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Ohne Mikro-CHIPS SIND HIGHTECH-GERÄTE NICHT DENKBAR. Die HalbleiterIndustrie als Herstellerin dieser Elemente steckte letztes Jahr in ihrer bisher schlimmsten Krise. Jetzt sieht die Branche Licht am Ende des Tunnels: Eine Chance für eher risikofreudige Anleger.
Auf einem Mikro-Chip, einem daumennagelgrossen Silizium-Plättchen, bringt die Halbleiter-Industrie heute einen kompletten Computer unter. Die mit elektronischen Schaltungen vollgepackten Halbleiter-Bauelemente sind zum wichtigen Rohstoff für die Hightech-Gesellschaft geworden. Mikro-Chips bilden die Grundlage für die wachsende Vielfalt elektronischer Produkte und Systeme.
Die winzigen Plättchen stecken heute überall, nicht nur in jedem Personal-Computer, sondern auch zum Beispiel in Handys, Hifi-Anlagen, Digitalkameras, Autos, Mikrowellengeräten, Alarmanlagen und Liftsteuerungen - in praktisch jedem modernen Gerät. Die Halbleiter-Industrie, welche die Chips herstellt, hat sich zu einer Schlüsselindustrie entwickelt und ist heute ebenso unverzichtbar wie die Energieversorgung. Doch trotz ihrer überragenden Bedeutung sind die Chip-Produzenten letztes Jahr in die schlimmste Krise ihrer Geschichte geraten.
Die weltweiten Umsätze der Halbleiter-Hersteller sind 2001 um über 30 Prozent eingebrochen. Grösster Verlierer unter den Top Ten ist der japanische Konzern NEC, der rund die Hälfte seines Umsatzes eingebüsst hat. Der Chip-Hersteller will daher 14 000 der insgesamt 150 000 Stellen streichen. Aber auch die Anleger hatten einige Zeit nichts zu lachen: Die Aktionäre des unangefochtenen Marktführers, des Chip-Herstellers Intel, mussten zwischen September 2000 und September 2001 zusehen, wie mehr als zwei Drittel des Börsenwertes sich in Luft auflösten.
Doch allen Negativmeldungen zum Trotz hält Rolf Biland die Halbleiter-Branche gerade jetzt für besonders attraktiv. Der Chief Investment Officer des VZ Vermögens-Zentrums erwartet, dass die Aktienkurse vieler Chip-Hersteller sich ebenso erholen wie die Chip-Preise und die Umsätze. Bis gegen Ende des letzten Jahres kannte der Chip-Markt nur eine Richtung: südwärts! Die Marktpreise für einen 256-MB-Speicher-Chip (SDram) sind von Januar bis November 2001 von rund 23 Dollar auf 2,38 Dollar abgestürzt. Dann war der Tiefstpunkt erreicht. Von November bis Ende Januar haben sich die Preise für Speicher-Chips aber schon wieder verdreifacht. Standard-Halbleiter-Elemente werden heute gehandelt wie Rohstoffe. Die Preise für Computer-Chips schwanken extremer als die Preise für Kaffee oder Schweinebäuche.
Was der Schweine-Zyklus für die Bauern, sind die Schwankungen des Chip-Marktes für die Halbleiter-Industrie. Der Schweine-Zyklus ist ein klassisches Beispiel aus den ökonomischen Lehrbüchern des letzten Jahrtausends. Bei einer guten Nachfrage nach Schweinefleisch vergrössern die Bauern ihre Schweinebestände, was schliesslich zu einem Überangebot führt. Dieses Überangebot drückt die Preise für Schweinefleisch schliesslich so stark, dass die Schweinemast unattraktiv wird und die Bauern weniger Schweine züchten, so lange bis zuwenig Schweinefleisch auf dem Markt ist und das Spiel wieder von vorne beginnt.
