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Artikel | K-Geld 3/2002

«Wir wollen dur ch einen Sumpf ins Paradies»

Gottfried Heller leitet von München aus den Pro Fonds (Lux) Emerging Markets, der im K-Geld-Vergleich obenauf lag. Der 67-jährige Fondsmanager setzt auf Erfahrung und Menschenverstand.

Dem Anleger bieten sich enorm viele Möglichkeiten. Weshalb sollte er ausgerechnet in Schwellenländern investieren?

Immerhin rund 85 Prozent der Erdbevölkerung leben in Schwellenländern. Zwischen diesen und den Industrieländern existiert ein enormes Gefälle, was Pro-Kopf-Einkommen, Lebensstandard und Produktivität anbelangt. Es gibt also einen gewaltigen Nachholbedarf. Entsprechend ist das Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets deutlich grösser.


Das Gefälle existiert aber nicht erst seit heute.

Das ist richtig. Die Emerging Markets erlebten bereits 1993/94 einen ersten Aufschwung. Die Märkte waren aber gar nicht in der Lage, das ganze Kapital aufzunehmen. Sie waren zu wenig liquid. Die Kurse stiegen in der Folge zu stark und wir mussten mit einer tiefen Krise dafür büssen.


Was hat sich denn inzwischen geändert?

Die Aktienkurse sind etwa auf gleichem Niveau wie 1992, die Schwellenländer stehen heute in ihrer Entwicklung aber an einem anderen Punkt als damals. Teilweise haben sie tief greifende Reformen durchgeführt. So hat man in Asien das ehemals korrupte Bankensystem reformiert. Das Kapital, das von ausländischen Firmen investiert wurde, hat das seinige dazu getan. Wer zahlt, will nämlich mitreden.

Weil es in einzelnen Ländern wieder zu Krisen kommen kann, plädiere ich dafür, in den Schwellenländern nur breit gestreut über den ganzen Globus zu investieren. Meine Auswahl ist dabei immer eine ganz strikte Bewertungsfrage. Deshalb bin ich auch optimistisch für die Schwellenländer, denn heute sind die Aktien dort, was den Buchwert und das Kurs-Gewinn-Verhältnis angeht, deutlich günstiger bewertet als jene in den Industrieländern.


Wie picken Sie die vielversprechendsten Länder und Regionen heraus?

Wir arbeiten mit der Keppler Asset Management in New York zusammen. Diese Firma nimmt jeden Monat von neuem rund 30 Emerging Markets genau unter die Lupe. Keppler tut das anhand von diversen Wirtschaftskennzahlen. Aufgrund der Kennzahlen werden die Märkte dann in drei Kategorien eingeteilt: Kaufen, verkaufen oder halten. Momentan sind wir zu je einem Drittel in Asien und Osteuropa investiert. Es kommen rund 15 Prozent Lateinamerika und 10 Prozent Afrika hinzu.


Was geschieht, wenn Keppler Asset Management ein Land neu auf «kaufen» setzt?

Mit Unterstützung der State Street Bank in Boston wählen wir dann Unternehmen aus, in die wir investieren wollen. Wir achten darauf, dass jene Branchen stark vertreten sind, die auch die Wirtschaft eines Landes bestimmen.

In Südafrika etwa investieren wir fast ausschliesslich in die Anglo American Corp., denn Südafrika ist stark in Rohstoffen. In Korea und Taiwan setzen wir auf Hightechwerte. Mit dieser Strategie überschneiden sich die Branchen nicht und wir gehen damit ein kleineres Risiko ein.


Experten bemängeln immer wieder, dass es schwierig sei, an verlässliche Zahlen von Firmen in Emerging Markets heranzukommen.

Das ist tatsächlich so. Aus diesem Grund investieren wir nicht in Nebenwerte, sondern in die Schwergewichte eines Marktes. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass solche Titel besser handelbar sind, weil sich automatisch grössere Aktienvolumen im Markt befinden.


