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Kann es sich ein Arzt leisten, seine Patienten nicht ernst zu nehmen? Eigentlich nicht. Und darf sich ein Spezialist für Neurologie lustig machen über die oft gravierende Problematik des Schleudertraumas? Nein.
Trotzdem fand es der Binninger Neurologe Otmar Meienberg nötig, in der Schweizerischen Ärztezeitung eine Breitseite abzufeuern gegen die Berichterstattung über diese Verletzungen der Halswirbelsäule (HWS). Er nennt die zahlreichen Medienberichte dazu einen «Modetrend» und «eine publikumswirksame Propaganda für selbst ernannte Spezialisten», und er bezeichnet zahlreiche Äusserungen zum Thema als «unwissenschaftliche Ansichten».
Professor Meienbergs Befürchtung: Die Berichte könnten Simulanten auf den Plan rufen, denn «Beschwerdebeschreibungen bis ins letzte Detail sind jederzeit leicht erhältlich».
Unbestritten ist: Unfallopfer mit HWS-Trauma haben oft einen schweren Stand. Ihre unsichtbaren Verletzungen lassen sich mit keiner ärztlichen Methode beweiskräftig bis ins letzte Detail diagnostizieren. HWS-Patienten sind deshalb auf verständnisvolle Ärzte und Gutachter angewiesen - auch wenn es darum geht, von den Versicherungen für ihre Kosten und ihr Leid entschädigt zu werden.
Doch gerade diese Entschädigungen sind Meienberg ein Dorn im Auge: HWS-Patienten «mit echten Beschwerden» würden diese «lieber loswerden als eine grosse finanzielle Abfindung zu bekommen», schreibt er.
Das mag seine Meinung sein. Bedenklich ist nur, dass Meienberg auch in einem Gremium sitzt, welches zuhanden der Invalidenversicherung HWS-Fälle begutachtet - und damit auch über Geld entscheidet.
Als Patient möchte ich einem solchen Gutachter lieber nicht begegnen.
20. September 2000
