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Frage: Ich lege sehr konservativ an und besitze hauptsächlich Obligationen in Schweizer Franken. Aus meiner Rente und den Zinsen meiner Anlagen bestreite ich meinen Lebensunterhalt. Im letzten Depotauszug habe ich mit Entsetzen festgestellt, dass die Kurse einzelner Werte abgestürzt sind. Soll ich die Obligationen der Air Canada im Depot behalten?
Antwort: Bei Obligationen nehmen viele Anleger an, eine Überwachung sei nicht nötig. Nach dem Swissair-Debakel ist vielen wieder klar geworden, dass auch Anleihen einen Totalverlust erleiden können. Grund für die schärfsten Kurskorrekturen von Obligationen sind nicht die Veränderungen der Marktzinsen, sondern Verschlechterungen in der Schuldnerqualität, der so genannten Bonität.
Genau dies ist bei Ihrer Air-Canada-Obligation der Fall. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat ihre Einschätzung der Bonität revidiert. Von der Rating-Stufe BB vor den Terroranschlägen vom 11. September wurde Air Canada in zwei Schritten auf B+ reduziert. Die Anleihe befindet sich zudem auf der «watch list», das heisst, sie wird zurzeit im Hinblick auf eine wahrscheinliche weitere Rückstufung überwacht.
Ihre Obligation zählt zu den nachrangigen Schulden und ist damit bei einem Konkurs schlechter gestellt. Die Anleihe ist deshalb hoch spekulativ geworden. Eine baldige Erholung ist nicht zu erwarten.
Um das Ausfallrisiko zu vermeiden, sollten Sie die Air-Canada-Obligation verkaufen und das Geld in einen breit gestreuten Obligationenfonds investieren. Empfehlenswert sind der Obliflex CHF Bond A von Lombard Odier sowie der CS Bond Dynamic SFr. Aufgrund der Risikoeinschätzung sollte der CS-Bond-Dynamic-Fonds maximal rund 10 Prozent eines Portfolios ausmachen.
01. Oktober 2001
