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Artikel | Haus & Garten 1/2002

Diese Nationalräte sind Mieterfeinde

Obwohl über zwei Drittel unserer Bevölkerung in Mietwohnungen leben, verteidigt die Mehrheit der Volksvertreter die Interessen der Mieter nicht. K-Spezial nennt diese Nationalräte beim Namen.

Christian Grobet von der SP sagte es deutlich: «Bürgerliche Parlamentarier führen einen Krieg gegen die Mieter.» Das mehrheitlich bürgerliche Parlament hat im Dezember 2000 auf dem Weg zu einem neuen Mietrecht diverse Beschlüsse gefasst, die nach Ansicht der SP und des Mieterverbands eindeutig mieterfeindlich sind. Und das, obwohl rund 70 Prozent der Menschen zur Miete wohnen und durchschnittlich rund ein Viertel des Monatseinkommens für die Miete ausgeben.

Wie massiv gegen die Interessen dieser Mehrheit im Land politisiert wurde, zeigen auch die Sätze aus den Reden von Robert Keller, Rolf Hegetschweiler und Werner Messmer.


Während der Wintersession 2000 entschied der Nationalrat bei der Revision des Mietrechts unter anderem:

- Der Schutz der Mieter wird im neuen Mietrecht nicht ausgebaut.

- Die Vermieter dürfen jährlich 80 Prozent der Teuerung auf die Mieten überwälzen. Das sind nach Berechnungen des Mieterverbands rund 20 Prozent mehr als nach der bisherigen Praxis zur Mietzinsberechnung.

- Die Vermieter haben neu das Recht, den Mietzins nach 4 Jahren um bis zu 20 Prozent zu erhöhen, ohne an der Wohnung etwas renoviert zu haben.

- Ein Mietzins darf bis zu 15 Prozent über den so genannten orts- und quartierüblichen Mieten liegen. Für die Berechnung wird der Durchschnittsmietzins in einem Quartier ermittelt. Künstlich verteuert wird diese Vergleichsmiete dadurch, dass vom Vergleich alle günstigen Genossenschafts- und Gemeindewohnungen ausgeschlossen sind. Alleine in Zürich werden jedoch 36 Prozent der 4-Zimmer-Wohnungen von der Stadt vermietet.

- Wer Krach mit dem Vermieter hat und den Mietzins als letztes Druckmittel hinterlegt, müsste nach neuem Recht ans Mietgericht - und das kostet. Die Hemmschwelle, rechtlich gegen einen unfairen Vermieter vorzugehen, würde damit massiv steigen.

Kritik an dieser Lobby-Politik blieb nicht aus. So hiess es im Boulevardblatt «Blick» etwa: «Der Nationalrat macht die Mieter zu Milchkühen der Hauseigentümer.»

Und sogar FDP-Bundesrat Pascal Couchepin kommentierte die Beschlüsse der Parlamentarier harsch. Er sagte der «SonntagsZeitung»: «Nationalräte sind aus meiner Sicht keine Lobbyisten. Allerdings darf man sich im Hinterkopf von Zeit zu Zeit die Frage stellen, ob das nur eine Illusion ist.»

Am 4. und 5. Dezember 2001 hat auch der Ständerat die Vorlage beraten. Er plädierte für eine andere Lösung. Deshalb muss der Nationalrat noch einmal über die Bücher.


CVP stimmte geschlossen gegen die Mieter

K-Spezial nennt jetzt die Namen der vermieterfeindlichen Nationalräte und Nationalrätinnen der deutsch- oder zweisprachigen Kantone. Sie wurden anhand der Abstimmung «Ja zu fairen Mieten» des Mieterinnen- und Mieterverbands und anhand der Revision des Mietrechts ermittelt.

Das Resultat erstaunt in vielerlei Hinsicht. Die bürgerlichen Parteien stimmten geschlossen gegen die Mieterinnen und Mieter. Die Grenze nach links verläuft scharf. «Ausreisser» gab es bei diesen Abstimmungen keine.

Die Haltung der FDP ist weniger verwunderlich als die der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP). Denn die CVP stellt in ihrer Wahlpropaganda die Familie ins Zentrum.

Auch die SVP, die Schweizerische Volkspartei, stimmte geschlossen gegen die Mieterinnen und Mieter.

Für Peter Macher, Sekretär beim Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband, liegen die Gründe für dieses Verhalten auf der Hand. «Die Lobby-Verbindungen der Hauseigentümerschaft, Investoren, Banken und Versicherungen sind übermächtig. Da wäscht eine Hand die andere und dadurch entsteht eine solche Übermacht.»

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich der Hauseigentümerverband: «In der Hypothekarzins-Frage zum Beispiel ziehen Banken und Vermieter nicht am gleichen Strick», sagt die juristische Mitarbeiterin Monika Sommer.

Eric Send

- Die Debatte und Voten können Sie nachlesen: www.parlament.ch/ab/frameset/d/index.htm



Ein Volk von Mietern: Warum?

Die Wohneigentumsquote ist in der Schweiz deutlich tiefer als in anderen europäischen Ländern.

Während bei uns 31,3 Prozent (Stand 1990) Eigentümer sind, sind es zum Beispiel in Norwegen 78 Prozent. Warum gibt es bei uns so viele Mieter? Die Hauptgründe sind laut Bundesamt für Wohnungswesen:

- Die Möglichkeit, Eigentumswohnungen zu erwerben, wurde bei uns erst 1965 eingeführt.

