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Artikel | saldo 1/2002

Haustiere - Katzen kastrieren statt töten

Jedes Jahr werden in der Schweiz über hunderttausend unerwünschte Tiere getötet - vor allem Katzen. Die beste Vorsorge ist Kastration. Die Preise dafür sind jedoch sehr unterschiedlich.

Junge Kätzchen machen Freude. Die seidigen Knäuel können jedoch zum Problem werden. Die Katzenmutter kann schon ein halbes Jahr nach einem Wurf wieder bis zu sechs Junge gebären. Und die sind ihrerseits nach acht Monaten geschlechtsreif.

Finden sich keine Abnehmer, werden die Neugeborenen oft erschlagen, erwürgt oder gar nach alter Tradition ertränkt. Ausgesetzte Katzen verwildern und laufen Gefahr, erschossen zu werden. Im besten Fall wird die Katze in ein Heim gesperrt. Damit keine unerwünschten Kätzchen gezeugt werden, müssen Kater und Kätzin unfruchtbar gemacht werden.


Kastration dient nicht nur der Geburtenkontrolle

Das Kastrieren unterbindet den Sexualzyklus vollständig. Das hat Vorteile: Kater markieren nach einer Kastration weniger, und ihr Urin ist geruchsärmer. Zudem trägt der Maudi weniger Verletzungen nach Hause, da er den Kampf mit Geschlechtsgenossen nicht mehr nötig hat.

Die Katzendame wird nicht mehr rollig, muss also nicht mehr mit schlafraubendem Heulen einen Erzeuger anlocken. Viele Tierärzte vertreten auch die Meinung, dass eine Kastration des Weibchens das Risiko von Krebs und Gebärmutterentzündung senkt.

Der Eingriff wird unter Narkose gemacht und ist vor allem beim Kater rasch durchgeführt. Ein bisschen komplizierter ist es bei der Kätzin. Olivier Flechtner von der Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST): «Durch einen 1 bis 2 Zentimeter langen Schnitt am Bauch werden die Eierstöcke mit einem feinen Instrument herausgezogen und entfernt. Die Gebärmutter bleibt normalerweise drin.»

saldo wollte wissen, wie viel der Eingriff kostet - und wie unterschiedlich die Preise der Tierärzte sind. In einer Stichprobe wurden 37 zufällig ausgewählte Tierarztpraxen der Deutschschweiz nach dem Preis für die Kastration eines Weibchens gefragt.


Preisunterschiede von bis zu 100 Franken

Das Ergebnis: Die meisten Veterinäre verlangen zwischen 150 und 165 Franken. Mit 135 Franken am billigsten arbeiten die Tierarztpraxis Föhn/Rüegsegger in Andelfingen ZH und die Tierklinik Rosshalde in Schönbühl-Urtenen BE. Sieben Praxen verrechnen zwischen 170 und 190, vier sogar mehr als 190 Franken.

Wichtig: Genaues Nachfragen lohnt sich. Zum Beispiel, ob jeweils zusätzlich noch Medikamente belastet werden. Die Tierarztpraxis Arche in Hinwil ZH etwa nennt zuerst einen Preis von Fr. 166.70. Später heisst es, für das Fädenziehen seien weitere 40 Franken zu bezahlen. Dies, obwohl heute beim Eingriff meistens selbstauflösende Fäden verwendet werden.

Auch bei den Tierärzten Moser und Indermauer in Fehraltdorf ist eine Nachbehandlung eingeplant. Damit kommt die Kastration auf Fr. 239.20 zu stehen. Ähnlich teuer die Tierarztpraxis Rhybrugg in Diessenhofen TG mit 236 Franken. Zum Vergleich: Die Gesellschaft der Schweizer Tierärzte empfiehlt den Mitgliedern, für diesen Eingriff einen Preis zwischen Fr. 150.65 und höchstens Fr. 225.95 zu verlangen.

Die für die Kastration verlangten Preise können für die Katzen lebensrettend sein. Christa Kropik vom Schweizer Tierschutz STS hat die Erfahrung gemacht, dass die Kastration gerade für Halter von mehreren Katzen oft eine Kostenfrage ist: «Wir wollen Bauernfamilien für das Problem der Überpopulation sensibilisieren. Darum ermöglichen wir ihnen, ihre Katzen 50 Prozent günstiger kastrieren zu lassen.» Kropik leitet das Projekt «Katzen kastrieren statt töten» des Schweizer Tierschutzes. Die Aktion wird zum dritten Mal durchgeführt und dauert noch bis Ende Februar. Im letzten Winter wurden über 6 000 Bauernhofkatzen kastriert.


Kastrierte Katzen brauchen weniger Futter

Den Grossteil der Aktion finanzieren der STS und seine Sektionen mit rund 200 000 Franken. Zirka 25 Prozent der Kosten tragen die beteiligten Veterinäre. «Die Tierärztinnen und -ärzte können am besten Überzeugungsarbeit machen», sagt Christa Kropik und stellt klar: «Kastrierte Katzen bleiben gute Mäusefängerinnen, sind gesünder und leben länger.» Auch dass die Vierbeiner nach dem Eingriff träge und dick werden, ist ein Ammenmärchen. Richtig ist hingegen, dass kastrierte Katzen weniger Futter brauchen. Das Balzen ist bekanntlich Kräfte raubend.

Veronika Setter

Weitere Informationen zur Kastrationsaktion für Bauernhofkatzen beim STS, Tel. 061 365 99 90.

16. Januar 2002


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