|
(0) |
Wanderschuhe sind meist solide gebaut und schützen vor Nässe. Das zeigte ein internationaler Test. Erstaunlich: Schon für 77 Franken ist ein gutes Allround-Modell erhältlich.
Das Problem scheint unlösbar: Beim Aufstieg, wenn der Rucksack schwer ist und die Sonne einheizt, entwickelt sich in Wanderschuhen ein extremes Mikroklima. Dann sondern Füsse rund 13 Gramm Feuchtigkeit pro Stunde ab. Wenn Futter und Obermaterial des Schuhs nicht wenigstens einen Teil der Feuchtigkeit aufsaugen und nach aussen leiten, schmoren die Füsse im eigenen Saft. Wanderschuhe sollten also Feuchtigkeit von innen nach aussen durchlassen. Das ist für viele Wanderer das A eines guten Wanderschuhs.
Das O folgt auf dem Fusse, wenn der Aufstieg geschafft und nur noch ein kleiner Bach den Weg zum Bergsee versperrt. Beim Durchqueren des Wassers darf keine Feuchtigkeit von aussen nach innen dringen.
Kein Modell kann alle Kriterien erfüllen
Ebenso wichtig: Beim Aufstieg hätte man gerne einen leichten Schuh. Beim Abstieg ist das solide Modell gefragt mit starkem Schaft und harter Sohle - Voraussetzung für einen sicheren Tritt.
Ein zeitgemässer Schuh sollte also atmungsaktiv und trotzdem wasserdicht sein, stabil und trotzdem bequem. Diesen Allround-Wanderschuh gibt es nicht. Entgegengesetzte Eigenschaften lassen sich nicht in einem Modell vereinen.
Lafuma: Günstiges Unisex-Modell für leichteres Gelände
«Das Wichtigste beim Kauf eines Wanderschuhs ist, dass man ihn in der richtigen Kategorie wählt», sagt Felix Bächli, stellvertretender Geschäftsleiter von Bächli Bergsport. «Das heisst, dass er nicht zu fest, aber auch nicht zu leicht gebaut ist.»
Bevor Wanderfreunde auf der Suche nach dem optimalen Schuh in ein Fachgeschäft gehen, müssen sie sich im Klaren darüber sein, für welche Bedingungen sie den Schuh gebrauchen wollen: Eintägige Flachlandtouren auf befestigten Wegen, ausgedehnte Gebirgswanderungen oder ambitionierte Leistungsmärsche durch Geröll und wegloses Gelände.
Wer sich entschieden hat, findet viele gute Wanderschuhe auf dem Markt. Das zeigt ein internationaler Test von neun gut verkauften Modellen: Heraus ragten hier Raichle Tuareg GTX, Lowa Lady GTX und Salomon STF 6 GTX. Sie überzeugten sowohl im Labor als auch in der Praxis.
Für Familien oder Wanderer mit kleinem Budget ist das Modell von Lafuma eine gute Wahl. Für 77 Franken bietet der Schuh ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Allerdings ist der Schuh nur für mittelschweres Gelände geeignet.
Um herauszufinden, wie sich die Test-Wanderschuhe im Gelände bewähren, hat sie eine erfahrene Wandergruppe auf einer Distanz von 50 Kilometern ausprobiert. Die Wanderer haben den allgemeinen Komfort eingeschätzt und bewertet, wie stark sie darin schwitzen, und wie gut der Tritt auf trockenem und nassem Grund ist.
«Das beste Modell nützt allerdings nicht viel, wenn die Passform nicht dem Fuss entspricht», sagt Felix Bächli. Vorderfuss und Ferse müssen perfekt in den Schuh passen. Um die optimale Passform herauszufinden, sollte man Schuhe verschiedener Hersteller anprobieren. Darauf müssen Sie beim Kauf achten:
- Probieren Sie immer beide Schuhe an, Ihre Füsse sind nicht identisch.
- Nehmen Sie Wanderschuhe eher eine Nummer grösser als Ihre Alltagsschuhe. Bei Hitze und Anstrengung dehnen sich die Füsse aus.
- In guten Geschäften steht eine schiefe Ebene, wo Sie auf- und absteigen können. Nur so können Sie erahnen, wie gut die Schuhe in schwierigem Gelände sitzen.
- Ein Wanderschuh mit weicher, geschmeidiger Sohle ist nur auf ebenem Gelände weniger ermüdend. Auf schrägen Wegen knicken Sie damit aber ein und strapazieren Sehnen und Muskeln.
- Im Hochgebirge und auf Geröll ist ein Schuh mit steifer Sohle und stabilem Schaft am günstigsten. Vermeiden Sie aber extreme Modelle: Für steigeisenfeste Schuhe müssen die Füsse abgehärtet sein. Generell gilt: Je sportlicher der Wanderer, desto stärker darf der Schuh gebaut sein.
- Eine zwischen Futter und Aussenmaterial eingearbeitete Goretex- oder Sympathex-Membrane macht den Schuh wasserdicht - jedenfalls solange die Membrane keinen Riss aufweist. Doch auch ein eingefetteter Lederschuh hält das Wasser zurück.
- Kaufen Sie dicke Funktionssocken aus synthetischem Material oder Wolle - nicht aus Baumwolle.
- Das Fussbett muss herausnehmbar sein, damit die Schuhe schneller trocknen.
- Dass jeder Wanderschuh ein bisschen drückt und sich das nach dem Einlaufen ergibt, ist ein Mythos.
Ganz wichtig beim Kauf: Nehmen Sie sich Zeit. Planen Sie eine gute Stunde ein, bis Sie sicher sind, dass der Schuh perfekt sitzt. Denn Schmerzen beim Wandern verderben die schönste Aussicht.
Peter Basler
Nur zwei nicht ganz dicht
Bei den verschiedenen Teilprüfungen zeigten die getesteten Wanderschuhe kaum Schwächen.
- Abnutzung der Sohle: Alle Test-Modelle erhielten gute Noten. Unterschiede zeigten sich bei der Abnutzung der Innensohle und des Futters.
- Strapazierfähigkeit: Hier zeigte der Scarpa-Schuh eine leichte Schwäche.
- Die Sohle muss beim Auftritt den Druck auf die Ferse dämpfen. Die beste Abfederung boten die Schuhe von Lowa, Raichle und Salomon.
- Damit die Füsse in den Schuhen trocken bleiben, muss ein guter Wanderschuh gegen Feuchtigkeit von aussen schützen. Alle Test-Modelle waren gänzlich wasserdicht. Die meisten hielten das Wasser mehr als 60 Minuten zurück. Bei Scarpa drang Wasser nach 30 Minuten ein, bei Lafuma nach 15 Minuten.
- Schwachpunkt bei vielen Modellen war die Aufnahmefähigkeit von Feuchtigkeit des Innenschuhs. Wer schnell schwitzt, ist deshalb mit den Modellen von Asolo, Aigle, Lafuma und Technica eher schlecht bedient.
28. August 2002
