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Obwohl über zwei Drittel unserer Bevölkerung in Mietwohnungen leben, verteidigt die Mehrheit der Volksvertreter die Interessen der Mieter nicht. K-Spezial nennt diese Nationalräte beim Namen.
Christian Grobet von der SP sagte es deutlich: «Bürgerliche Parlamentarier führen einen Krieg gegen die Mieter.» Das mehrheitlich bürgerliche Parlament hat im Dezember 2000 auf dem Weg zu einem neuen Mietrecht diverse Beschlüsse gefasst, die nach Ansicht der SP und des Mieterverbands eindeutig mieterfeindlich sind. Und das, obwohl rund 70 Prozent der Menschen zur Miete wohnen und durchschnittlich rund ein Viertel des Monatseinkommens für die Miete ausgeben.
Wie massiv gegen die Interessen dieser Mehrheit im Land politisiert wurde, zeigen auch die Sätze aus den Reden von Robert Keller, Rolf Hegetschweiler und Werner Messmer.
Während der Wintersession 2000 entschied der Nationalrat bei der Revision des Mietrechts unter anderem:
- Der Schutz der Mieter wird im neuen Mietrecht nicht ausgebaut.
- Die Vermieter dürfen jährlich 80 Prozent der Teuerung auf die Mieten überwälzen. Das sind nach Berechnungen des Mieterverbands rund 20 Prozent mehr als nach der bisherigen Praxis zur Mietzinsberechnung.
- Die Vermieter haben neu das Recht, den Mietzins nach 4 Jahren um bis zu 20 Prozent zu erhöhen, ohne an der Wohnung etwas renoviert zu haben.
- Ein Mietzins darf bis zu 15 Prozent über den so genannten orts- und quartierüblichen Mieten liegen. Für die Berechnung wird der Durchschnittsmietzins in einem Quartier ermittelt. Künstlich verteuert wird diese Vergleichsmiete dadurch, dass vom Vergleich alle günstigen Genossenschafts- und Gemeindewohnungen ausgeschlossen sind. Alleine in Zürich werden jedoch 36 Prozent der 4-Zimmer-Wohnungen von der Stadt vermietet.
- Wer Krach mit dem Vermieter hat und den Mietzins als letztes Druckmittel hinterlegt, müsste nach neuem Recht ans Mietgericht - und das kostet. Die Hemmschwelle, rechtlich gegen einen unfairen Vermieter vorzugehen, würde damit massiv steigen.
Kritik an dieser Lobby-Politik blieb nicht aus. So hiess es im Boulevardblatt «Blick» etwa: «Der Nationalrat macht die Mieter zu Milchkühen der Hauseigentümer.»
Und sogar FDP-Bundesrat Pascal Couchepin kommentierte die Beschlüsse der Parlamentarier harsch. Er sagte der «SonntagsZeitung»: «Nationalräte sind aus meiner Sicht keine Lobbyisten. Allerdings darf man sich im Hinterkopf von Zeit zu Zeit die Frage stellen, ob das nur eine Illusion ist.»
Am 4. und 5. Dezember 2001 hat auch der Ständerat die Vorlage beraten. Er plädierte für eine andere Lösung. Deshalb muss der Nationalrat noch einmal über die Bücher.
CVP stimmte geschlossen gegen die Mieter
K-Spezial nennt jetzt die Namen der vermieterfeindlichen Nationalräte und Nationalrätinnen der deutsch- oder zweisprachigen Kantone. Sie wurden anhand der Abstimmung «Ja zu fairen Mieten» des Mieterinnen- und Mieterverbands und anhand der Revision des Mietrechts ermittelt.
Das Resultat erstaunt in vielerlei Hinsicht. Die bürgerlichen Parteien stimmten geschlossen gegen die Mieterinnen und Mieter. Die Grenze nach links verläuft scharf. «Ausreisser» gab es bei diesen Abstimmungen keine.
Die Haltung der FDP ist weniger verwunderlich als die der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP). Denn die CVP stellt in ihrer Wahlpropaganda die Familie ins Zentrum.
Auch die SVP, die Schweizerische Volkspartei, stimmte geschlossen gegen die Mieterinnen und Mieter.
Für Peter Macher, Sekretär beim Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband, liegen die Gründe für dieses Verhalten auf der Hand. «Die Lobby-Verbindungen der Hauseigentümerschaft, Investoren, Banken und Versicherungen sind übermächtig. Da wäscht eine Hand die andere und dadurch entsteht eine solche Übermacht.»
Gegen diesen Vorwurf wehrt sich der Hauseigentümerverband: «In der Hypothekarzins-Frage zum Beispiel ziehen Banken und Vermieter nicht am gleichen Strick», sagt die juristische Mitarbeiterin Monika Sommer.
Eric Send
- Die Debatte und Voten können Sie nachlesen: www.parlament.ch/ab/frameset/d/index.htm
Ein Volk von Mietern: Warum?
Die Wohneigentumsquote ist in der Schweiz deutlich tiefer als in anderen europäischen Ländern.
Während bei uns 31,3 Prozent (Stand 1990) Eigentümer sind, sind es zum Beispiel in Norwegen 78 Prozent. Warum gibt es bei uns so viele Mieter? Die Hauptgründe sind laut Bundesamt für Wohnungswesen:
- Die Möglichkeit, Eigentumswohnungen zu erwerben, wurde bei uns erst 1965 eingeführt.
