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Artikel | Gesundheits-Tipp 3/2001

Blutgruppendiät - Das Blut diktiert, was auf den Teller kommt

Die Diät von Peter J. D'Adamo findet immer mehr Anhänger - Fachleute sind skeptisch und warnen vor Mangelerscheinungen

Nur essen, was der eigenen Blutgruppe entspricht? Auch wenn dies beim Abnehmen helfen kann - Fachleute beurteilen die Diät kritisch. Am gesündesten ist immer noch eine ausgewogene, bewusste Ernährung.

Regula Schneider rschneider@pulstipp.ch

Thomas Lörtscher steht in einem Zürcher Lebensmittelgeschäft. Er hält das Buch «4 Blutgruppen - vier Strategien für ein gesundes Leben». in der Hand. Der Familienvater aus Wädenswil sieht im Buch nach, was er als Träger der Blutgruppe B essen darf. Joghurt zum Beispiel. Er greift sich ein Erdbeerjoghurt aus dem Regal und geht weiter.

Lörtscher ist überzeugt von Peter J. D'Adamos Blutgruppendiät. Seit fast zwei Jahren richtet er sich nach der Trenddiät. Mit Erfolg. Er hat insgesamt 18 Kilogramm abgenommen. «D'Adamos Theorie ist das Logischste, das ich bis jetzt gelesen habe», sagt er.

Mit dieser Meinung steht Lörtscher nicht allein. Die Blutgruppendiät erlebt zur Zeit einen regelrechten Boom. Erfunden hat sie Peter J. D'Adamo. Soeben hat der amerikanische Arzt sein drittes Buch veröffentlicht. Zurzeit reist er durch die Schweiz und Deutschland, um sein neustes Werk anzupreisen.

D'Adamos Theorie: «Die Blutgruppe bestimmt die Krankheitsanfälligkeit und gibt vor, welche Nahrungsmitteln man zu sich nehmen soll.» Er begründet dies mit der Wirkungsweise von Lektinen. Das sind pflanzliche Eiweisse, die in Nahrungsmitteln, gelangen. Bestimmte Lektine können bewirken, dass die roten Blutkörperchen geringfügig verkleben. Der amerikanische Arzt hält diese Lektine für gefährlich. Er gibt ihnen die Schuld an ernsthaften Krankheiten. Unverträgliche Lektine sollen Blutzellen verklumpen, Organe schädigen und Nierenversagen herbeiführen: «Sie verklumpen die Zellen und zerstören sie. Diese Verklumpung kann zu Reizdarm und zur Verhärtung der Leber führen oder den Blutzufluss durch die Nieren verhindern.»


Fleischesser oder «duldsame Vegetarier»?

Laut D'Adamo verträgt jede Blutgruppe nur ganz bestimmte Nahrungsmittel, beziehungsweise Lektine, die darin enthalten sind. Seine abenteuerliche Theorie: Jede Blutgruppe sei für eine ganz bestimmte Ernährungweise geschaffen. Hinweise dafür liefere die Evolutionsgeschichte.

- Blutgruppe 0: Vertreter dieser Blutgruppe seien «Überlebende an der Spitze der Nahrungskette» und deshalb Fleischesser in Reinkultur.

- Blutgruppe A: Diese Menschen würden den «ersten Einwanderern» entstammen, sie seien als «duldsame Vegetarier» geboren.

- Blutgruppe B: Zu dieser Blutgruppe gehörten die «anpassungsfähigen Nomaden», die sogar Milchprodukte vertragen.

- Blutgruppe AB: Dies seien «zarte Nachkommen» aller Völkergruppen. Sie dürfen ihre vegetarische Ernährung mit Fleisch und Milchprodukten anreichern.

Wer solche Behauptungen im grossen Stil veröffentlicht, tut gut daran, sie mit stichhaltigen Beweisen zu untermauern. «D'Adamo lässt dies wiederholt bleiben», kritisiert Ulrike Gonder, Geschäftsführerin vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften im deutschen Hünstetten.

Für sie ist klar: «D'Adamos Theorie mag richtige Ansätze haben, in der Praxis ist sie jedoch unglaubwürdig.» Es sei wissenschaftlich nicht bewiesen, dass zwischen Blutgruppen und Ernährung ein Zusammenhang bestehe. «Würden D'Adamos Behauptungen stimmen, wären alle Menschen, die sich nicht nach Blutgruppen ernähren, in kurzer Zeit todkrank. Millionen würden daran sterben», sagt Ulrike Gonder und betont: «Würde das Blut tatsächlich so stark verklumpen, wie D'Adamo verkündet, müssten dauernd Menschen tot umfallen.»

D'Adamo behauptet weiter, die Ernährung nach Blutgruppen würde Krankheiten wie Krebs vorbeugen oder deren Verlauf positiv beeinflussen. Corinne Trachsel vom Schweizerischen Verband diplomierter Ernährungsberaterinnen warnt vor solchen Aussagen: «D'Adamo weckt falsche Hoffnungen. Die Ernährung kann lebensbedrohliche Krankheiten leider nur sehr begrenzt beeinflussen.»


