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Artikel | K-Geld 4/2002

Aktienfonds Europa: Der Sieger ist allen davongerannt

Der Börsencrash hinterlässt Spuren: Von 142 getesteten Fonds der Kategorie «Aktien Europa» hat nur der Testsieger über die letzten drei Jahre eine respektable Rendite erwirtschaftet: pro Jahr rund 5,8 Prozent.

Der Absturz der Aktienbörsen im Juni und Juli dieses Jahres hat die Fondsanleger hart getroffen. Aktienfonds, die noch Ende Mai schöne Renditen über die letzten Jahre ausweisen konnten, standen Ende Juli plötzlich mit tiefroten Zahlen da.

142 Anlagefonds der Kategorie «Aktien Europa» haben die Fondsspezialisten des VZ VermögensZentrums für K-Geld getestet. Die Resultate sind ernüchternd: 140 von 142 Fonds haben über die letzten drei Jahre Verlust gemacht. Nur jeder dritte Fondsmanager hat besser abgeschnitten als der Index.

Der Test beweist, dass es sich nicht lohnt, die Management-Gebühren für einen durchschnittlichen Anlagefonds zu zahlen. Wenn man den Index nämlich mit einem Anlagefonds nicht schlagen kann, fährt man mit den kostengünstigeren Indexaktien (Exchange Traded Funds ETF) besser.

Fonds, die über mehrere Jahre schlecht abgeschnitten haben, gehören deshalb nicht ins Depot, auch wenn die Hausbank sie empfiehlt.

Die besten Fondsmanager sind ihr Geld wert. Die Top Ten der Aktienfonds Europa haben alle den Index deutlich geschlagen. Mit dem Siegerfonds, dem Fidelity European Growth Fund, konnte man über die letzten drei Jahre trotz Börsencrash sogar Geld verdienen.

Der renditestärkste Fonds der Kategorie legte in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich 5,76 Prozent zu. Der schwächste Fonds verlor 17,6 Prozent pro Jahr. Mit anderen Worten: Aus tausend Franken wurden in drei Jahren im besten Fall 1183 Franken, im schlechtesten blieben noch 559 Franken.

Europa ist ein Wirtschaftsraum mit vielen Chancen. Für die europäische Wirtschaft spricht:

- Europa besitzt mit seinen Anrainerstaaten ein sehr grosses wirtschaftliches Entwicklungspotenzial.

- Die EU schafft mit der geplanten Ost-Erweiterung einen riesigen Binnenmarkt. Das wird zu erhöhtem Konkurrenzdruck, höherer Produktivität und mehr Wachstum führen.

- Die europäischen Börsen sind zurzeit im Vergleich zu jenen in den Vereinigten Staaten gemessen an den Unternehmensgewinnen tief bewertet. Nachteilig könnten sich folgende Faktoren auswirken:

- In wichtigen Staaten wie Deutschland ist die Arbeitslosigkeit hoch und das Wachstum schwach.

- Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den EU-Staaten erschweren eine entschlossene Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

- Sowohl Steuerbelastung, Staatsverschuldung als auch die Haushaltsdefizite sind in vielen Ländern hoch.

Europa gehört in jedes Aktien-Portefeuille. Wer langfristig in Aktien investiert, sollte auch in Zukunft einen Teil in die europäische Wirtschaft stecken», sagt Markus Graf, Leiter Fondsresearch beim VZ VermögensZentrum. Die geografische und branchenmässige Diversifikation erhöht die Gewinnchancen und senkt gleichzeitig das Risiko für die Anleger. Das Gewicht Europas im Weltaktienindex MSCI World beträgt zurzeit rund 31 Prozent.

Welche Fonds hatten in den letzten Jahren die Nase vorn? Der Vergleich umfasst alle 142 Fonds der Kategorie «Aktien Europa», die in der Schweiz zugelassen und seit mindestens drei Jahren auf dem Markt sind. Das VZ VermögensZentrum hat die Rendite- und Sicherheitskennzahlen dieser Fonds berechnet und sie entsprechend rangiert. Welche zehn Fonds im K-Geld-Test am besten abgeschnitten haben. Die Resultate aller 142 Fonds sind auf der K-Geld-Website unter www.kgeld.ch zu finden.

