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Artikel | saldo 19/2001

Interview - "Chauffeure können Überstunden-Auszahlung verlangen"

Kassensturz: Druck, Übermüdung, Überstunden. Warum arbeiten Chauffeure zu diesen Bedingungen?

Monika Friedrich: Ich staune immer wieder, wie stark sich die Chauffeure mit ihrer Firma identifizieren. Überstunden gehören einfach dazu, glauben viele. Ausserdem spüren Chauffeure den Druck des Chefs und haben Angst, die Stelle zu verlieren.

Vielen Fahrern werden die Überstunden nicht bezahlt. Müssen sie das akzeptieren?

Auf keinen Fall. Das Gesetz ist eindeutig: Überstunden sind nur begrenzt erlaubt und müssen in Form von Freizeit kompensiert oder ausbezahlt werden, und zwar mit einem Zuschlag von 25 Prozent. Es gibt allerdings Firmen, die in ihren Arbeitsverträgen die Auszahlung von Überstunden ausschliessen. Selbst wenn ein Chauffeur einen solchen Vertrag unterschrieben hat, kann er auf der Kompensation seiner Überstunden bestehen.


Können Überstunden nachträglich eingefordert werden?

Überstunden können noch fünf Jahre lang geltend gemacht werden. Es braucht aber Beweise, zum Beispiel ein Arbeitsbuch, die Stempelkarten oder den Fahrtenschreiber.


Doch genau bei den Fahrtenschreibern wird geschummelt.

Viele Chauffeure schalten den Fahrtenschreiber auf Pause, wenn sie abladen. Doch auch das ist Arbeitszeit. Sie betrügen sich damit selber.


Wie könnte die Situation verbessert werden?

Der Arbeitgeber müsste stärker gebüsst werden, wenn sein Chauffeur gegen das Gesetz verstösst. Heute bleibt die Strafe zum Grossteil am Chauffeur hängen. Das ist ungerecht.

21. November 2001


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