- In der Schweiz herrscht ein ungünstiges Verhältnis zwischen den Kosten des Eigentumserwerbs und dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen.

- Das Mietwohnungsangebot kann sich qualitativ mit jenem für Eigentumsobjekte messen.

- Ausländische Familien besitzen in unserem Land weniger Eigenheime - die Quote beträgt nur 11 Prozent.



Mietrechtsdebatte im Nationalrat: Sie alle stimmten gegen die Mieter!

Aargau:

Ehrler Melchior, CVP

Leuthard Doris, CVP

Zäch Guido, CVP

Egerszegi-Ob. Christine, FDP

Fischer Ulrich, FDP

Siegrist Ulrich, SVP

Mathys Hans Ulrich, SVP

Giezendanner Ulrich, SVP

Glur Walter, SVP

Speck Christian, SVP

Stamm Luzi, SVP


Appenzell Innerrhoden:

Loepfe Arthur, CVP


Appenzell Ausserrhoden:

Vallender Dorle, FDP

Freund Jakob, SVP


Bern:

Galli Remo, CVP

Waber Christian, EDU

Suter Marc, FDP

Bangerter Käthi, FDP

Schneider Johann, FDP

Triponez Pierre, FDP

Wasserfallen Kurt, FDP

Haller Ursula, SVP

Joder Rudolf, SVP

Oehrli Fritz Abraham, SVP

Schenk Simon, SVP

Schmied Walter, SVP

Seiler Hanspeter, SVP

Wandfluh Hansruedi, SVP

Weyeneth Hermann, SVP


Baselland:

Imhof Rudolf, CVP

Kurrus Paul, FDP

Baader Caspar, SVP


Basel-Stadt:

Randegger Johannes, FDP

Dunant Jean Henri, SVP


Freiburg:

Lauper Hubert, CVP

Meyer Thérèse, CVP

Glasson Jean-Paul, FDP


Graubünden:

Decurtins Walter, CVP

Bezzola Duri, FDP

Gadient Brigitta M., SVP

Hassler Hansjörg, SVP


Luzern:

Lustenberger Ruedi, CVP

Dormann Rosmarie, CVP

Estermann Heinrich, CVP

Leu Josef, CVP

Theiler Georges, FDP

Tschuppert Karl, FDP

Kunz Josef, SVP

Laubacher Otto, SVP


Nidwalden:

Engelberger Eduard, FDP


Obwalden:

Durrer Adalbert, CVP


St. Gallen:

Walker Félix, CVP

Meier-Schatz Lucrezia, CVP

Hess Walter, CVP

Widrig Hans Werner, CVP

Weigelt Peter, FDP

Wittenwiler Milli, FDP

Bigger Elmar, SVP

Brunner Toni, SVP

Pfister Theophil, SVP


Schaffhausen:

Bührer Gerold, FDP

Solothurn:

Heim Alex, CVP

Kofmel Peter, FDP

Steiner Rudolf, FDP

Borer Roland, SVP


Schwyz:

Eberhard Toni, CVP

Lalive d'Epinay Maya, FDP

Föhn Peter, SVP


Thurgau:

Raggenbass Hansueli, CVP

Messmer Werner, FDP

Baumann J. Alexander, SVP

Spuhler Peter, SVP

Walter Hansjörg, SVP


Uri:

Steinegger Franz, FDP


Wallis:

Mariétan Fernand, CVP

Chevrier Maurice, CVP

Cina Jean-Michel, CVP

Antille Charles-Albert, FDP


Zug:

Leutenegger Hajo, FDP

Scherer Marcel, SVP


Zürich:

Riklin Kathy, CVP

Zapfl Rosmarie, CVP

Müller Erich, FDP

Bosshard Walter, FDP

Gutzwiller Felix, FDP

Heberlein Trix, FDP

Hegetschweiler Rolf, FDP

Nabholz Lili, FDP

Fehr Lisbeth, SVP

Maurer Ueli, SVP

Binder Max, SVP

Blocher Christoph, SVP

Bortoluzzi Toni, SVP

Fehr Hans, SVP

Frey Walter, SVP

Kaufmann Hans, SVP

Keller Robert, SVP

Mörgeli Christoph, SVP

Schlüer Ulrich, SVP

Stahl Jürg, SVP


Stimm-Enthaltung: Donzé Walter, EVP, BE

Abwesend: Bader Elvira, CVP, SO; Gysin Hans Rudolf, FDP, BL

Namenliste: Es sind nur Nationalrätinnen und -räte aus den deutsch- und zweisprachigen Kantonen erfasst. Sie haben entweder beim Bundesbeschluss über die Volksinitiative «Ja zu fairen Mieten» vom 5. Dez. 2000 oder bei der Gesamtabstimmung «Obligationenrecht (Miete)» vom 11. Dez. 2000 gegen die Mieter gestimmt. Nationalrätinnen und -räte, die nicht in dieser Liste sind, stimmten in einem oder beiden Fällen für die Mieter. Der Zuger Peter Hess, CVP, durfte als Nationalratspräsident nicht stimmen.

01. Januar 2002


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