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Der Lausanner Krankenkasse Supra geht es schlecht. Darunter leiden die Versicherten: Sie warten monatelang auf ihr Geld.
Seit ihrem Schlaganfall muss Margot Seiler jeden Monat zum Arzt. Die 70-Jährige ist darauf angewiesen, dass die Supra ihre Arztrechnungen pünktlich begleicht. Weit gefehlt: «Seit April ist eine Rechnung über 940 Franken offen und seit Juni eine über 640 Franken», ärgert sich Margot Seiler. «Die Supra-Filialen sind geschlossen worden. Briefe bleiben unbeantwortet, und das Telefon ist entweder besetzt, oder es kommt ein Beantworter.» Der Service der Kasse ist miserabel, umso dreister die Forderung der Supra, die Prämien bereits am 30. des Vormonats zu bezahlen. Säumige Kunden werden nach zwei Mahnungen betrieben.
«Mit solchen Massnahmen versuchen kränkelnde Kassen, kostenintensive Versicherte loszuwerden», diagnostiziert Gesundheitsökonom Willy Oggier. Supra selber wollte gegenüber Kassensturz keine konkreten Angaben über ihre finanzielle Lage machen.
Durch Erhöhung der Prämien nicht mehr konkurrenzfähig
Fakt ist: Die Supra muss das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) monatlich über ihre Finanzsituation informieren. Denn die Kasse liegt gewissermassen im Koma: Ihre gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Reserven von 20 Prozent sind laut BSV auf 0,2 Prozent gesunken.
Aufgrund der schlechten Finanzlage erhöhte Supra ihre Prämien dieses Jahr gleich zweimal. Mit den hohen Prämien ist die Kasse in den meisten Kantonen nicht mehr konkurrenzfähig. Die Folge: Mitgliederschwund. Waren es 1997 noch rund 285 000 Grundversicherte, so sind es heute nur noch rund 127 000. Willy Oggier rät den Grundversicherten, die Kasse Ende Jahr zu verlassen.
Was passiert, wenn die Supra pleite ginge? Der Insolvenzfonds der Krankenversicherer würde für die offenen Rechnungen einspringen. Er deckt die Forderungen der Grundversicherten.
Supra-Versicherte, die monatelang auf ihr Geld warten, können sich an das BSV in Bern wenden. Oder - wie Margot Seiler - an die Öffentlichkeit. Supra hat ihre Rechnungen plötzlich ganz schnell bezahlt.
Nadine Woodtli
Jede Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, Antragsteller in die Grundversicherung aufzunehmen. Mehr dazu unter www.kassensturz.ch
28. August 2002
