat hat die Politikerin letzten Herbst den Stadtrat aufgefordert, auf Laubbläser zu verzichten. Begründung: Die Geräte belästigen Anwohner und Passanten, blasen die Nahrung für Kleintiere weg und trocknen den Boden aus. Doch Badens Stadtrat schmetterte das Postulat ab und machte wirtschaftliche Gründe geltend. Laubbläser seien «ein wichtiges Arbeitsinstrument», schrieb er. «Ein Verzicht hätte massive personelle und finanzielle Konsequenzen.» Ein Laubbläser ersetzt drei Arbeiter mit Rechen und Besen.
01. September 2002
