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Die Nachfrage nach Libor-Hypotheken ist in letzter Zeit stark gestiegen. Viele Banken bieten sie inzwischen an. Neu vermittelt auch der Hauseigentümer-Verband Finanzierungen auf Libor-Basis.
Seit wenigen Wochen tritt mit dem Hauseigentümer-Verband (HEV) ein neuer Konkurrent landesweit auf dem Hypothekarmarkt auf. Der HEV will seinen Mitgliedern besonders preisgünstige Hypotheken anbieten und stösst damit auf grosses Interesse: In den ersten vier Wochen verlangten 2000 Eigenheimbesitzer Offerten. Zu den vom HEV lancierten Hypotheken gehören eine reine Libor-Hypothek sowie Kombinationen von Libor- und Festhypotheken (www.hev-schweiz.ch).
Dass der HEV Libor-Hypotheken propagiert, könnte den Markt aufmischen. Zwar haben sie viele Banken seit einiger Zeit im Sortiment, doch bei manchen Anbietern wird sie nur selten verkauft. Paul Nyffeler von der Berner Valiant Bank weiss warum: «Man muss die Libor-Hypothek gut erklären, weil viele Kunden damit nicht vertraut sind. Die Beratung ist entscheidend.»
Einzelne Banken sind denn auch nach wie vor überzeugt, dass die Kunden an der Libor-Hypothek nicht interessiert sind.
«Sie werden von der Kundschaft als zu kompliziert empfunden», erklärt Peter Hunziker von der Aargauer Kantonalbank. Dieses Hypothekarmodell ist denn auch folgerichtig wieder aus dem Sortiment verschwunden.
Auch Rudolf Messerli, Generalsekretär der Basellandschaftlichen Kantonalbank, zweifelt am Sinn der Libor-Hypothek: «Aus unserer Sicht bietet sie für den Kunden keinen Nutzen.» Doch die Front der Skeptiker beginnt langsam zu bröckeln. Der Leiter Produkt-Management der Migrosbank, Roland Wernli, erklärt, dass man Libor-Hypotheken bis jetzt nur in Spezialfällen realisiert habe: «Wir beobachten laufend den Markt und schliessen nicht aus, die Libor-Hypothek ins Sortiment aufzunehmen.»
Bei den meisten Banken machen diese erst einen sehr kleinen Teil des Hypothekarvolumens aus. Doch es gibt Ausnahmen: Die Basler Kantonalbank bietet Libor-Hypotheken seit zehn Jahren an. Bei ihr beträgt der Anteil an Libor-Hypotheken bereits 55 Prozent und nimmt weiter zu.
Beim Marktführer UBS boomen die Libor-Hypotheken. «Die Volumen der neu abgeschlossenen Libor-Hypotheken haben in den letzten Monaten stark zugenommen», beschreibt UBS-Sprecher Axel Langer die Situation.
Diesen Trend bestätigt auch Franz Würth, der Sprecher der Raiffeisen-Gruppe.
Bei der Bündner Kantonalbank hat man die Libor-Hypotheken seit einigen Jahren im Angebot, doch erst seit einem halben Jahr gibt es eine nennenswerte Zahl von Abschlüssen. Heute wird rund ein Fünftel der Hypotheken auf Libor-Basis abgeschlossen, sagt Geschäftsleitungsmitglied Thomas Roth.
Eine positive Bilanz ziehen die Verantwortlichen bei der Neuen Aargauer Bank: «Wer sich in den vergangenen Jahren für eine Libor-Hypothek entschieden hat, hat damit gute Erfahrungen gemacht.»
(mb)
Libor-Hypotheken
Libor-Hypotheken sind Hausfinanzierungen, die mit einem Rahmenvertrag für 2, 3 oder 5 Jahre abgeschlossen werden.
Der Zinssatz basiert auf den Zinskonditionen des internationalen Geldmarkts. Massgebend ist der Geldmarktsatz Libor (London Interbank Offered Rate), der für Ausleihungen zwischen Banken angewendet wird.
Der Libor wird täglich in London für 1-Monats-, 3-Monats-, 6-Monats- und 12-Monatsgelder fixiert. Je nachdem, welcher Liborsatz angewendet wird, wird der Hypothekarzins nach 1, 3, 6 oder 12 Monaten für eine weitere Periode angepasst.
Auf den Libor schlägt die Bank eine fixe Marge von 1 bis 1,5 Prozent.
01. August 2002
