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Wer gerne wandert, möchte nicht nur detaillierte Routenpläne haben, sondern auch genaue Angaben zu Gaststätten und Bergbahnen. K-Spezial testete acht Wanderführer - fünf davon fielen durch.
So haben es Wandervögel beim Vorbereiten der Touren gern: Weg und Schwierigkeit sind klar beschrieben, die Berggasthäuser aufgelistet, die Varianten erwähnt.
Die Autoren des SAC-Führers «Alpinwandern Zentralschweiz» nehmen es besonders genau: «Bis Franzen gute Wege, anschliessend undeutliche Wegspuren, die etwas Spürsinn erfordern. Der weitere Aufstieg zum Rophaien verläuft über steile Wiesen, die bei Nässe sehr heikel werden.» Da weiss man, woran man ist.
Der Routenbeschrieb ist im Test das gewichtigste Kriterium - schliesslich will sich niemand verirren. Die SAC-Autoren Remo Kundert und Marco Volken sparen denn auch nicht bei der Angabe von Koordinaten, Wegwanderzeichen und Landmerkmalen wie Felsbrocken.
Nützlich ist auch die Profilzeichnung mit den Höhenunterschieden. Und wer die sechsstündige Wanderung nicht durchziehen will, kann abkürzen: «Beim Ratzi in die Seilbahn einsteigen. Auskunft beim Berggasthaus Ratzi.» Kundert und Volken vergessen dabei weder Telefonnummer noch Öffnungszeiten der Beiz.
Für den Bereich Routenbeschrieb bekommt der SAC-Führer die Maximalpunktzahl. Auch bei den weiteren fünf Bewertungskriterien schliesst der SAC-Führer im Vergleich am besten ab. Ähnlich präzise ist die Wegbeschreibung in «Jurawandern» des Rotpunkt-Verlags. Der Führer landet damit auf dem zweiten Platz. Einzig die Profilzeichnung fehlt.
Dafür schildert Autor Philipp Bachmann die Touren so lebhaft, dass sich Wanderer wohl leicht entscheiden werden: «Wir können wählen zwischen dem gemütlichen, aber langweiligen Talweg nach rechts und dem anstrengenden, aber spannenden Gratweg geradeaus. Durstige Seelen bleiben auf dem rechten Weg, wo die Bergwirtschaft Hinteregg wartet.»
Bachmann ist ein präziser Kenner des Gebiets. Wir erfahren von einem neuen Holzkreuz auf der Rötifluh. «Das alte ist 1999 dem Sturm Lothar zum Opfer gefallen.»
Und auch das Höllköpfli bleibt nicht einfach ein Geländekopf, der in der Erinnerung bald verblasst: «Es war eine Raketen-Abschussrampe und bis Ende 1999 einsatzbereit. Die Anlage war so geheim, dass selbst nahe Verwandte nicht wissen durften, was die zehn Berufsmilitärs tagsüber taten.»
Nur zwei Führer schnitten gut ab
Die zwei bestplatzierten Wanderführer erreichen die Maximalpunkte nicht, weil Preisangaben fehlen, die Kartenausschnitte zu wenig wandertauglich sind und Taxi-Rufnummern vergessen gingen. Es ist aber wirklich hilfreich, wenn man vom Maderanertal aus nach einer anstrengenden Wanderung ein Taxi in Erstfeld bestellen kann. Für die Gesamtbewertung «gut» reicht es trotzdem.
Mit dieser Note heben sich die zwei Bücher deutlich von den weiteren sechs Führern ab. Das «Wanderbuch Berner Oberland» kommt auf «Genügend», alle anderen erhalten ein «Ungenügend».
Dabei happert es in allen Wanderführern bei Preisangaben und wandertauglichen Kartenausschnitten. Und in vier Führern fehlen Hinweise zur geeigneten Wandersaison und Informationsquellen bezüglich Wetter - wichtige Punkte bei der Planung: Für das Gelingen einer Tour kann es entscheidend sein, am Vorabend vom örtlichen Kurverein zu erfahren, ob die Wege passierbar sind oder ob noch zu viel Schnee liegt.
Fehlende Details vermiesen Wanderlust
Hilfreich sind auch Angaben über Hin- und Rückfahrt mit Zug und Bus. Nicht alle nehmen es dabei gleich genau. Vorbildlich ist der «Wanderführer Oberwallis» von Rother, einem deutschen Verlag: «Für den Gommer Höhenweg muss man nach Fürgangen, das sind 40 Min. mit dem Zug von Brig (stündliche Fahrten). Die anschliessende Seilbahn fährt von 6 bis 20 Uhr.»
In dieser Hinsicht glänzt auch das Buch «20 Bergwanderungen Region Tessin» vom Werd Verlag: Angegeben ist jeweils gleich die richtige Seite im Kursbuch.
Sonst klemmts bei den Details der Wanderführer:
- So gibt es bei «Wandern in Graubünden» von Belina kaum Informationen über Einkehr-Möglichkeiten.