Ganz ähnlich wie beim Schweine-Zyklus pendeln die Märkte für Computer-Chips zwischen Mangel und Überangebot. Kein Hersteller weiss eben im Voraus genau, wie viele Computer-Chips sich in Zukunft absetzen lassen. Solange die Preise hoch und die Margen gut sind, dehnen die Hersteller ihre Produktion aus, und jeder hofft, seine Produktion noch gewinnbringend abzusetzen. Die extremen zyklischen Schwankungen, die man auf den Märkten für Computer-Chips beobachten kann, werden durch eine rasend schnelle technologische Entwicklung und durch Lagerzyklen zusätzlich verschärft.
Zur periodischen Überproduktion trägt zudem bei, dass die Halbleiter-Herstellung extrem kapitalintensiv ist. Und wer nicht laufend in neuste Produktionsanlagen investiert, ist in Kürze weg vom Fenster, denn nichts ist in der Chip-Branche beständiger als das Tempo des technologischen Fortschritts.
Alle 18 Monate verdoppelt sich die Anzahl der Komponenten, die auf einen Chip gepackt werden können. Diese Regel, die von Gordon Moore, dem Ex-Chef des Halbleiter-Herstellers Intel, formuliert worden ist, hat sich als Moores Gesetz in den letzten Jahrzehnten bestätigt. Die immer weiter gehende Miniaturisierung der Schaltkreise hat dazu geführt, dass die Kosten pro Funktion, die auf einem Chip untergebracht ist, jedes Jahr um rund 25 Prozent gesunken sind. Dieser Prozess geht unvermindert weiter.
So werden die Strukturen auf den Chips immer kleiner, von heute 130 Nanometern sollen sie schon in drei Jahren auf 65 Nanometer reduziert werden. Gleichzeitig stellen viele Hersteller zurzeit von 20 Zentimeter grossen Silizium-Scheiben auf 30- Zentimeter-Wafer um. Dank der grösseren Fläche steigt die Anzahl Chips pro Wafer zusätzlich, was die Kosten pro Stück weiter senkt.
In der extremen Krise der Branche im vergangenen Jahr haben die Chip-Produzenten ihre Unternehmen schlanker getrimmt, ihre Lager geleert und Fabriken geschlossen. Nun reicht ein leichter Anstieg der Nachfrage aus, um aus den Verlusten des letzten Jahres wieder Gewinne zu machen. Erste Anzeichen für eine Erholung sind da.
Die Chip-Produzenten konnten Ende letzten Jahres wieder beginnen, ihre Preise sukzessive zu erhöhen. Grosse Hersteller wie die koreanische Samsung Electronics schreiben inzwischen wieder schwarze Zahlen. Kurzfristig sind die Aussichten zwar noch nicht brillant, doch schon im nächsten Jahr soll das Wachstum wieder das für die Branche typische hohe Tempo erreichen.
Schon im Jahr 2003 werden die Chip-Produzenten ihre Umsätze wieder um rund 30 Prozent steigern, rechnet das Marktforschungsunternehmen Dataquest. Und auch 2004 soll das Wachstum der Halbleiter-Branche mit weiteren 20 Prozent weitergehen.
Undenkbar sind die kühnen Prognosen nicht, denn seit den Anfängen in den 50er-Jahren ist der Halbleiter-Markt im Durchschnitt jedes Jahr um 16 Prozent gewachsen. Mindestens für die nächsten Jahre dürfte die Halbleiter-Industrie weiterhin zu den stark wachsenden Sektoren gehören. Doch wegen der starken Schwankungen ist auch das Risiko für die Anleger beträchtlich.
Als Teil eines diversifizierten Anlage-Portefeuilles machen Investitionen in die Chip-Branche jedoch Sinn.
Meinrad Ballmer
Mit Indexaktien in Chip-Branche investieren
Investitionen in Einzelaktien sind riskanter als Anlagefonds oder Indexaktien. Wer einen Teil seiner Anlagen in die Chip-Branche investieren, jedoch Einzelaktien meiden will, kann folgende an der amerikanischen Börse AMEX gehandelten Indexaktien kaufen:
- iShares Goldman Sachs Semiconductor
- Semiconductor HOLDRs Trust von Merrill Lynch
Informationen zu diesen Titeln findet man auf der Website der AMEX www.amex.com
01. Februar 2002
