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Ein schönes Geschenk hat uns das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kurz vor Ostern gemacht: Es präsentierte der Öffentlichkeit das überarbeitete Lebensmittelrecht. Doch jetzt stellt sich heraus: In diesem Osterkörbli hatte es viele faule Eier. Das BAG erlaubt nun gesundheitlich bedenkliche Chemikalien in Lebensmitteln.
Den Grenzwert für Nitrat im Salat hat das BAG einfach abgeschafft. Kantonschemiker können nun «Nitrat-Bomben» nicht mehr aus dem Verkauf ziehen. Das BAG behauptet: Einen Zusammenhang zwischen Nitrat und Krebs könne man ausschliessen. Und: Man müsse sich der EU anpassen. Doch wie stark Nitrat die Gesundheit gefährdet, ist unklar. Zudem kennt die EU Grenzwerte für Nitrat. Das heisst: In der EU konfiszierten Salat darf man in der Schweiz weiterhin verkaufen.
Ähnliches gilt für Antibiotika im Poulet. Das BAG erhöhte den Grenzwert des Antibiotikums Enrofloxazin im Geflügelfleisch um den Faktor 3. Die Folge: Antibiotikabelastetes Billig-Poulet aus China kann die Grenze wieder problemlos passieren. Auch Käse darf jetzt zwei Antibiotika enthalten: Natamycin und Nisin. Doch Schweizer Käser brauchen keine fragwürdigen Antibiotika gegen Pilze und Bakterien. Sie produzieren hygienisch einwandfrei. Dennoch gilt auch hier: Mit Antibiotika belasteter Industriekäse aus der EU gelangt jetzt legal in die Schweiz.
Tartrazin ist ein gelber Lebensmittelfarbstoff. In Süssigkeiten soll er die Kinder verführen. Doch Tartrazin kann Unverträglichkeiten wie Juckreiz oder Schnupfen auslösen. Deshalb war dieser Zusatz 15 Jahre lang in der Schweiz verboten. Das BAG hat ihn wieder zugelassen. Fazit: Für Kinder bedenkliche Lebensmittel darf man auch aus der EU importieren.
Antibiotika und Giftstoffe haben in der Nahrung nichts zu suchen. «Mehr Schutz, weniger Handelshemmnisse» - unter diesem Motto probierte das BAG dennoch, sein fragwürdiges Osterkörbli der Bevölkerung schmackhaft machen. Das ist grotesk. Es ist unvereinbar, den freien Handel zu fördern und gleichzeitig die Menschen zu schützen. Aufgabe des BAG ist es in erster Linie, gesundheitlich bedenkliche Lebensmittel von uns fern zu halten. Doch kaum, dem freien Handel den Weg zu ebnen.
01. Mai 2002
