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Artikel | Gesundheits-Tipp 11/2001

Gähnen beim Sex

Neue Potenzpillen wirken oft ungenügend

Im Januar sollen sie auch in der Schweiz erhältlich sein: Die Potenzpillen Ixense und Uprima. Doch Euphorie ist verfrüht: Fachleute warnen vor Risiken, die nicht geklärt sind. Ausserdem wirken die Pillen oft ungenügend.

Thomas Grether thgrether@pulstipp.ch

Mitte 40 machte er schlapp: Starkes Rauchen und eine Prostata-Operation führten bei Ralph Seiler (Name geändert) zu Impotenz. «Gefässverengung im Penis» lautete die Diagnose. Seither liegt Sex nur noch drin, wenn Seiler vorher Viagra schluckt. «Dann kann die Erektion schon mal zwei Stunden hinhalten.»

Nur gerade zehn Minuten dauerte bei ihm hingegen das Hoch mit der neuen Potenzpille Ixense. «Gewirkt hat sie nur, als ich sie zum ersten Mal nahm. Wahrscheinlich, weil ich fest daran glaubte, dass es klappt.» Alle weiteren Versuche des Service-Technikers, mit Ixense eine Erektion hinzukriegen, scheiterten.

Das Mittel gegen erektile Dysfunktion ist in der EU bereits seit Juni dieses Jahres auf dem Markt. Genauso Uprima, das mit Apomorphin über exakt den gleichen Wirkstoff verfügt. Auch in der Schweiz soll es bald so weit sein: Die Hersteller-Firmen Takeda und Abbott erwarten die Zulassung ihrer Pillen Anfang nächsten Jahres.

Ixense stelle «einen echten Durchbruch» bei der Behandlung von Erektionsstörungen dar, verkündete Herstellerin Takeda in einer Medieninformation. Die Regenbogen-Presse hat die neuen Potenzpillen bereits hochgejubelt.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Statt im Bett die Stimmung zu heben, können die neuen Pillen die Lust killen. Bei fast zehn Prozent der Männer verursachen sie nämlich Nebenwirkungen, die den Sex vermiesen: Gähnen und Übelkeit. Kein Wunder: Der Pillen-Wirkstoff Apomorphin wird seit bald 100 Jahren verwendet, um nach Vergiftungen den Mageninhalt zu entleeren.

Untersuchungen zeigen, dass nur knapp die Hälfte der eingenommenen Tabletten zu Erektionen führten, die Geschlechtsverkehr ermöglichen. Deshalb jubeln nicht alle Patienten. «Die Wirkung ist enttäuschend», sagt etwa Ralph Seiler.


Bei Männern ab 60 Wirkung oft ungenügend

Gedämpft ist die Stimmung auch bei Ärzten. «Wir können die verbreitete Euphorie nicht teilen», sagt der Chefarzt einer Urologischen Klinik im Raum Zürich, der anonym bleiben will. Er hat Patienten betreut, die an Studien der Herstellerfirmen teilnahmen. Resultate dieser Studien haben die Hersteller noch nicht veröffentlicht.

Der Arzt berichtet, dass die neuen Pillen bei Männern ab 60 Jahren «oft ungenügend wirken». Vor allem, wenn die Durchblutung des Penis krankhaft gestört sei: etwa bei Diabetikern oder starken Rauchern. 80 Prozent der Erektionsstörungen haben organische Gründe. Das heisst: Ausgerechnet beim grössten Teil der Patienten mit Potenzproblemen könnte die Wirkung der Mittel versagen.

Einen Versuch wert sind die Potenzpillen, wenn die Erektion aus psychischen Gründen ausbleibt, etwa wegen Stress oder aus Angst, zu versagen. Dies bestätigt Urologe Wolfgang Strebel vom Universitätsspital Zürich: «Die Pillen aktivieren nicht wie Viagra den Schwellkörper im Penis, sondern wirken auf das Sexualzentrum im Gehirn.» Lustfördernd wirkten sie aber nicht.

Takeda-Geschäftsführer Wolfgang Jakob räumt ein, dass bei Rauchern, deren Gefässbahnen zerstört sind, andere Mittel wie «direkt in den Penis verabreichte Spritzen» wirksamer sind.

Zu Diabetes liegen laut Jakob keine ausreichenden Studien vor, die Wirkung bei einzelnen untersuchten Diabetikern sei aber gut.


Fachleute kritisieren: Risiken zu wenig untersucht

Das deutsche Fachblatt «arznei telegramm» hat veröffentlichte Studien über Ixense und Uprima unter die Lupe genommen. Resultat: Die neuen Pillen seien nicht zu empfehlen, aus folgenden Gründen:

- Hinreichende Daten zur Sicherheit der Mittel bei Risikopatienten fehlten.

- Wie Rauchen und Alkohol unter Alltagsbedingungen die Risiken beeinflussen, sei nicht untersucht worden.

- Der Blutdruck könne abfallen. Ausserdem könne es zu Synkopen kommen, bei denen man das Bewusstsein verliert, weil die Gehirndurchblutung gestört wird.

Laut Takeda-Geschäftsführer Wolfgang Jakob treten diese Nebenwirkungen «hauptsächlich» bei den Dosierungen mit 4, 5 und 6 Milligramm auf. Diese Dosis sei jedoch nicht zugelassen. Verkauft würden die Mittel in den geringeren Dosen von 2 und 3 Milligramm. «Synkopen und abfallender Blutdruck treten da nur noch sehr selten auf», sagt Jakob. In Studien hätten zwei Gläser Wein zusammen mit Ixense keine Probleme verursacht.



Beckenbodentraining stärkt die männliche Potenz

Nicht nur Frauen, auch Männer sollten ihrenBeckenboden trainieren. Das verbessert die Potenz markant.

Frauen wenden es mit Erfolg bei Inkontinenz und Gebärmuttersenkungen an. Doch Beckenboden-Training ist nicht nur «Frauensache». Bei leichter bis mittelschwerer Impotenz kann ein gezieltes Training der Beckenboden-Muskulatur Männern zu neuer Kraft verhelfen. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Urologischen Uniklinik Köln. Von 40 Patienten berichteten 32 über eine bessere Potenz, nachdem sie drei Wochen lang ihren Beckenboden trainiert hatten. Nach drei Monaten Trainig wurde ihr Penis bereits um 46 Prozent steifer.


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01. November 2001


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