- Auch bei «Schweiz Wandern Band 1» von Kümmerly+Frey verpassen Wanderer aufs Regenflüeli die beliebte Alpwirtschaft «Unterlauelen» im Eigental, weil sie nicht aufgeführt ist.
Dafür ist das Werk als Ringordner aufgebaut, den man nicht jedesmal mitschleppen muss: In einer Schutzfolie kommen die stabilen Bögen einzeln in den Rucksack.
- Ebenfalls von Kümmerly+Frey stammt «Wanderwelt Mittelland», in der Rangliste auf dem letzten Platz.
Hier sind Wegabkürzungen im Text nicht erwähnt. Im kleinen Kartenausschnitt dann entdeckt man auf der Route um Luzern auf halbem Weg ein Piktogramm für den Bus. Hinweise auf Linie und Zeiten jedoch fehlen. Es braucht drei Anläufe per Telefon, um herauszufinden, dass der Bus auch am Sonntag stündlich fährt.
Auch mit den Wegbeschreibungen nimmt es «Wanderwelt Mittelland» nicht so genau. So steht etwa: «Im Matthofquartier verlassen wir das Seeufer und steigen zum Bireggwald hinauf.»
Das Luzerner Matthofquartier jedoch ist ein relativ grosses Stadtgebiet. Es dürfte nicht Ortskundigen nur mit viel Glück gelingen, den Bireggwald und gleich den richtigen Waldweg zu finden.
Bei diesem Wegführer sind noch viele Recherchen nötig. Ausser für die erstrangierten Führer gilt dies als Fazit auch für die anderen. Ohne zusätzliches Kartenmaterial ist zudem keine der Wanderungen zu empfehlen.
Und oft wird zwar die Hütte oder Luftseilbahn erwähnt, Telefonnummern und Betriebszeiten aber fehlen wie etwa beim Führer «Wandern in Graubünden». Wer schon mal vor verschlossenen Türen gestanden ist, weiss, wie ärgerlich solche Unterlassungen sind.
Pia Seiler
Wanderserien - Weitere Führer aus den Serien
- «Alpinwandern Zentralschweiz, Glarus, Alpstein», Remo Kundert/Marco Volken, SAC. Weitere Bücher: «Graubünden», «Wallis»
- «Jurawandern», Philipp Bachmann, Rotpunkt Verlag. Weitere Bücher: «Gratwegs ins Entlebuch, Querungen», «Glarner Überschreitungen»
- «Wanderbuch Berner Oberland», Berner Wanderwege 2001. Weitere Bücher: «Bernerjura-Bielersee-Seeland», «Jungfrau-Region», «Thunersee-Frutigland»
- «20 Bergwanderungen Region Tessin», Hagmann/Auf der Maur, Werd Verlag. Weitere Bücher: «Berner Oberland», «Jura», «Ostschweiz», «Wallis»
- «Wanderführer Oberwallis», Waeber/Steinbichler, Bergverlag Rother. Weitere Bücher: «Appenzeller Land», «Berner Oberland West», «Berner Oberland Ost», «Unterengadin», «Oberengadin», «Tessin», «Vierwaldstättersee», «Unterwallis», «Oberwallis», «Zürichsee»
- «Schweiz Wandern Band 1», 50 Rundtouren, Kümmerly+Frey. Weitere Bücher: Band 2
- «Wandern in Graubünden», Verlag Belina. Weitere Bücher: «Ostschweiz»
- «Wanderwelt Mittelland», 40 Wandertouren, Kümmerly+Frey. Weitere Bücher: «Alpenraum», «Gesamtschweiz», «Graubünden», «Jurabogen», «Mittelland», «Tessin»
Checkliste - Unterwegs - alles dabei
Ärgerlich, wenn Sie auf einem Ausflug Wichtiges nicht dabeihaben. Für den Badeplausch
- Badehose, -anzug, Bikini
- Badetasche
- Badetuch
- Badelatschen
- Sonnenschirm
- Sonnenhut
- Sonnencreme
- Liegematten
- Luftmatratze/Gummiboot/Pumpe
- Flügeli/Schwimmring
- Schnorchelausrüstung
- Spielsachen (Schaufel, Ball, Boccia etc.)
- Stiefel/Strandschuhe
- Taschenapotheke
Fürs Wandern
- Wanderschuhe
- Kopfschutz
- Regenschutz
- Sackmesser
- Feldflasche
- Feldkochausrüstung
- Zündhölzer/Feuerzeug
- Kompass
- Feldstecher
- Wanderstock
- Wanderführer/-karte
- Handy
Im Auto
- Wagenpapiere
- Führerausweis
- Unfallprotokoll
- Schutzbrief
- Zweitschlüssel
- Strassenkarten, evtl. Schneeketten
- Kühlbox (Getränke, Essen)
- Reservekanister
- Abschleppseil
- Verbandskasten
- Unfallset
Auf der Velotour
- Helm
- Flickzeug
- Luftpumpe
- Veloweg-Karten
- Schlauch
- Werkzeug
- Getränkehalter
- Ersatzbirne
- Schloss
- Taschenapotheke
01. März 2002
