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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2002

Editorial - Medizin im Essen - amtlich verordnet

Brot mit künstlichen Vitaminen - das werden wir vermutlich bald essen müssen: Das Bundesamt für Gesundheit will nämlich Mehl mit Folsäure anreichern. Sie soll Ungeborene vor Spina bifida, dem offenen Rücken, schützen. In wenigen Tagen will das Bundesamt seine Folsäure-Strategien ankündigen - und später allenfalls in einem Gesetz verankern.

Doch Folsäure im Mehl ist umstritten: Spina bifida ist sehr selten. Die erblich vorbelasteten Frauen brauchen zudem in der Schwangerschaft viel mehr Folsäure als alle anderen. Frauen, die viel Folsäure zu sich nehmen, gebären aber häufiger Mehrlinge. Und diese wiederum haben mehr Geburtsschäden als andere Kinder - ein Teufelskreis. Viele Forscher befürchten: Der Schaden, den die Folsäure anrichtet, könnte ihren Nutzen aufheben.

Es wäre nicht die einzige verordnete «Medizin» in Grundnahrungsmitteln: Seit Jahrzehnten essen wir Salz, das mit Jod künstlich angereichert ist. Gegen Kropf und Schwachsinn. So will es das Gesetz. Jodiertes Salz ist überall drin: In Fertigprodukten wie in Menüs von Restaurants und Kantinen. Es gibt kein Entrinnen. Thomas Grether berichtet auf Seite 4 von Menschen in der Schweiz, die auf das Jod mit massiven Beschwerden reagieren. Sie wissen kaum mehr, was sie essen sollen.

Einige Speisesalze enthalten auch künstliches Fluor. Ebenfalls amtlich verordnet. Es soll Konsumenten vor Karies schützen. Die Basler Bevölkerung muss - einmalig in der Schweiz - sogar fluorhaltiges Wasser trinken. Viele Experten zweifeln, ob dies etwas nützt. Zudem bewirkt ein Zuviel an Fluor genau das Gegenteil: Es zerstört Zähne und Knochen.

Amtlich verordnete Medizin im Essen ist unhaltbar. Denn der Nutzen ist oft fragwürdig - und widerspricht der Wahlfreiheit. Aufgeklärte Konsumenten bestimmen lieber selber, was sie essen und trinken. Folsäure, Jod oder Fluor kommen natürlicherweise in Nahrungsmitteln vor. Wer gesund ist und sich ausgewogen ernährt, muss keinen Mangel befürchten. Hier müssten die Behörden ansetzen - und die Bevölkerung besser aufklären. Das würde mehr Vertrauen schaffen, als altertümliche Zwangsmassnahmen durchzusetzen.

01. April 2002


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