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Das grösste Wachstumspotenzial haben nicht die Industriestaaten, sondern Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Polen. Der K-Geld-Fondstest hat 39 weltweite Emerging-Market-Aktienfonds auf Rendite und Sicherheit geprüft.
«Wer langfristig in Aktienfonds investieren will, darf 10 bis 15 Prozent davon in Emerging Markets anlegen», empfiehlt Markus Graf, Leiter Fondsresearch beim VZ VermögensZentrum. Die Emerging Markets (deutsch: aufstrebende Märkte), wie die Schwellenländer in Osteuropa, Asien, Lateinamerika und Afrika genannt werden, haben wirtschaftlich im Vergleich zu den Industriestaaten einen riesigen Nachholbedarf.
Die grossen Chancen dieser noch wenig entwickelten Märkte sprechen für Investitionen in die Emerging Markets:
- Schwellenländer haben ein enormes Wachstumspotenzial.
- Die Chance, mit Investitionen in Schwellenländern eine langfristig höhere Rendite zu erzielen als mit Anlagen in gesättigten Märkten, ist gross.
- Die Börsen der Emerging Markets entwickeln sich noch nicht so stark im Gleichschritt wie jene der Industriestaaten. «Wer einen Teil seines Geldes in Schwellenländern investiert, verteilt deshalb sein Risiko besser», sagt Graf.
- Die Aktienkurse sind gemessen an den Unternehmensgewinnen deutlich tiefer als in den Industriestaaten.
Doch die goldene Regel für Anleger gilt auch bei den Emerging Markets: Wo grosse Chancen liegen, lauern immer auch grosse Gefahren:
- In vielen Schwellenländern regieren Diktatoren. Die politische und ökonomische Stabilität sowie die Rechtssicherheit sind in vielen Staaten ungenügend.
- Der teilweise hohe Verschuldungsgrad der Länder kann zur Zahlungsunfähigkeit und zum Kollaps führen (Argentinien-Krise).
- Investitionen in Schwellenländern sind mit erheblichen Währungsrisiken verbunden.
Weil die Märkte und Firmen der Schwellenländer extrem schwierig zu beurteilen sind, kommen Investitionen in einzelne Aktien für Schweizer Kleinanleger kaum in Frage. Eine Möglichkeit bieten dagegen Aktienfonds.
Neben Fonds, die weltweit in Emerging Markets investieren, gibt es auch solche, die sich nur in bestimmten Regionen engagieren (zum Beispiel Asien, Lateinamerika, Osteuropa). K-Geld hat für diese Ausgabe jedoch ausschliesslich jene 39 Aktienfonds verglichen, die weltweit in Schwellenländern investieren und älter als drei Jahre sind.
Der renditestärkste Fonds erzielte im Beobachtungszeitraum vom 30. April 1999 bis zum 30. April 2002 einen Wertzuwachs von durchschnittlich 13,4 Prozent pro Jahr. Der renditeschwächste Fonds verlor im gleichen Zeitraum durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr. Konkret: Aus 1000 Franken wurden in drei Jahren im besten Fall 1458 Franken und im schlechtesten 901 Franken.
Das VZ VermögensZentrum hat für K-Geld die Sicherheits- und Renditekennzahlen der 39 Fonds errechnet.
Der Siegerfonds, Pro Fonds Emerging Markets, erzielte mit 12,3 Prozent die zweitbeste Rendite. Und er überzeugte mit der zweittiefsten Schwankungsbreite auch punkto Sicherheit. Er brach in Börsenbaissen weniger ein als die Konkurrenz.
Anlegertipp: Der Pro Fonds Emerging Markets ist für Anleger geeignet, die ein Gleichgewicht zwischen Risiko und Chance suchen.
Die Finanzmärkte von Schwellenländern wurden in den vergangenen Jahren immer wieder von Krisen geschüttelt - jüngstes Beispiel ist Argentinien. Trotzdem konnte der ABN Amro Global Emerging Markets Equity Fund eine Rendite von 13,4 Prozent pro Jahr erzielen. Damit ist er der renditestärkste Fonds dieser Kategorie.
Wegen der schlechten Sicherheitskennzahl reichte es ihm nur auf Platz zwei. Das Fondsmanagement setzt sich aus einem globalen Emerging-Market-Team und Spezialisten in den einzelnen Ländern zusammen. Fondsmanager Joseph van den Heuvel sucht nach Unternehmen, die ein nachhaltiges und überdurchschnittliches Gewinnwachstum versprechen.
