SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | saldo 1/2002

Schuppenflechte - Das Tote Meer in die Schweiz geholt

Rund 150 000 Menschen leiden an Schuppenflechte - mit wenig Heilungschancen. Aber: Eine Therapie mit UVB-Licht und Salzbädern verschafft Linderung.

Mit 11 oder 12 Jahren machte sich bei der 43-jährigen Verena Schnüriger die Schuppenflechte (Psoriasis) erstmals bemerkbar: «Zuerst verspürte ich einen starken Juckreiz. Später bildeten sich rote runde Flecken, die dann zu schuppen anfingen», beschreibt sie den ersten Ausbruch ihrer Krankheit.

Die chronische Psoriasis verläuft in Schüben. Relativ erscheinungsfreie Phasen wechseln sich ab mit Phasen, in denen der Ausschlag akut ausbricht. «Psoriasis ist eine überschiessende Entzündungsreaktion», beschreibt der Dermatologe Dr. Frank O. Nestle, Leitender Arzt an der Dermatologischen Klinik in Zürich, die Krankheit.

In einem extrem raschen Tempo vermehren sich die Hautzellen, bis zu siebenmal schneller. Das Resultat dieser Wucherung sind Rötungen, die sich entzünden können. Die überflüssigen Zellen sterben ab und sind als harmlose, aber unschöne Schuppen weiterhin sichtbar.


Über die Ursache der Krankheit ist wenig bekannt

Die Ursache von Psoriasis ist nicht bekannt, man weiss jedoch, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. «Sind beide Elternteile erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit der Vererbung bei 40 bis 60 Prozent», erläutert der Dermatologe. Verena Schnürigers Eltern waren nicht erkrankt, und dennoch: Drei ihrer vier Geschwister haben eine leichte Psoriasis. Die eigenen Kinder sind aber bis anhin verschont geblieben.

Man kennt mögliche Auslöser: Angina (Streptokokken-Infektion) und Grippe (Viren-Infektion). Medikamente wie Lithium und Betablocker sind weitere Risikofaktoren. Psoriasis entsteht als Autoimmunreaktion, das heisst, das körpereigene Abwehrsystem reagiert falsch und greift Zellen des eigenen Körpers an. Überanstrengung, Stress und mechanische Reize wie Reibungen durch Armband, BH oder Gürtel können die Krankheit verschlimmern.

Psoriasis ist nicht ansteckend, aber gut sichtbar. Und Betroffene leiden darunter. Auch Verena Schnüriger. «Ich musste abfällige Bemerkungen hören. Mütter haben manchmal ihre Kinder von mir fern gehalten.» Hinzu kam der ewige Juckreiz. «Ich habe mich in mancher Nacht blutig gekratzt», erzählt sie. Verständlich also der Wunsch nach einer Therapie, die hilft. Sie versuchte fast alles: von Salben bis zu Geistheilern. Am erfolgreichsten war aber die Therapie am Toten Meer, die ihr 1998 grosse Linderung verschaffte. Der hohe Salzgehalt und die Sonne bewirken eine Abheilung. Notwendig aber ist ein vier- bis fünfwöchiger Aufenthalt.

Also holte man das Tote Meer in die Schweiz: Mavena Derma Centers bieten die Balneo-Phototherapie an, ein Angebot, das auch Verena Schnüriger ergriff. Während 12 Wochen reiste sie mehrmals wöchentlich ins Zentrum nach Zürich und setzte sich zuerst etwa eine Viertelstunde bei 37 Grad in ein 15%iges Salzbad.


Salzbad und UVB-Licht statt Sonne und Totes Meer

«Das Magnesiumchlorid-Salz hat eine antientzündliche Wirkung», erklärt Frank O. Nestle. Anschliessend begibt sich die Patientin in eine Kabine und lässt sich für etwa eine Minute von UVB-Licht bestrahlen. «Entzündliche Enzyme werden durch diese Behandlung herausgefiltert. Zusätzlich können die Salzkristalle auf der Haut wie ein Prisma wirken und verstärken damit die Wirkung des UVB-Lichts», erklärt der Hautarzt. Die Therapie ist erfolgreich: «Ziel der Behandlung ist eine 80%ige Abheilung, die wir bei über 80 Prozent der Patienten auch erreichen.» Bei Verena Schnüriger musste die Behandlung durch ein lokales Vitamin-D-Präparat unterstützt werden, zeigte aber schlussendlich auch gute Resultate. Die Therapie ist gut verträglich. «Durch die Bestrahlung besteht eine geringe Sonnenbrandgefahr. Bei gewissen Patienten, meistens jungen und sehr schlanken, treten manchmal Kreislaufbeschwerden auf, wenn sie aus dem warmen Salzbad steigen», erläutert Hautarzt Nestle. Wichtig bei jeder Therapie: die richtige Pflege der Haut. Sie kann die erscheinungsfreien Phasen verlängern.


«Ich habe die richtige Balance gefunden»

«Die Grundversicherung der Krankenkasse übernimmt die Behandlung, wenn sie ärztlich angezeigt ist und wenn sie von einem anerkannten Leistungserbringer wie zum Beispiel dem Unispital erbracht wird. Die Mavena Derma Centers gehören aber nicht dazu», klärt Christian Beusch, Pressechef der Helsana, die Kostenfrage.

Die Therapie verschafft Linderung, ist aber keine Heilung. Betroffene müssen also lernen, mit ihrer Krankheit zu leben. Verena Schnüriger ist dies bestens gelungen. «Ich habe gelernt, dass ich meinen Körper mit der Krankheit akzeptieren muss, dann tun es die anderen auch.» Sie ist aktiv im Turnverein und scheut sich auch nicht mehr vor dem Duschen mit den Mitturnerinnen. «Ich habe die Balance gefunden, mit der Krankheit zu leben und gegen sie zu kämpfen. Jedes Mal, wenn sie mich zu dominieren droht, ergreife ich das Zepter und fange eine Behandlung an.»

Silvia Baumgartner



Psoriasis - Tipps zur Hautpflege

- Mehrmals täglich mit rückfettenden Lotionen eincremen

- Schäumende Reinigungsmittel meiden

- So wenig heisses Wasser wie möglich, kalt oder lauwarm duschen

- Keine allzu engen Kleider tragen


Neue Therapie:

Man kennt einen der Botenstoffe, der die Entzündungen verursacht. Neue Medikamente (Enbrel, Remicade) hemmen den Stoff und führen zu einer Abheilung. Sie werden per Infusion oder Spritze verabreicht. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren. Kurzfristige Nebenwirkungen sind vor allem Hautreaktionen. Langfristig können Infektionen oder Krebserkrankungen schlimmer werden.

Mehr Infos: Psoriasis-Sprechstunde, Unispital Zürich, Tel. 01 255 25 33.



Adressen - Kontaktstellen und Links

- Mavena Derma Centers, Zürich: Tel. 01 322 95 22, Bern: Tel. 031 312 95 22

- Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft, Postfach, 8048 Zürich

- Psoriasis-Sprechstunde im Unispital Zürich, Di 9 bis 11 Uhr, Tel. 01 255 25 33

- www.mavena.ch

- www.psoaktuell.com

- www.psoriasis-netz.de

- www.psoriasis-bund.de

16. Januar 2002


Beitrag als PDF
Schuppenflechte - Das Tote Meer in die Schweiz geholt
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Heftiger Streit ums Gefahr fürs Herz: Zu viel Fructose in Fertigprodukten Übergewicht schadet auch der Haut
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten