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Der Bündner Liedermacher über Kinesiologie, Midlife-Crisis und Impfen
Wenn Linard Bardill unter Stress steht, meldet sich die Gastritis. Und vor 20 Jahren erlitt er durch einen Unfall schwere Verbrennungen.
Linard Bardill, Sie sind bekannt als Barde mit wildromantischer Lockenpracht. Keine Angst vor Haarausfall?
Das wäre keine Katastrophe, auch wenn ich im Showbusiness arbeite. Als ich die ersten grauen Haare bekam, überlegte ich mir, sie zu färben. Doch dann sagte ich mir: Wenn die Leute nicht mehr kommen, weil deine Haare grau sind, hast du dir das falsche Publikum aufgebaut.
Sie tragen Ihr Haar oft zusammengebunden. Wie pflegen Sie es?
Ich benutze einmal pro Woche ein schwaches Wacholdershampoo. Seife lasse ich nicht an mich heran. Ich bin nämlich überzeugt: Seife ist Mord für die Haut.
Befürchten Sie nicht, manchmal streng zu riechen?
Nein, ich habe ein Salbei-Deo. Damit halte ich mich unter den Armen fit.
Sie haben Narben an den Händen. Woher stammen sie?
Vor 20 Jahren bereitete ich in einem Lager ein Feuerwerk vor. Es fing an zu regnen. Das Pulver enzündete sich selbst, als es mit dem Regenwasser in Berührung kam. Die Explosion verbrannte mir beide Hände, zum Teil bis auf die Knochen.
Trotzdem können Sie Gitarre spielen ...
Ich hatte einen sensationellen Chirurgen, der mich zusammenflickte. Er nahm mir Haut vom Oberschenkel und verpflanzte sie in meine Hände. Ich musste ein Jahr lang Kompressionshandschuhe tragen, um Narben zu vermeiden.
Und Ihr geschundenes Bein?
An meinem Bein waren durch die Operation Narben entstanden, die die Durchblutung und die Nerven störten. Nach einer halben Stunde im Stehen starb mein Oberschenkel regelrecht ab.
Leiden Sie noch immer darunter?
Nein, ich habe die Narben vor ein paar Jahren durch eine Neuraltherapie «entstören» lassen.
War die Feuerwerks-Explosion Ihr einziger Unfall?
Leider nicht. Als Kind hatte ich viele Knochenbrüche. Ich sehe in Krankheiten aber kein Unglück. Ich glaube, dass eine Krankheit ins Leben eingreift, damit man weiterkommt.
Abgesehen von den Unfällen - sind Sie ein gesunder Mensch?
Nicht ganz. Vor 20 Jahren stellten die Ärzte bei mir eine Gastritis und Geschwüre im Zwölffingerdarm fest. Bis vor einem Jahr hatte ich keine Probleme mehr. Doch plötzlich sind die Schmerzen wieder da.
Was tun Sie dagegen?
Ich lasse mich kinesiologisch behandeln. Diese Methode fasziniert mich, weil sie das Problem auf verschiedenen Ebenen anpackt. Die Therapeutin klopft den Körper auf Energieblockaden ab. Sind diese gefunden, kann man sie ansteuern und korrigieren.
Und wie funktioniert das?
Das kann durch Klänge, Bachblüten oder Akupressur geschehen. Nach der zweiten Sitzung bin ich aufgestanden und habe ein halbes Jahr lang nichts mehr gespürt.
Dann kamen die Schmerzen zurück?
Ich habe gerade eine Phase hinter mir, in der ich zwei Behandlungen brauchte. Es geht nicht darum, die Krankheit einfach auszurotten. Mich interessiert viel mehr, weshalb mein Körper zulässt, dass sich diese Geschwüre bilden. Ich versuche, durch eine säurearme Ernährung und Stressabbau so weit zu kommen, dass mein Körper mit der Zeit selber mit der Krankheit fertig wird.
Was stresst Sie?
Mich überfordert zu fühlen und keine Lösung zur Hand zu haben. Wir sind darauf getrimmt, jedes Problem schnell lösen zu können. Aber das geht nicht immer. Man muss auch lernen, Belastungen auszuhalten.
Welche Belastungen schlagen Ihnen besonders auf den Magen?
Seelische Probleme - zum Beispiel Beziehungskisten. Wenn man dem anderen Zeit lassen muss, bis er etwas Bestimmtes begreift, und diesen Prozess nicht für ihn übernehmen kann. Oder wenn ich meine Kinder über längere Zeit nicht sehe.
Sind Ihre Kinder gegen Kinderkrankheiten geimpft?
Nein, ich bin der Meinung, dass es nicht gut ist, Kinder gegen Mumps, Masern und Röteln impfen zu lassen. Kinder brauchen diese Krankheiten für ihre Entwicklung. Davon bin ich überzeugt, obwohl eines durch Mumps auf einem Ohr taub geworden ist.
Rauchen Sie Joints?
Im Moment habe ich kein Bedürfnis danach, aber ich habe absolut keine Berührungsängste. Kiffen ist ja auch Entspannung. Dauerndes Kiffen halte ich aber für gefährlich, vor allem für junge Leute.
Sie haben sich doch vehement für die Legalisierung eingesetzt.
Stimmt. Aber gerade, wenn Kiffen legal wird, muss man auch auf die Gefahren hinweisen. Jugendliche müssen im Leben an Boden gewinnen. Kiffen nimmt jedoch Boden weg. Und das finde ich gefährlich.
Sie sind 45 Jahre alt. Ist MidlifeCrisis für Sie ein Thema?
Ich bin mitten in der Menopause! Ich merke das daran, dass ich mir mein Leben viel beschaulicher vorstellen könnte. Das ist so eine Art Abschlussgefühl. Gleichzeitig weiss ich: Es ist noch nicht Zeit, ich muss noch etwas weitermachen. Und ich muss mich dazu mehr aufraffen als früher.
Interview: Regula Schneider
01. April 2002
