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Zu viel Salz ist nicht gesund, das ist bekannt. Doch kaum jemand weiss, wie viel Salz er tatsächlich isst: In Fertigprodukten steckt viel mehr Salz, als uns gut tut.
Der Mensch braucht Salz. Ohne kann er nicht leben. Doch er braucht davon nur ganz wenig. 1 Gramm pro Tag reicht bereits aus. Naturvölker konsumieren mit ihrer Nahrung etwa diese Menge. Seit die Menschen ihre Nahrungsmitte- mit Salz haltbar machen, hat der tägliche Salzkonsum massiv zugenommen. Heute liegt er in der Schweiz bei 10 bis 15 Gramm im Schnitt.
Empfehlung: Nicht mehr als 6 Gramm Salz pro Tag
Das Beispiel eines Tagesmenüs: zum Frühstück ein Ei, zwei Scheiben Brot mit Butter und Konfitüre, eine Schale Cornflakes. Salzgehalt: 2 Gramm. Das ist bereits das Doppelte von dem, was der Organismus pro Tag braucht. Zum Mittagessen Sauerkraut mit Wurst und Speck: weitere 3,4 Gramm Salz. Zum Abendessen eine Spargelsuppe, ein Stück Greyerzer und zwei Scheiben Brot: nochmals 3,9 Gramm Salz. Das Total eines alltäglichen Beispiels ergibt somit rund 11 Gramm Salz, nicht eingerechnet die Salznüsschen und das Trockenfleisch beim Apéro. Fachleute empfehlen 6 Gramm Salz pro Tag.
Der hohe Salzkonsum hat Folgen. Weil der Körper seinen Salzgehalt konstant tief halten muss, mobilisiert er alles vorhandene Wasser, um das überschüssige Salz im Blut zu verdünnen. Damit steigt der Blutdruck. Mit dramatischen Konsequenzen. Paolo Ferrari, Bluthochdruckspezialist am Berner Inselspital: «Bluthochdruck ist eine der wichtigsten Ursachen für Herzinfarkt, Hirnschlag und Niereninsuffizienz.»
Den grössten Teil ihres Salzkonsums können die Konsumenten nicht beeinflussen: Er stammt aus Industrieprodukten. Kassensturz und A Bon Entendeur wollten wissen, wie viel Salz in Lebensmitteln steckt. Sie haben Fertiggerichte und Menüs auf ihren Salzgehalt hin untersuchen lassen.
Mit erschreckendem Resultat: Viele Produkte enthalten viel zu viel Salz. Die Industrie ist sich keiner Schuld bewusst. Beat Hodler, Geschäftsführer der Föderation der Lebensmittelhersteller, schiebt die Verantwortung auf die Konsumenten: «Wir können den Salzgehalt nur in kleinen Schritten reduzieren, sonst laufen uns die Konsumenten davon, oder sie salzen die Speisen nach.»
Dass es anders geht, zeigt das Beispiel England. Dort bieten Hersteller Nahrungsmittel mit reduziertem Salzgehalt an. Und die Produktedeklaration zeigt nicht nur auf, wie viel Salz in einem Produkt enthalten ist. Sie gibt auch an, wie viel Prozent des täglichen Salzbedarfs mit dem Produkt gedeckt wird.
Das Festhalten an zu hohen Salzanteilen in der Nahrung kostet Menschenleben und Millionen von Franken. Der Arzt Paolo Ferrari hat für Kassensturz berechnet, welche Folgen eine Reduktion von 12 auf 6 Gramm Salz pro Tag hätte: «Mit einer Halbierung des Salzkonsums könnten etwa 3,5 Prozent der Todesfälle infolge von Krankheiten des Kreislaufsystems vermieden werden. Das sind etwa 900 Todesfälle pro Jahr.»
Bluthochdruck: Weniger Salz, weniger Kranke
Auch Geld liesse sich sparen. Weniger Salz im Essen bedeutet weniger Menschen, die we- gen Bluthochdruck behandelt werden müssen und Medikamente brauchen. Ferrari: «Mit einer Reduktion um 6 Gramm hätten wir etwa 10 Prozent we- niger Bluthochdruckpatienten. So könnten jährlich 40 Millionen Franken für Medikamente gespart werden.»
Ueli Schmezer
Salz - Einst heilig und rar, heute häufig und billig
Schon früh erkannten die Menschen, dass Salz lebenswichtig ist. In vielen Kulturen war Salz deshalb heilig. Das Alte Testament schrieb es als Beigabe zu jedem Opfer vor. Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass Salz Unheil abwehren könne. Bis heute wird in manchen Gegenden Brautleuten oder frisch gebackenen Hausbesitzern Salz geschenkt. Das Salzfässchen auf dem Tisch war nicht nur zum Nachwürzen gedacht, sondern symbolisierte Gastfreundschaft.
Heute ist Natriumchlorid in vielen Speisen enthalten. Über den Darm wird es ins Blut aufgenommen. Es spielt bei der Zusammensetzung und beim pH-Wert der Körperflüssigkeiten eine wichtige Rolle. Viel Salz enthalten vor allem folgende Lebensmittel: Wurst, Speck, Käse, Schinken, Snacks, Tomatenmark, Fertiggerichte, Ketchup. Wenig Salz haben bei richtiger Zubereitung Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst.
10. April 2002
