|
(0) |
Sonderlich angenehm sind Anstellungsgespräche meist nicht. Richtig unangenehm kann die letzte Frage werden - diejenige nach dem Lohn.
«Wie viel verdienen Sie an Ihrer jetzigen Stelle?» Diese Frage sparen sich viele Vorgesetzte und Personalchefs für den Schluss eines Vorstellungsgesprächs auf. Und Stellenbewerber bringt sie oft in Bedrängnis. Wenn Sie lügen, können Sie in Schwierigkeiten geraten. Wenn Sie die Wahrheit sagen, können Sie eine tüchtige Lohnerhöhung vergessen.
Weichen Sie deshalb der Frage aus. Aber nicht, indem Sie sagen: «Darüber möchte ich nicht sprechen.» Sondern: «Ich gehe davon aus, dass ich einen Lohn erhalten werde, der marktkonform ist und ins Lohngefüge der Firma passt.» Oder: «Ich könnte mir vorstellen, zunächst 65 000 bis 70 000 Franken pro Jahr zu verdienen.»
Und wenn der Arbeitgeber nachfragt? Dann weichen Sie halt noch einmal aus: «Mein jetziger Lohn entspricht nicht ganz den Anforderungen und der Verantwortung an der neuen Stelle.» Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, Ihren Gesprächspartner mit einer Frage abzulenken: «Haben Sie Kriterien für die Löhne?»
Wie aufs Lohngespräch müssen Sie sich natürlich auch auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten. Sie müssen Ihren Marktwert ermitteln und sich Ihrer Stärken und Schwächen bewusst sein. Sie müssen sich aber auch auf unerwartete Fragen vorbereiten wie: Warum wollen Sie Ihre derzeitige Stelle kündigen? Welche Schwächen haben Sie? Oder: Was ist Ihnen wichtiger, der Lohn oder die Arbeit?
Beantworten Sie alle Fragen möglichst ehrlich, ohne sich dabei in ein schlechtes Licht zu stellen.
Machen Sie sich während des Gesprächs ruhig Notizen. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas speziell interessiert oder wenn Sie etwas nicht ganz verstanden haben. Stellen Sie Fragen zum Betrieb. Zeigen Sie, dass Sie die Firma bereits einigermassen kennen.
Und dann kommt die Lohnfrage. Beachten Sie dabei die K-Spezial-Tipps:
- Beginnen Sie nicht von sich aus vom Lohn zu sprechen. Ihr Gesprächspartner weiss vielleicht noch nicht, ob er Sie anstellen will.
- Seien Sie nicht schüchtern. Mit einer Aussage wie «Ich hätte gerne 4500 Franken oder ein bisschen mehr» bringen Sie sich in eine schlechte Position.
Sagen Sie lieber: «65 000 bis 70 000 Franken Jahresgehalt müssten es schon sein.» So hat Ihr Gesprächspartner einen Spielraum. Wenn Sie exakt 67 000 Franken fordern, kann er seine Vorstellungen nicht einbringen.
- Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu wenig fordern.
- Normal ist, dass man etwa 10 Prozent mehr verlangt, als man an der alten Stelle erhält.
- Sprechen Sie immer vom Jahresbruttolohn. So kann es keine Missverständnisse darüber geben, ob sie 12, 13 oder gar 14 Gehälter zugut haben.
- Für Teilzeitler: Beim Lohngespräch ist in der Regel von einem 100-Prozent-Lohn die Rede. Natürlich erhalten Sie dann Ihrem Anstellungsgrad entsprechend weniger.
- Erkundigen Sie sich nach Lohn-Nebenleistungen: Zum Beispiel, ob die Firma das Generalabonnement oder Krankenkassenprämien übernimmt.
Lassen Sie sich jedoch von den angebotenen Boni nicht blenden. Ob Sie diese dann tatsächlich erhalten, ist in der Regel unklar.
- Seien Sie auf unangenehme Fragen vorbereitet: «Wie kommen Sie auf diese Zahlen?» «Glauben Sie wirklich, dass diese Zahlen realistisch sind?» «Sind Sie der Meinung, Sie seien auf dem Markt so viel wert?»
- Falls der angebotene Lohn Ihren Vorstellungen nicht entspricht, verlangen Sie am besten Bedenkzeit.
Marco Diener
BuchTipps
- Jürgen Hesse und Hans C. Schrader: «Mehr Geld durch erfolgreiche Gehaltsverhandlungen», Eichborn Verlag, Fr. 23.-
- Dieselben Autoren: «Wer was verdient. Und worauf es ankommt, wenn Sie Ihr Gehalt verhandeln», Piper Taschenbuch, Fr. 16.-
- Roger Rytz: «Bestselling, Leitfaden für Lohngespräche», WM Wirtschaftsmedien, Fr. 20.-
01. September 2001
