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Bodo Schnabel, der Chef der deutschen Telematik-Firma Comroad, hat seine Aktionäre mit frei erfundenen Geschäftszahlen bei Laune gehalten. Doch der Schwindel ist aufgeflogen - und der Börsenwert hat sich in Luft aufgelöst.
Man kann auch eine Scheinfirma an die Börse bringen. Dem Boss der Telematik-Firma Comroad, Bodo Schnabel, ist dieses dreiste Kunststück gelungen. Von 93,6 Millionen Euro Umsatz, die Schnabel im Geschäftsbericht 2001 als Umsatz ausgewiesen hat, konnten die Revisoren gerade mal 1,3 Millionen verifizieren.
Der Rest entsprang der blühenden Phantasie des Comroad-Chefs. Geschäftsverbindungen und Kunden waren zum grössten Teil frei erfunden. Rechnungen hat Bodo Schnabel oder einer seiner Komplizen nur zum Schein gestellt und auch andere Buchhaltungsbelege schlicht und einfach fingiert.
Jetzt sitzt Bodo Schnabel in Untersuchungshaft und der Name Comroad steht nicht mehr für die Hoffnung auf rasche Gewinne, sondern für den grössten Börsenskandal des Neuen Marktes in Deutschland.
Die Illusion, die jetzt geplatzt ist, bringt die am Börsengang beteiligten Banken und die Wirtschaftsprüfer ins Zwielicht. Sie tragen durch den Betrugsfall nicht nur einen grossen Imageschaden davon. Es drohen ihnen jetzt auch Prospekthaftungsklagen von Aktionären, die sich verschaukelt vorkommen müssen.
Im Februar hat die Prüfungsgesellschaft KPMG, die nach den Angaben des Comroad-Chefs die Abschlüsse der Firma fünf Jahre lang geprüft hat, ihr Mandat niedergelegt und das Testat für 2001 verweigert. Angeblich sind Zweifel an der Existenz eines Geschäftspartners in Honkong aufgetaucht. Und erst dieses Jahr überprüften die Revisoren, ob Partnerfirmen, die jahrelang mit sehr hohen Positionen in den Geschäftsbüchern aufgetaucht sind, überhaupt existieren. Jetzt liegt der Verdacht nahe, dass auch die bescheinigten Abschlüsse der Vorjahre falsch gewesen sind und dass bloss ein kleiner Teil der angeblich vertriebenen Geräte jemals hergestellt worden ist.
Bessere Arbeit als die Wirtschaftsprüfer leisteten im Fall Comroad die Journalisten der deutschen Zeitschrift «Börse online», die den Fall durch akribische Recherchen aufgedeckt haben. Sie haben von China bis Australien die angeblichen Geschäftsverbindungen von Comroad vor Ort überprüft.
Eine schlechte Figur macht in dieser Geschichte dagegen die deutsche Börsenzeitschrift «Der Aktionär» mit ihrem Chefredaktor Bernd Förtsch, der kräftig mitgeholfen hat, den Comroad-Kurs hochzujubeln. Das Börsenmagazin wählte Comroad im Dezember 1999, kurz nach dem Börsengang, zu den «besten Aktien für das nächste Jahrtausend». Und das vom gleichen Chefredaktor geleitete Magazin «Neuer Markt Inside» hat die Comroad-Aktie noch im Juni 2001 zum Kauf empfohlen.
Im gleichen Jahr ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf «Skalping» - so nennt man das Kaufen, Hochjubeln und Abstossen von Aktien - gegen Bernd Förtsch. Doch das Untersuchungsverfahren verlief im Sande. Dabei war der Verdacht sehr wohl begründet. Denn Chefredaktor Förtsch war gleichzeitig Berater eines Anlagefonds, der in Comroad investierte.
Im Herbst 2000 waren die Comroad-Aktien noch 65 Euro wert. Bis Mitte April sind die Titel auf 30 Cent gefallen. Manche Comroad-Aktionäre haben Anwälte beigezogen, ob diese es aber schaffen, das verlorene Geld zurückzuholen, ist fraglich.
Schwindelfirmen wie Comroad gab es schon früher: 1987 flog in den USA die «ZZZZ Best Corporation» auf. Das Unternehmen verdiente sein Geld mit «Teppichreinigungen und dem Instandsetzen von Gebäuden». Doch die Aufträge waren grösstenteils erfunden. Der Gründer des Unternehmens, Barry Minkow, kam wegen Anlagebetrugs hinter Gitter. Heute verdient er sein Geld als Prediger. Auch für das Verkaufstalent Bodo Schnabel gibt es zweifellos neue Karrierechancen.
Meinrad Ballmer
01. April 2002