Wann verabschieden Sie sich wieder aus einem Markt?

Das machen wir konsequent, wenn Keppler ein Land auf «verkaufen» setzt. Wir tun das dann rigoros. Es kommt also nicht vor, dass wir einen einzelnen Titel eines Landes im Portefeuille behalten, weil wir ihn für vielversprechend halten.


Wie gross ist der Anteil des Fonds, den Sie durchschnittlich pro Jahr umwälzen?

Wir betreiben eine Politik der ruhigen Hand. Pro Jahr verkaufen wir im Schnitt Aktien von zwei Ländern und kaufen zwei neue dazu.


Gibt es eine Position, die sich demnächst verändern könnte?

Korea kommt für uns langsam in eine Phase, wo wir möglicherweise verkaufen. Diese Titel haben wir 1998 auf dem Tiefststand erworben. Damals haben namhafte Ökonomen von einem Engagement abgeraten. Als Fondsmanager muss ich aber weniger sehen, was ist, sondern vorausahnen, was sein wird.


Sie handeln also gegen den Trend?

Ganz genau. Und bis jetzt sind wir gut damit gefahren. Ende letzten Jahres haben wir unsere China-Papiere liquidiert, weil es zu stark nach Casino roch. Heute sind diese Titel noch halb so viel Wert.


Ihre Strategie braucht Mut.

Ja, und Erfahrung. Auf dem Weg durch ein Sumpfgebiet wollen wir das Paradies erreichen, aber ohne dabei zu ertrinken.

Patrick Gut



Der testsieger - Pro Fonds (Lux) Emerging Markets

Der Pro Fonds (Lux) Emerging Markets ist ein Aktienfonds nach luxemburgischem Recht mit Schwerpunkt in Schwellenländern weltweit. Die Anlagen werden nach Ländern, Branchen und Einzelwerten breit diversifiziert. Zur Risikominderung kann ein Drittel des Fondsvolumens in Gesellschaften investiert werden, die in den Hauptmärkten kotiert sind, aber einen bedeutenden Anteil ihrer Aktivitäten in den Emerging Markets haben.

Fondsmanagement: Fiduka Depotverwaltung GmbH München

Valor: 170 613

Erstausgabe: 21. 2. 1994

Rechnungswährung: CHF

Fondsvolumen: CHF 55 Mio.

Ausgabeaufschlag: max. 5 % Fondsmanagement Fee 2 % p. a.

Anteilspreis 29. 5. 2002: CHF 140,03

Kurspublikation: NZZ, «Der Bund», FuW, «Cash», SHZ, FAZ, www.profonds.ch



Zur person

Nach seinem Ingenieurstudium arbeitete Gottfried Heller ab 1963 sechs Jahre lang als Unternehmensberater in den USA. 1968 war er im Wahlkampf-Team von Robert Kennedy. 1969 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete 1971 zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Börsenguru André Kostolany die Fiduka Depotverwaltung GmbH. Der 67-jährige Heller arbeitet in München.

Gottfried Hellers Tipp: «Bei Pessimismus kaufen. Der Pessimismus ist die häufigste Ursache für niedrige Börsenkurse; je grösser der Pessimismus, desto niedriger die Kurse. Nutzen Sie diese Gelegenheit zum Kauf!»



Die zehn grössten positionen beim pro fonds (lux) emerging markets per 29. Mai 2002

1. Anglo American plc - 7,0 %

2. Berkshire Hathaway 'A'. - 5,6 %

3. Central European Eq. Fd. - 5,6 %

4. The Brazil Fund Inc. - 5,5 %

5. Morgan St. East Europe Fd. - 4,6 %

6. Komercni Banka - 4,1 %

7. Samsung Electronics - 3,1 %

8. Cesky Telecom - 3,0 %

9. HSBC Holdings - 2,7 %

10. Ceske Energeticke Zavody - 2,5 %

01. Juni 2002


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