- In der Schweiz herrscht ein ungünstiges Verhältnis zwischen den Kosten des Eigentumserwerbs und dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen.
- Das Mietwohnungsangebot kann sich qualitativ mit jenem für Eigentumsobjekte messen.
- Ausländische Familien besitzen in unserem Land weniger Eigenheime - die Quote beträgt nur 11 Prozent.
Mietrechtsdebatte im Nationalrat: Sie alle stimmten gegen die Mieter!
Aargau:
Ehrler Melchior, CVP
Leuthard Doris, CVP
Zäch Guido, CVP
Egerszegi-Ob. Christine, FDP
Fischer Ulrich, FDP
Siegrist Ulrich, SVP
Mathys Hans Ulrich, SVP
Giezendanner Ulrich, SVP
Glur Walter, SVP
Speck Christian, SVP
Stamm Luzi, SVP
Appenzell Innerrhoden:
Loepfe Arthur, CVP
Appenzell Ausserrhoden:
Vallender Dorle, FDP
Freund Jakob, SVP
Bern:
Galli Remo, CVP
Waber Christian, EDU
Suter Marc, FDP
Bangerter Käthi, FDP
Schneider Johann, FDP
Triponez Pierre, FDP
Wasserfallen Kurt, FDP
Haller Ursula, SVP
Joder Rudolf, SVP
Oehrli Fritz Abraham, SVP
Schenk Simon, SVP
Schmied Walter, SVP
Seiler Hanspeter, SVP
Wandfluh Hansruedi, SVP
Weyeneth Hermann, SVP
Baselland:
Imhof Rudolf, CVP
Kurrus Paul, FDP
Baader Caspar, SVP
Basel-Stadt:
Randegger Johannes, FDP
Dunant Jean Henri, SVP
Freiburg:
Lauper Hubert, CVP
Meyer Thérèse, CVP
Glasson Jean-Paul, FDP
Graubünden:
Decurtins Walter, CVP
Bezzola Duri, FDP
Gadient Brigitta M., SVP
Hassler Hansjörg, SVP
Luzern:
Lustenberger Ruedi, CVP
Dormann Rosmarie, CVP
Estermann Heinrich, CVP
Leu Josef, CVP
Theiler Georges, FDP
Tschuppert Karl, FDP
Kunz Josef, SVP
Laubacher Otto, SVP
Nidwalden:
Engelberger Eduard, FDP
Obwalden:
Durrer Adalbert, CVP
St. Gallen:
Walker Félix, CVP
Meier-Schatz Lucrezia, CVP
Hess Walter, CVP
Widrig Hans Werner, CVP
Weigelt Peter, FDP
Wittenwiler Milli, FDP
Bigger Elmar, SVP
Brunner Toni, SVP
Pfister Theophil, SVP
Schaffhausen:
Bührer Gerold, FDP
Solothurn:
Heim Alex, CVP
Kofmel Peter, FDP
Steiner Rudolf, FDP
Borer Roland, SVP
Schwyz:
Eberhard Toni, CVP
Lalive d'Epinay Maya, FDP
Föhn Peter, SVP
Thurgau:
Raggenbass Hansueli, CVP
Messmer Werner, FDP
Baumann J. Alexander, SVP
Spuhler Peter, SVP
Walter Hansjörg, SVP
Uri:
Steinegger Franz, FDP
Wallis:
Mariétan Fernand, CVP
Chevrier Maurice, CVP
Cina Jean-Michel, CVP
Antille Charles-Albert, FDP
Zug:
Leutenegger Hajo, FDP
Scherer Marcel, SVP
Zürich:
Riklin Kathy, CVP
Zapfl Rosmarie, CVP
Müller Erich, FDP
Bosshard Walter, FDP
Gutzwiller Felix, FDP
Heberlein Trix, FDP
Hegetschweiler Rolf, FDP
Nabholz Lili, FDP
Fehr Lisbeth, SVP
Maurer Ueli, SVP
Binder Max, SVP
Blocher Christoph, SVP
Bortoluzzi Toni, SVP
Fehr Hans, SVP
Frey Walter, SVP
Kaufmann Hans, SVP
Keller Robert, SVP
Mörgeli Christoph, SVP
Schlüer Ulrich, SVP
Stahl Jürg, SVP
Stimm-Enthaltung: Donzé Walter, EVP, BE
Abwesend: Bader Elvira, CVP, SO; Gysin Hans Rudolf, FDP, BL
Namenliste: Es sind nur Nationalrätinnen und -räte aus den deutsch- und zweisprachigen Kantonen erfasst. Sie haben entweder beim Bundesbeschluss über die Volksinitiative «Ja zu fairen Mieten» vom 5. Dez. 2000 oder bei der Gesamtabstimmung «Obligationenrecht (Miete)» vom 11. Dez. 2000 gegen die Mieter gestimmt. Nationalrätinnen und -räte, die nicht in dieser Liste sind, stimmten in einem oder beiden Fällen für die Mieter. Der Zuger Peter Hess, CVP, durfte als Nationalratspräsident nicht stimmen.
01. Januar 2002
