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Die grössten AutomobilHersteller melden einen dramatischen Rückgang der Verkäufe in den USA. Die Börse hat die erwartete Absatzkrise schon letztes Jahr vorweggenommen. Aktien wie GM, Ford oder DaimlerChrysler verloren massiv an Wert. K-Geld sagt Ihnen, welche Autoaktien die besten Zukunftschancen besitzen.
Investoren, die auf Automobilaktien gesetzt haben, wurden in den vergangenen 12 Monaten nicht gerade verwöhnt. Nur BMW, Volkswagen, PSA Peugeot-Citroën und der Sportwagenhersteller Porsche konnten ihre Aktienkurse wesentlich steigern. DaimlerChrysler verlor seit seinem Höchststand nach der Fusion mehr als die Hälfte seines Börsenwertes.
Die übrigen Automobilhersteller krebsten an der Börse trotz ansprechenden Ergebnissen und Verkaufszahlen oder verloren an Boden wie General Motors, Ford und die Japaner.
Der Einbruch der Hightech- und Telekommunikationaktien brachte zum Jahresende schliesslich eine vorsichtige Rückbesinnung auf die «defensiven» Werte der Automobilhersteller mit guten Zukunftsaussichten. Diese sind zwar nicht so glänzend wie in den letzten 2 Jahren, aber für die besten Papiere noch immer befriedigend.
Die Zurückhaltung der Investoren erklärt sich durch die Angst, dass die fetten Autojahre in den USA und Europa vorüber sind. In den USA brach der Automarkt im Januar massiv ein. General Motors verkaufte 5,2 Prozent weniger, Ford verzeichnete ein Minus von 11 Prozent, während Chrysler sogar 16 Prozent verlor. Grosse Umsatzeinbussen in den USA mussten aber auch Volkswagen (-15,5) und Toyota (-11,4 Prozent) einstecken.
Der Einbruch der Nachfrage im grössten Automarkt der Welt entfacht zwangsläufig einen Preiskrieg unter den Anbietern, deren Margen schmelzen. Die Optimisten sind anderseits überzeugt, dass vor allem in Europa der Nachholbedarf noch nicht gesättigt ist und der Markt in Asien nach der langen Finanzkrise explodieren könnte. Laut der Ratingagentur Standard & Poors sollen die Verkäufe in Asien bis zum Ende des Jahrzehntes von 11,2 auf 19,7 Millionen Stück pro Jahr ansteigen und alleine zwei Drittel des globalen Wachstums ausmachen.
Glück haben auch jene Konstrukteure, die in Europa oder Asien oder sogar auf beiden Kontinenten vertreten und nicht allzu stark vom US-Markt abhängig sind. Aber nur, wenn sie zudem auch technologisch ausgereifte und preisgünstige Modelle nach dem lokalen Geschmack der Konsumenten anbieten können und ihre Produktivität genügend gesteigert haben. Sie werden weiterhin Profite erzielen und den Aktionären angemessene Dividenden auszahlen können. An den Investoren liegt es, aus den generell eher unterbewerteten Automobilaktien die Papiere jener Konzerne herauszupicken, die am besten auf das Ende der fetten Jahre in den USA vorbereitet sind.
Volkswagen wächst stark in Asien
Im Jahr 2000 hat die VW-Gruppe erneut ein hervorragendes Ergebnis vorgelegt und erstmals mehr als 5 Millionen Autos verkauft - trotz der Flaute auf dem Heimmarkt. Findet der erwartete Aufschwung in Deutschland statt, kann die Gruppe dieses Ergebnis im laufenden Jahr wiederholen, trotz des erwarteten Verkaufsrückgangs in den USA.
Auf die Marge drücken kann aber die zunehmende «Kannibalisierung» von VW und Audi durch die eigenen Billigmarken Seat und Skoda. VW hat zwar in Asien keine Marke zugekauft, wächst aber trotzdem und ist in China sogar die Nummer 1. Die gute Gesundheit des Konzerns hat sich im Anstieg der Aktien um 30 Prozent im zweiten Semester 2000 bereits niedergeschlagen. Wachstumspotenzial ist dennoch vorhanden.
- Kaufen unter 60 Euro.
Peugeot: günstig bewertet
Mit einer Steigerung der Verkäufe um 11,7 Prozent und der Verdoppelung des Gewinnes blickt PSA Peugeot-Citroën auf ein glänzendes Geschäftsjahr zurück. Im laufenden Jahr soll sich der Absatz dank neuer Modelle von 2,8 auf 3 Millionen steigern. Drei Viertel der Geschäfte tätigt PSA in Europa - der Einbruch in den USA und die Unsicherheit in Asien betrifft den französischen Konzern deshalb nicht. In Asien ist seine Präsenz marginal und in Lateinamerika erst im Aufbau. PSA wird deshalb von einem guten Autojahr in Europa mehr profitieren als die Konkurrenz, vor allem, weil der Konzern über einen modernen Produktionsapparat verfügt. Die Aktie legte zwar im letzten Trimester bereits stark zu, ist aber gemessen am erwarteten Gewinn nach wie vor günstig.
- Kaufen unter 278 Euro.
Gelingt die Sanierung bei DaimlerChrysler?
