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Rund 2 Millionen Schweizer besitzen ein Halbtax-Abo. Was sich für Bahnkunden lohnt, sorgt im städtischen Nahverkehr für Verwirrung. Rabatte werden nur zum Teil oder gar nicht gewährt.
Wer ein Halbtax-Abo besitzt, reist zum halben Preis. Aber nicht überall. Während es in Zürich und Basel auch für Bus- oder Tramfahrten eine Ermässigung von zwischen 27,8 und 35,7 Prozent gibt, erhalten die Halbtaxler bei den städtischen Verkehrsbetrieben in Bern oder St. Gallen keine Rabatte. Erwachsene, die dort nur ein halbes Billett lösen, könnten sogar gebüsst werden. Denn diese Tickets gelten dort nur für Kinder.
Dass die Verkehrsbetriebe die Rabatte so unterschiedlich handhaben, hat einen Grund. Nicht alle erhalten eine Vergütung aus dem Halbtax-Fonds. «Die Tarife der Nahverkehrsbetriebe sind mit dem nationalen Preisschema unverträglich», sagt SBB-Pressesprecher Roland Binz. «Deshalb werden städtische Verkehrsbetriebe grundsätzlich nicht in den Halbtax-Verbund aufgenommen.» Doch es gibt Ausnahmen. Städtische Verkehrsbetriebe, die einem integralen Verkehrsverbund angehören, können über diese Verbunde Ausgleichszahlungen einfordern.
Winterthur und Zürich akzeptieren das Halbtax-Abo
In den insgesamt sechs integralen Verkehrsverbunden der Schweiz sind die Betriebe einer ganzen Region vereint. Der grösste Verbund ist der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Er wurde 1990 ins Leben gerufen, und seither akzeptieren die Verkehrsbetriebe Zürich und Winterthur das Halbtax-Abo. Ein Normalbillett, gültig auf dem Stadtnetz, kostet für Abo-Inhaber nur noch Fr. 2.60 anstelle des vollen Preises von Fr. 3.60.
Reduzierte Preise auch in Basel, Luzern und Zug
Teil eines integralen Verkehrsverbundes sind auch die Verkehrsbetriebe der Städte Basel, Luzern und Zug. Sie geben auf Billette im Nahbereich Ermässigungen von 17 bis 36 Prozent. Weshalb wird nicht, dem Namen des Abos folgend, einheitlich die Hälfte des Preises erlassen? Gemäss Roland Binz ist grundsätzlich schon eine Verbilligung von 50 Prozent vorgesehen. Allerdings gilt im nationalen Verkehr ein Mindestpreis von 2 Franken in der 2. Klasse. Für Billette, die zum vollen Tarif weniger als 4 Franken kosten, gibt es in der Regel keinen oder nur einen reduzierten Preisnachlass.
Im Nahverkehr bringt das Halbtax-Abo also nur wenig Vorteile. Auch für die Transportbetriebe scheint sich die Beteiligung am Halbtax-Verbund kaum zu lohnen. Seit dem Jahr 2000 erhalten sie die entgangenen Einnahmen nur noch anteilmässig entschädigt.
Die am Halbtax-Verbund beteiligten Betriebe haben im Jahr 2001 Ausfälle in der Höhe von 767 Millionen Franken angemeldet. Im Halbtax-Topf befinden sich jedoch nur rund 250 Millionen Franken. Die Ausfälle werden also nur zu rund einem Drittel vergütet. René Berbier vom ZVV sieht trotzdem Vorteile für die Verbunde: «Das Halbtax bringt uns Mehrverkehr», ist er überzeugt.
Einen Sonderfall wird bald der Busbetrieb Aarau darstellen (BBA). In Aarau plant der BBA, Halbtax-Abonnenten ab Dezember 2002 einen Abschlag zu gewähren, obwohl er keine Entschädigung aus dem Halbtax-Fonds erwarten darf. «Wir reagieren damit auf den Druck und die Nachfrage von Kundenseite», sagt Beat Schneider vom BBA. Sicher werde die Ermässigung aber unter 50 Prozent liegen. Dass ein Betrieb, der nicht dem Halbtax-Verbund angehört, Rabatt gewährt, stört Roland Binz nicht: «Es steht allen frei, Halbtax-Abonnenten Vergünstigungen zu gewähren.»
Kleinstädte: Kein Halbtax-Rabatt und doch günstig
Andere Städte wie St. Gallen, Bern, Chur, Schaffhausen oder Frauenfeld akzeptieren das Halbtax (noch) nicht. Vor allem kleinere Städte verweisen aber auf ihre im Vergleich zu anderen Städten günstigen Billette. «Der Preis für eine Fahrt liegt mit 2 Franken ohnehin unter dem nationalen Mindestpreis», sagt Marcel Gfeller von den Verkehrsbetrieben Schaffhausen. Auch Roland Büchi vom Stadtbus Frauenfeld hält fest, dass ein Halbtax für Busfahrende in Frauenfeld nicht nötig ist: «Wer bei uns eine Mehrfahrtenkarte kauft, zahlt für eine Einzelfahrt nur noch Fr. 1.33. Wir geben allen die Möglichkeit, günstig Bus zu fahren.»
Roland Binz räumt ein, dass die Rabattpolitik der Betriebe im Nahverkehrsbereich für Halbtax-Inhaber etwas verwirrlich ist: «Es bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als sich zu informieren, wo und in welchem Umfang das Halbtax-Abo gültig ist.»
Mirjam Fonti
05. Juni 2002
