|
(0) |
Obligationen von schweizerischen Unternehmen sind weniger sicher als oft angenommen. Obli-Fonds reduzieren das Risiko.
Der drohende Konkurs der SAir-Group bringt den Aktionären praktisch einen Totalverlust. Aber auch die einst so sicher scheinenden SAir-Obligationen werden ihren Besitzern herbe Enttäuschungen bescheren. Allein am Schweizer Kapitalmarkt hat die SAir-Group Obligationen in der Höhe von rund 1,7 Milliarden Franken noch nicht zurückbezahlt. Die meisten dieser Anleihen waren Anfang Januar 2002 noch zwischen 6 und 7 Prozent ihres Nominalbetrags wert. Das heisst: Wer Obligationen der Swissair kaufte, muss möglicherweise den grössten Teil der Forderung abschreiben.
Für die Interessen der Obligationäre setzt sich die Schutzgemeinschaft Investoren Schweiz (SIS) ein, die eine «Interessengemeinschaft der Swissair-Obligationäre» gebildet hat. Gegen einen Beitrag von 100 Franken pro Gläubiger will die SIS eine möglichst hohe Rückzahlung der Swissair-Anleihe erreichen. Experten erwarten denn auch eine höhere Dividende für die Obligationäre, als sie dem heutigen Kurswert entsprechen würde. Wer seine Swissair-Obligationen zu den heutigen Kursen von unter 10 Prozent abstösst, ist deshalb möglicherweise schlecht beraten.
Die SIS nimmt den einzelnen Obligationären übrigens auch das rechtzeitige und korrekte Anmelden ihrer Forderungen ab. Am 9. Januar wurde der Schuldenruf publiziert. Jetzt läuft die Frist von 20 Tagen, um die Forderungen anzumelden.
SAir-Debakel mit Folgen für andere Obligationen
Der drohende Konkurs der SAir-Group hat aber noch weit grössere Auswirkungen auf den schweizerischen Obligationenmarkt. Nach dem Swissair-Debakel kamen selbst erste Obligationen-Adressen wie ABB oder Clariant zu Kurseinbussen. Und in den letzten Jahren gab es immer wieder Fälle von Konkursen von mittelgrossen oder grossen schweizerischen Unternehmen und Obligationen-Schuldnern. Unter den bekannten Namen der letzten 15 Jahre befinden sich Gesellschaften wie die Omni-Holding, Sasea, Biber-Holding oder Suter + Suter.
Am schweizerischen Kapitalmarkt sind 519 Anleihen von schweizerischen Unternehmen notiert. Da stellt sich die Frage, wie die Spreu vom Weizen getrennt werden kann. Hinweise auf die Kreditwürdigkeit geben die Einstufungen durch so genannte «Rating-Agenturen». Der unabhängige Winterthurer Anlageberater und Rating-Experte Gion Reto Capaul warnt aber vor einer Überschätzung dieser Analysten: «Das Bond-Research ist in der Schweiz noch völlig unterentwickelt.» Auch die Banken beurteilen die Kreditfähigkeit eines Schuldners seiner Ansicht nach bei der Ausgabe von Obligationen zu sorglos.
Dass die Ratings Tücken haben, zeigt auch wieder der Fall Swissair: Internationale Kredit-Rating-Agenturen beispielsweise hatten die Anleihen der SAir-Group noch vor einem Jahr mit einem A-Rating versehen - eine Empfehlung zum Kauf.
Für Anleger, die mit festverzinslichen Obligationenanlagen Abenteuer vermeiden wollen, ist deshalb Vorsicht erstes Gebot. Höhere Renditen sind in der Regel ein Indiz für höhere Risiken. Vorsichtige Anleger sollten Anleihen meiden, die überdurchschnittliche Erträge versprechen.
Obligationen - Höhere Zinsen, höhere Risiken
Einige Anleihen locken zurzeit mit Renditen von über 8 Prozent. Privatanleger sollten aber zur Sicherheit die Hände davon lassen. Wer Sicherheit höher gewichtet als den maximalen Ertrag, wählt besser erstklassige Schuldner wie etwa die Eidgenossenschaft. Deren Bonität ist über die Steuererhebung gesichert.
Wer Beträge bis 50 000 Franken in Obligationen investieren will, vermeidet Klumpenrisiken, indem er auf Anlagefonds setzt. Praktisch alle Banken bieten diese Möglichkeit an. Vorteil: Obligationenfonds werden professionell verwaltet. Das Risiko für die Anleger ist breit verteilt.
16. Januar 2002
