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Artikel | saldo 5/2002

Telefonanbieter - Aggressive Helvetia-Tel

Der neue Telefonanbieter Helvetia-Tel geht mit haltlosen Versprechen auf Kundenfang.

Wir sind 30 Prozent günstiger als Swisscom, 15 Prozent tiefer als Sunrise.» Seit letzten Dezember ködert Helvetia-Tel so telefonisch neue Kunden - bis sie einwilligen, den Festnetzanschluss zu Helvetia-Tel zu wechseln. Seit Anfang 2001 ist es möglich, mündlich den Anbieter zu wechseln (saldo 15/01). Helvetia-Tel missbraucht jedoch die neue Regelung zum Kundenfang.

Das stellte auch Thomas Rüde aus Sulz AG fest. «Meiner Mutter wurden von Helvetia-Tel sehr viel billigere Gesprächskosten versprochen, bis sie schliesslich einwilligte. Wer nicht zufrieden sei, könne innert fünf Tagen vom Vertrag zurücktreten, hiess es.» Nur: Der Willkommensbrief war auf den 8. Februar datiert, aber erst am 12. Februar abgeschickt worden. Rüde: «So hat Helvetia-Tel den Anschein erweckt, die Rücktrittsfrist sei bereits abgelaufen.»


Gesprächskosten: Gleich zweimal aufgerundet

Beim Internet-Vergleichsdienst Konsumenteninfo.ch häufen sich die Reklamationen. Ralf Beyeler: «In der Schweiz rundet einzig Helvetia-Tel Gesprächskosten zweimal auf: auf die nächsten 30 Sekunden und dann auf die nächsten 10 Rappen.» Von saldo auf diese kundenfeindliche Praxis angesprochen, weicht ein Telefonverkäufer aus: «Die ganze Abrechnerei ist schwierig, am besten lässt sich das überprüfen, wenn man mit uns telefoniert und sich angemeldet hat.»

Auch das Argument, 30 Prozent billiger als Swisscom zu sein, ist falsch. Der Vergleichsdienst hat 14 400 Gesprächsvarianten durchgerechnet. Beyeler: «Bei Lokalgesprächen bis fünf Minuten ist Helvetia-Tel gleich teuer wie Swisscom, im Niedertarif bedeutend teurer als Sunrise. Bessere Tarife bietet Helvetia-Tel lediglich bei längeren Gesprächen im Nahbereich.»

Helvetia-Tel lässt Kunden über ein Zürcher Callcenter anwerben. Dahinter steht jedoch der St. Galler Student Andreas Dögel als Geschäftsführer. Er gibt zu, dass Leute gegen ihren Willen aufgeschaltet wurden. «Solche Fehler wie auch die der zurückdatierten Briefe sollte es nicht geben. Wir wollen das ausmerzen.»

MM

13. März 2002


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