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Obwohl die Banken die Libor-Hypothek nicht propagieren, gewinnt sie rasch Marktanteile, weil Hausbesitzer damit Geld sparen. K-Geld erklärt, wie die Libor-Hypothek funktioniert und welche Vor- und Nachteile sie hat.
Seit kürzlich die Nationalbank die Zinsen um ein halbes Prozent gesenkt hat, sind die billigsten Hausfinanzierungen noch günstiger geworden. Libor-Hypotheken gab es Mitte Juni schon ab einem Zins von 2,38 Prozent. Variable oder Festhypotheken sind dagegen vergleichsweise teuer. Weil man mit Libor-Hypotheken viel Geld sparen kann, kommen Hausbesitzer immer öfter von anderen Hypothekarmodellen ab. Doch wie funktionieren Libor-Hypotheken überhaupt und welche Risiken gibt es?
Geldmarktzinsen als Basis
Libor-Hypotheken sind Hausfinanzierungen, die mit einem Rahmenvertrag für eine bestimmte Zeitdauer, zum Beispiel für 2, 3 oder 5 Jahre, abgeschlossen werden. Der Zinssatz der Libor-Hypothek basiert auf den Zinskonditionen des internationalen Geldmarkts.
Libor ist die Abkürzung für London Interbank Offered Rate und bezeichnet den aktuellen Zinssatz für das Ausleihen von kurzfristigen Geldern zwischen Banken. Der Libor wird täglich in London fixiert. Entsprechend den unterschiedlichen Laufzeiten der ausgeliehenen Gelder gibt es verschiedene Libor-Sätze: für 1-Monats-, 3-Monats-, 6-Monats- oder 12-Monats-Gelder. Je nachdem, welchen dieser Sätze die Bank der Libor-Hypothek zugrunde legt, werden die Zinsen jeweils nach 1, 3, 6 oder 12 Monaten angepasst. Bei einer Libor-Hypothek, die auf dem 6-Monats-Libor basiert, kann die Bank sich rollend alle 6 Monate für jeweils weitere 6 Monate refinanzieren. Man nennt die Libor-Hypothek deshalb auch Rollover-Hypothek.
Transparente Zinsgestaltung
Die Kosten der Libor-Hypothek sind transparent, denn der Hypothekarzins setzt sich zusammen aus dem Libor-Zins und der über die ganze Laufzeit des Vertrages gleich bleibenden Marge der Bank. Je nach Geschäftspolitik der Bank und abhängig von der Bonität des Kunden liegen die Margen bis 65 Prozent Belehnung in der Regel zwischen 1 und 1,375 Prozent.
Im Gegensatz dazu ist bei der variablen Hypothek die Zinsgestaltung der Bank für den Kreditnehmer undurchsichtig.
Kurzfristige Zinsen sind meist günstiger als langfristige
In den meisten Marktsituationen profitieren Libor-Hypotheken davon, dass kurzfristige Gelder normalerweise günstiger sind als langfristige.
Faire Zinsanpassung
Die Termine der Zinsanpassung sind bei der Libor-Hypothek zum Voraus festgelegt.
Auf der Basis des 6-Monats-Libors zum Beispiel wird der Zins alle 6 Monate den aktuellen Geldmarktzinsen angepasst. Die Anpassungen des Hypothekarzinses funktionieren bei der Libor-Hypothek nach fairen Spielregeln.
Bei den variablen Hypotheken kann die Bank den Zins entsprechend dem Kleingedruckten in den meisten Kreditverträgen einseitig und meist innert 30 Tagen neu festlegen. Diese Vertragsbestimmungen ermöglichen der Bank ein weitgehend willkürliches Vorgehen.
De facto sind in der Vergangenheit die Zinsen der variablen Hypotheken jeweils eher langsam angepasst worden. Doch Garantien, dass die Banken dies auch in Zukunft so handhaben werden, gibt es keine.
Zudem pflegen die meisten Banken die schlechte Gewohnheit, Zinserhöhungen verhältnismässig rasch vorzunehmen, Zinssenkungen aber meist nur mit grosser Verzögerung weiterzugeben. Auf diese Weise versuchen die Banken ihre Marge zu vergrössern.
Anders als bei der Libor-Hypothek hat der Kunde bei der variablen Hypothek keine Garantie, dass er von Zinssenkungen profitieren kann.
Libor-Hypothek ohne Cap: Nur für relativ kurze Laufzeiten geeignet
Die Libor-Hypothek ist zwar besonders günstig, aber sie ist nicht ohne Risiko. Weil die Geldmarktzinsen unter Umständen rasch steigen können, sind Libor-Hypotheken ohne Zins-Obergrenze (Cap) nur für relativ kurze Laufzeiten von 2, maximal 3 Jahren zu empfehlen.
Nur wenige Banken führen offiziell Libor-Hypotheken ohne Zins-Obergrenze in ihrem Sortiment. Zu diesen zählen zum Beispiel die CS, die CIAL und die Bank Leu. Als Broker vermittelt das Hypotheken-Zentrum, eine Tochter des VZ VermögensZentrums, ebenfalls Libor-Hypotheken.
Libor-Hypothek mit Cap: Chance mit beschränktem Risiko
Für längere Laufzeiten sollte man die Libor-Hypothek mit einem Cap absichern. Das bedeutet, dass man sie mit einer Zins-Obergrenze (Cap) versieht. Mit dem so genannten Cap sichert man sich für den Fall ab, dass die Geldmarktzinsen sehr stark steigen. Dafür zahlt man allerdings eine Versicherungsprämie. Je tiefer die Zins-Obergrenze angesetzt wird, desto teurer ist die Prämie. In der Praxis sollte man den Cap deshalb nicht zu tief ansetzen, weil sonst die Absicherung zu teuer wird.
Hypothek in Tranchen aufteilen
Es ist am besten, eine Hypothek je nach Grösse in zwei bis drei Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten aufzuteilen. Damit lässt sich verhindern, dass man später die ganze Hypothek zum gleichen Zeitpunkt - eventuell unter ungünstigen Zins-bedingungen - refinanzieren muss. Wenn Sie Ihre Hypothek jetzt erneuern müssen, wäre eine Kombination sinnvoll: Zum Beispiel eine 2-Jahres-Libor-Hypothek ohne Absicherung mit einer 5-Jahres-Libor-Hypothek mit Absicherung.
Meinrad Ballmer
01. Juni 2002