Klarer Sieger: der Fidelity Funds - European Growth Fund. Er erzielte übrigens nicht nur über drei Jahre die beste Rendite aller Fonds seiner Kategorie, er ist auch über fünf und zehn Jahre die Nummer 1. Der Testsieger erreichte die mit Abstand höchste Renditekennzahl und eine gute Sicherheitskennzahl.

Die Bezeichnung «Growth Fund» für diesen Fonds ist aber verwirrend, da sich das Fondsmanagement auf unterbewertete Titel und nicht auf Wachstumswerte konzentriert.

Der Fidelity European Growth Fund weist unter allen Konkurrenten das weitaus grösste Fondsvolumen auf. Der Fonds könnte deshalb in Zukunft Probleme haben, seiner Strategie, die sich stark auf Unternehmen mittlerer Grösse konzentriert, treu zu bleiben. Ausdruck dieser Problematik ist die steigende Anzahl Titel, die das Portfolio dieses Fonds enthält. Derzeit sind es bereits rund 250.

Der Siegerfonds wird seit zwölf Jahren vom gleichen Fondsmanager geleitet. Anthony Bolton hat in dieser Zeit den Wert der Anlagen etwa vervierfacht, während der Vergleichsindex sich bloss verdreifacht hat. Dass Bolton die Leitung des Fonds auf Ende 2002 abgibt, dürfte die Anleger nicht freuen. Wechsel im Fondsmanagement sind erfahrungsgemäss ein Risiko.

Positiv dagegen ist: Der erfolgreiche Fondsmanager Bolton bleibt bei Fidelity und übernimmt die Aus- und Weiterbildung von Fondsmanagern und Analysten. Seinem Nachfolger, mit dem Bolton schon seit 18 Jahren zusammenarbeitet, bleibt er als Berater erhalten.

Christoph Neuhaus, Patrick Gut



Euro-Kurs Beeinflusst Renditen

Alle im Fonds-Test berechneten Renditen und Indizes gelten ausschliesslich für Schweizer Anleger, die auf Anlagen in Euro ausser den schlechten Börsenkursen auch noch einen herben Währungsverlust hinnehmen mussten: Der Euro hat gegenüber dem Franken in den drei Jahren total 9,1 Prozent an Wert verloren.



So wurden die fonds bewertet und rangiert

Die Fondsspezialisten des VZ VermögensZentrums haben ein System entwickelt, um die besten Fonds aus der jeweiligen Kategorie zu bestimmen.

Die Spezialisten ermitteln für jeden Fonds eine Rendite- und eine Sicherheitskennzahl. Beide Werte setzen sich aus jeweils drei Teilfaktoren zusammen.


Renditekennzahl

- Quartilsranking (Gewichtung: 40 %): Hier wird ausgezählt, wie oft ein Fonds in den letzten 36 Monaten punkto Rendite im Quartil, das heisst im besten Viertel seiner Kategorie, rangierte. Jede einzelne Platzierung im ersten Viertel gibt vier Punkte; Platzierungen im letzten Viertel jeweils nur einen Punkt.

- Rendite (Gewichtung: 30 %): Dieses Kriterium misst die durchschnittliche Rendite pro Jahr.

- Positive Elastizität (Gewichtung: 30 %): Sie misst, ob ein Fonds in einer Aufwärtsphase mehr, weniger oder gleich viel gewinnt wie sein Vergleichsindex (für die Kategorie Aktien Europa der MSCI Europe).


Sicherheitskennzahl

- Volatilität (Gewichtung: 40 %): Die Schwankungsbreite über drei Jahre ist das Mass für die Kursschwankungen, innerhalb deren sich zwei Drittel der Kursausschläge befanden. Eine kleine Volatilität bringt viele Punkte.

- Negative Elastizität (Gewichtung: 40 %): Sie misst, ob ein Fonds in einer Abwärtsphase mehr, weniger oder gleich viel verliert wie sein Vergleichsindex.

- Maximaler Verlust (Gewichtung: 20 %): Prozentual höchster Wertrückgang während eines Zeitraums von höchstens sechs Monaten.

Bei der Sicherheits- und der Renditekennzahl gibt es jeweils maximal 100 Punkte zu holen. Auf Rang 1 befindet sich derjenige Fonds, der dem Punktemaximum (200 Punkte) am nächsten kommt.

01. August 2002


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