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Artikel | K-Geld 4/2002

«Gute neue Ideen überholen alte Ideen»

Anthony Bolton ist der erfolgreichste Manager von Europa-Fonds. Sein Fidelity Funds - European Growth Fund liegt im K-Geld-Vergleich klar an der Spitze. Bolton investiert in unterbewertete Firmen, darunter viele mittlere und kleine.

Anthony Bolton ist ständig auf der Suche nach unterbewerteten Titeln - Firmen also, die nach seiner Einschätzung mehr Wert sind, als dies der aktuelle Aktienkurs widerspiegelt. 53 Aktienanalysten unterstützen den Engländer dabei. Die Entscheide fällt der Fondsmanager aber selber.

Bolton ist ein typischer Stock-Picker. Er orientiert sich bei der Zusammenstellung seines Portefeuilles nicht am Vergleichsindex. Er sucht lediglich die aussichtsreichsten Einzeltitel. Die Gewichtung eines Landes in seinem Portefeuille hängt einzig davon ab, wie viele attraktive Firmen er findet.

Eine Ausnahme bildet England. Sein Engagement in diesem Markt beschränkt Bolton mit rund 30 Prozent etwa auf die Gewichtung im Vergleichsindex. Der Fondsmanager tut dies, obschon er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung auf dem englischen Markt «jederzeit zahlreiche attraktive Möglichkeiten für Investitionen finden würde», wie er selber sagt. Mit dieser Beschränkung will Bolton aber verhindern, dass ihm «gute Gelegenheiten in anderen Märkten entgehen».

Etwa 50 Prozent des Fondsvermögens investiert der Brite in kleinere und mittelgrosse Unternehmen. Er geht davon aus, «dass es einfacher ist, unter diesen Firmen die Perlen zu finden, weil Investoren sie oft weniger beachten».

Als aktuelles Beispiel nennt er das finnische Unternehmen Amer. Amer liefert Sportartikel und stellt Tabakwaren her. Die Firma ist aus Sicht von Bolton günstig bewertet.

Einen weiteren Schwerpunkt setzt der Fondsmanager bei gebeutelten Unternehmen, die sich an einem Wendepunkt befinden oder mögliche Übernahmekandidaten sind. Zu diesen gehört laut Bolton die ProSiebenSat1 Media, die früher Teil des Kirch-Medienimperiums war.

Die Entscheidungsgrundlagen für ihre Investitionen erarbeiten sich Bolton und sein Team durch regelmässige Treffen mit Firmenvertretern. Alleine in den Londoner Büros finden jeden Tag 15 bis 20 solcher Treffen statt. Die Analysten besuchen aber auch Firmen vor Ort, sprechen mit Angestellten und sehen sich in den Fabriken um. «Wir erfahren so, was eine Firma tut, wie sie es tut und ob sie es gut tut», sagt Bolton.

Keine leichte Aufgabe, in Zeiten, in denen zahlreiche Unternehmen bezichtigt werden, ihre Bilanzen zu schönen. «Unser Ansatz beinhaltet die bestmögliche Risikokontrolle», sagt Bolton zu diesem Thema und: «Wir kennen jede Firma, in die unsere Fonds investieren, im Detail.»

Bolton ist ein ruhiger Investor. Er lässt sich durch kurzfristige Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen. Die meisten Aktien kauft er mit einer Perspektive von ein bis zwei Jahren. Im Schnitt behält er ein Papier 18 Monate.

Ein eigentliches Kursziel setzt Bolton bei seinen einzelnen Investitionen nicht. Als Value-Investor sucht er nach ungewöhnlichen Situationen bei Firmenbewertungen. Normalisiert sich die Lage, führt dies tendenziell zum Verkauf. «Gute neue Ideen überholen alte Ideen», sagt Bolton, «und wenn ich zahlreiche gute Ideen habe, versuche ich diese umzusetzen und verändere so mein Portefeuille.»

Patrick Gut



Fidelity Funds - European Growth Fund

Der Fidelity Funds - European Growth Fund ist der erfolgreichste auf Europa spezialisierte Aktienfonds der letzten Jahre. Er konzentriert sich auf unterbewertete Unternehmen und investiert dabei in viele Nebenwerte.

Fondsleitung: Fidelity Funds

Fondsdomizil: Luxemburg

Valor: 207 531

Erstausgabe: 1. Oktober 1990

Rechnungswährung: Euro

Fondsvolumen: 14,9 Mrd. CHF

Management-Gebühr: 1,5 % p.a.

Anteilspreis am 15. August 2002: 6,356 Euro

Kurspublikation: NZZ, FuW, www.fidelity-international.com



Die zehn grössten positionen des fidelity european growth fund per 30. 6. 2002

1. Credit Lyonnais - 2,6 %

2. British American Tobacco - 2,0 %

3. Safeway - 1,9 %

4. Bank of Ireland - 1,9 %

5. Swiss Re - 1,8 %

6. Telecom Italia - 1,7 %

7. Swedish Match - 1,6 %

8. Statoil - 1,6 %

9. Gallaher Group - 1,5 %

10. Altadis - 1,4 %

01. August 2002


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