Anlegertipp: Der ABN Amro Global Emerging Markets Equity ist aufgrund seiner hohen Wertschwankungen eher für risikofreudige Anleger geeignet.
An dritter Stelle konnte sich der Vontobel Fund-Emerging Markets Equity platzieren. In vier der sechs Bewertungskriterien befindet er sich unter den besten fünf der 39 Fonds. Der tiefste maximale Verlust sowie die viertbeste Rendite zeichnen ihn aus.
Fondsmanager Rajiv Jain setzt auf Unternehmen, die in vorhersehbaren Geschäften tätig sind und die im Verhältnis zu ihren langfristigen Wachstums- und Gewinnperspektiven unterbewertet sind. Der Vontobel-Fonds investiert wie der ABN Amro nur in Einzeltitel.
Anlegertipp: Der Vontobel Fund-Emerging Markets Equity war ähnlich sicher wie der Siegerfonds. Die zu bezahlenden Gebühren sind allerdings tiefer als beim Pro Fonds. Wie der Erstplatzierte eignet er sich für Anleger, die auf Ausgewogenheit zwischen Risiko und Chance bedacht sind.
Der viertplatzierte Finter Fund Emerging Markets kann mit der höchsten Sicherheitskennzahl sämtlicher Fonds im Test glänzen. Fondsmanager Markus Wassmer investiert nicht in Einzeltitel, sondern ausschliesslich in Länder- und Regionenfonds oder in Indexzertifikate.
Anlegertipp: Der Finter Fund Emerging Markets eignet sich für konservative Anleger.
Marc Triebswetter, Patrick Gut
So wurden die fonds bewertet und rangiert
Die Fondspezialisten des VZ VermögensZentrums haben ein eigenes System entwickelt, um die besten Fonds aus der jeweiligen Kategorie zu bestimmen. Die Spezialisten ermitteln für jeden Fonds eine Rendite- und eine Sicherheitskennzahl. Beide Werte setzen sich aus jeweils drei Teilfaktoren zusammen.
Renditekennzahl
- Quartilsranking (Gewichtung 40 %): Hier wird ausgezählt, wie oft ein Fonds in den letzten 36 Monaten punkto Rendite im Quartil, das heisst im besten Viertel seiner Kategorie, rangierte. Jede einzelne Platzierung im ersten Viertel gibt vier Punkte; Platzierungen im letzten Viertel jeweils nur einen Punkt.
- Rendite (Gewichtung 30 %): Dieses Kriterium misst die durchschnittliche Rendite pro Jahr.
- Positive Elastizität (Gewichtung 30 %): Sie misst, ob ein Fonds in einer Aufwärtsphase mehr, weniger oder gleich viel gewinnt wie sein Vergleichsindex (für die Kategorie Emerging Markets der MSCI Emerging Markets).
Sicherheitskennzahl
- Volatilität (Gewichtung 40 %): Die Schwankungsbreite über drei Jahre ist das Mass für die Kursschwankungen, innerhalb deren sich zwei Drittel der Kursausschläge befanden. Eine kleine Volatilität bringt viele Punkte.
- Negative Elastizität (Gewichtung 40 %): Sie misst, ob ein Fonds in einer Abwärtsphase mehr, weniger oder gleich viel verliert wie sein Vergleichsindex.
- Maximaler Verlust (Gewichtung 20 %): Prozentual höchster Wertrückgang während eines Zeitraums von höchstens sechs Monaten.
Bei der Sicherheits- und der Renditekennzahl gibt es jeweils maximal 100 Punkte zu holen. Auf Rang 1 befindet sich derjenige Fonds, der dem theoretischen Punktemaximum (200 Punkte) am nächsten kommt.
Emerging Markets
Die Weltbank zählt jene Länder zu den Emerging Markets oder Schwellenländern, deren Volkseinkommen pro Kopf zwischen 766 und 9385 US-Dollar liegt. Insgesamt sind das 130 Staaten, in denen rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben.
Die wichtigsten zehn Emerging Markets sind:
Argentinien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Polen, Südafrika, Südkorea und die Türkei.
01. Juni 2002