Einseitige Ernährung kann zu Spätschäden führen

Franziska Uhlmann von der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung hält die Blutgruppendiät sogar für gesundheitsschädigend: «D'Adamo rät von ganzen Nahrungsgruppen ab. Die zu ersetzen ist aber sehr schwer.» Menschen der Gruppe A sollen zum Beispiel kein Fleisch essen und gleichzeitig auf die meisten Milchprodukte verzichten. Franziska Uhlmann: «Wer sich einseitig ernährt, bekommt die Schäden oft erst Jahre später zu spüren.»

Thomas Lörtscher interessieren diese Einwände wenig. Für ihn zählt das Ergebnis. Und das heisst körperliches Wohlbefinden und 18 Kilogramm weniger Speck. Franziska Uhlmann schreibt dies einem Nebeneffekt zu, der bei vielen Diäten vorkommt: «Die Leute setzen sich mit den Lebensmitteln auseinander und sparen unbewusst Fett ein.» Dies könnte auch auf Thomas Lörtscher zutreffen.

Neben der Blutgruppendiät gibt es noch viele andere zweifelhafte Trenddiäten. Puls-Tipp-Ernährungsfachfrau Carine Buhmann räumt ein, dass manche Menschen mit einer solchen Kur vorübergehend abnehmen. Mit der Ananas-, Kartoffel- oder Blutgruppendiät habe das jedoch nichts zu tun: «Viele Trenddiäten funktionieren nur deshalb, weil sie für eine gewisse Zeit eine radikale Umstellung der Ernährung verlangen. Und das bedeutet: weg von der fetten, ballaststoffarmen Gewohnheitskost.»

Wer abnehmen will, sollte nicht auf kurzfristige Erfolge setzen. Entscheidend ist es, falsche Lebens- und Essgewohnheiten zu erkennen und zu ändern. Dazu gehört auch mehr Bewegung und genügend Flüssigkeit. Täglich 2 Liter Wasser, Kräuter- oder ungesüsster Früchtetee sollten es mindestens sein. Auf alkoholische Getränke sollte man verzichten, da Alkohol sehr kalorienreich ist und die Fettverbrennung im Körper drosselt. Entscheidend für den Erfolg: Will man die abgespeckten Kilos für immer los sein, muss man die neuen, «schlankeren» Gewohnheiten unbedingt beibehalten. «Wichtig ist, dass das Essen schmeckt und gleichzeitig gesund ist.»

Internet-Adresse: Tipps zur gesunden Ernährung finden Sie unter www.dr-walser.ch/ernaehrung.htm



Gesunde Ernährung - So essen Sie sich schlank - auch ohne Diät

Getreideprodukte/Kartoffeln

Bevorzugen Sie Vollkornprodukte. So bekommt der Körper genügend Nähr- und Ballaststoffe. Essen Sie täglich drei grosszügige Portionen stärkehaltiger Beilagen wie Brot, Kartoffeln, Reis, Getreide oder Teigwaren. Das sättigt, ohne das Fettdepot zu nähren.


Milch und Milchprodukte

Verfeinern Sie Saucen mit Milch oder Joghurt anstelle von Rahm. Verwenden Sie möglichst fettarme Produkte. Besondes gut eignen sich Quark, Hüttenkäse, Sauermilch, Naturejoghurt und Buttermilch.


Gemüse und Obst

Essen sie mehrere Portionen Gemüse pro Tag, davon mindestens einmal roh als Dip oder Salat. Kein anderes Lebensmittel enthält so wenig Kalorien und gleichzeitig so viele Vitamine und Mineralstoffe. Früchte sind ideale Schlankmacher. Deshalb ist frisches Obst auch ideal als Zwischenmahlzeit.


Fette und Öle

Essen Sie so wenig Fett wie möglich und achten Sie auf gute Qualität. Für die kalte Küche sind hochwertige kalt gepresste Öle wie Olivenöl oder Sonnenblumenöl empfehlenswert. Wählen Sie fettarme Gar- und Bratmethoden, zum Beispiel speziell beschichtete Pfannen, Römertopf, Garen in Dampf.


Süsses

Essen Sie zuckerhaltige Süssigkeiten selten und nur ausnahmsweise. «Süsse Gelüste» lassen sich auch mit reifen Saisonfrüchten wie Bananen oder mit Dörrfrüchten stillen. Führen Sie sich nicht in Versuchung, indem Sie Süssigkeiten zu Hause hamstern.


Fleisch

Verzichten Sie möglichst auf fettreiche Wurstwaren wie Schinken, Speck, Lyoner. Alternativen dazu sind Trockenfleisch, Bündnerfleisch oder Geflügel. Beschränken Sie die Fleischmahlzeiten auf ein- bis zweimal pro Woche als kleine Beilage. Einmal wöchentlich Fisch ist eine gute Alternative.

01. März 2001


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