Auf die massiven Verluste von Chrysler in den USA und den harten Sanierungsplan, der zu Sozialkonflikten führen kann, folgt dieses Jahr vor Gericht die imageschädigende Milliardenklage auf Schadenersatz durch Aktionäre, die sich durch die Fusion geprellt fühlen. Neben der Sanierung von Chrysler muss der Konzern aber auch den kranken Japaner Mitsubishi finanzieren, von dem er 34 Prozent gekauft hat, und die 10-Prozent-Beteiligung am Koreaner Hyundai amortisieren. Die LKW-Branche rechnet zudem mit einem starken Rückgang der Verkäufe und finanziellen Einbussen. Gelingt der Turnaround bei DaimlerChrysler jedoch, hat die Aktie beträchtliches Erholungspotenzial.
- Wer das Risiko nicht scheut: Kaufen unter 52 Euro.
Renault profitiert von Nissan
Erstmals hat Renault von der Beteiligung (36,8 Prozent) an Nissan profitiert - und im zweiten Semester 2000 eine Dividende von 750 Millionen Franken eingestrichen. Trotz guter Verkäufe und Gewinnzahlen krebst der Kurs des früheren Staatskonzerns um 55 Euro - den Wert vor der Übernahme von Nissan. Eine weitere Gesundung von Nissan, gekoppelt mit einem Aufschwung in Asien und der zielstrebig vorangetriebenen Internationalisierung, könnte aus Renault aber eines der Gewinnpapiere des kommenden Jahrzehntes machen. Für diese Hypothese spricht die Verdoppelung des Kurses von Nissan seit der Übernahme durch die Franzosen. Dagegen spricht die Verspätung bei der Lancierung der drei neuesten Modelle, was auf eine Überforderung des Managements deuten lässt.
- Langfristige Anleger kaufen Renault unter 55 Euro und Nissan um 700 Yen.
Fiat: zu wenig rentabel
Seit der Beteiligung von 20 Prozent, die General Motors am Turiner Konzern erworben hat, ist Fiat nach einer kurzen Euphorie wieder auf den Kurs zurückgefallen, der seiner fragilen Situation entspricht. Mit einer Gewinnmarge von 2,3 Prozent (6 Prozent bei Renault) ist Fiat viel zu wenig rentabel. Hoffnung setzt die Konzernleitung auf die Synergien mit General Motors zur Senkung der Produktionskosten. Bis diese greifen, werden aber noch einige Jahre vergehen. Denn der europäischen GM-Tochter Opel geht es noch schlechter. Grosse Dividenden dürfen die Aktionäre in naher Zukunft nicht erwarten, obwohl der neue Punto beim Publikum gut angekommen ist.
- Auf Übernahme durch GM spekulieren und unter 26 Euro kaufen, sonst fernbleiben.
BMW: Erfolg als Premium-Marke
Seit BMW sich Rover entledigt hat und sich auf «seine» traditionellen Marktsegmente beschränkt, sind die Investoren zurückgekehrt - zu Recht. Noch nie hat BMW so viele Autos verkauft wie im Jahr 2000. Der Gewinn hat in der Folge einen Sprung nach oben gemacht.
BMW verkauft über 20 Prozent seiner Produktion auf dem US-Markt und dürfte den Rückgang der Nachfrage deshalb spüren. Mehrere Konkurrenten bereiten zudem den Angriff auf die lukrativen Marktsegmente von BMW mit Produkten vor, die bedeutend billiger und qualitativ (fast) ebenso hoch stehend sind wie jene aus Bayern. Das BMW-Management scheint jedoch durchaus fähig, die nötigen Produktivitätssteigerungen zu erzielen.
- Kaufen um 35 Euro.
General Motors und Ford in der Absatzkrise
Beide US-Giganten haben Probleme mit ihrem rückläufigen Heimmarkt, auf dem zurzeit ein heftiger Preiskrieg auf Kosten der Margen tobt. In Europa schreiben sowohl Ford wie auch die GM-Töchter Opel und Vauxhall rote Zahlen. In Asien sind zwar beide Konzerne mit einheimischen Akquisitionen vertreten. Die Integration scheint jedoch nicht weit vorangeschritten, selbst bei der japanischen Marke Mazda, die schon seit einem Jahrzehnt zur Ford-Galaxie gehört. Der hohe Kurs des Dollars erleichtert die Geschäfte auch nicht.
- Fernbleiben.
Toyota und Honda: Chancen in Asien
Die Finanzkrise hat in Japan die Spreu vom Weizen getrennt. Toyota und Honda, die als einzige ihre Unabhängigkeit bewahren konnten, sind beide gesund, dynamisch und weltweit präsent. Beide hängen aber stark vom US-Markt ab. Auch in Europa sind die Japaner handicapiert, weil Honda alle und Toyota einen grossen Teil ihrer Autos in England produzieren, dessen übersetztes Pfund die Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Die Anleger haben diese ungewisse Geschäftslage bereits antizipiert und beide Aktien mit Abschlägen bestraft. Der erwartete Aufschwung in Asien sollte den beiden Konstrukteuren zugute kommen.
- Vielleicht der richtige Moment für risikobewusste Anleger, jetzt zu kaufen. Toyota unter 4000 Yen, Honda unter 4400 Yen.
René Brunner
Aktien im vergleich
Die nachstehende Tabelle zeigt die Höchst- und Tiefstkurse der letzten 12 Monate sowie das für die Bewertung von Aktien wichtige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ergibt sich aus dem aktuellen Kurs dividiert durch den Gewinn pro Aktie. Je tiefer das Kurs-Gewinn-Verhältnis, umso günstiger ist die Aktie bewertet. Ein KGV von beispielsweise 10 bedeutet, dass ein Unternehmen bei unveränderten Gewinnen 10 Jahre benötigt, um das in die Aktie investierte Geld zurückzuverdienen.
01. Februar 2001
