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Medosan versorgt die Bevölkerung flächendeckend mit unnötigen Fitnessprodukten, teuren Büchern und täuschenden Gewinnspielen.
Charles B. Schöbi wird ein wenig nervös. «Wo sind die Teilnahmebedingungen?», fragt der Verkaufsleiter der Medosan AG und durchsucht die Post, die Anita Gantenbein (Name geändert) von Medosan erhalten hat. Endlich findet er das leere Couvert, reisst es auf ... et voilà! Der Check, den Frau Gantenbein «als garantierte Preisgewinnerin» erhalten soll, sei unter Umständen halt kein Check, steht auf der Innenseite des Umschlags. Wenn nämlich mehr als 1000 Personen mitmachen, «kann der Preis in Form eines Einkaufsgutscheines vergütet werden», heisst es da im Versteckten.
Sogar den Direktor des Unternehmens gibts nicht wirklich
Auf die 50 000 Franken Hauptgewinn, die der Rentnerin versprochen wurden, kann sie lange warten. Die Gewinnchancen sind minim. Tatsächlich sind es bis zu 200 000 Empfänger, die jeweils mitspielen.
Als saldo mit «Medosan-Direktor Peter Huber» sprechen will, der den Brief an Frau Gantenbein unterschrieben hat, stellt sich heraus: Huber gibt es gar nicht. «Ein Pseudonym, das ist üblich in der Branche», erklärt Schöbi.
Neben der Direktwerbung mit Gewinnspielen setzt die Medosan AG auf Inserate in der Presse. In teils doppelseitigen Anzeigen verspricht Schöbi «19 Pfund weg in 2 Wochen», «5 cm mehr Brustumfang in weniger als einem Monat» oder wie man «in 34 Monaten zur Millionärin» wird.
Laut eigenen Angaben steckt Medosan pro Monat bis zu 400 000 Franken in Inserate - konzentriert auf Titel wie «Blick», «Coop-Zeitung» oder «Brückenbauer». Beim Migros-Blatt erregten die Inserate den Ärger der Leserschaft. Seit Mitte Oktober erscheinen keine Medosan-Anzeigen mehr im «Brückenbauer». «Wir verzichten im Interesse unserer Leserschaft», so Anzeigenleiter Josef Nietlisbach. Für Schöbi eine «unverständliche Reaktion».
«Solche Versandhändler operieren in einer Grauzone»
Demnächst befasst sich die Schweizerische Lauterkeitskommission mit den Medosan-Werbeversprechen. Anzeige erstattet hat Christian Chevrolet, Chefredaktor der welschen Konsumentenzeitschrift «Bon à Savoir». Begründung: Die Inserate seien «täuschend».
Ein Beispiel: Die Anzeige zum Buch «Der leichte Weg zum Reichtum» ist als Interview mit einer jungen Mutter aufgemacht, die «in nur 34 Monaten Millionärin» geworden sei. Aus den Erzählungen der frei erfundenen Frau mit dem frei erfundenen Interviewer, bestätigt mit einem Zitat eines frei erfundenen Buchhalters, geht nur eines klar hervor: Wer das Buch für Fr. 49.50 nicht bestellt, ist selber schuld.
Die irreführenden Versprechen sind vielen saldo-Lesern ein Dorn im Auge. «Dass man in der Schweiz die Leute so direkt anlügen darf, kann ich fast nicht glauben», staunt eine Ausländerin, die sich bei der saldo-Rechtsberatung erkundigte. Mark Meier, Präsident beim Verband des Versandhandels, distanziert sich von der Medosan-Praxis: «Sie operieren in einer Grauzone und schaden dem Image der Branche.»
Bund soll gegen unlautere Firmen vorgehen
Die Medosan AG im zürcherischen Schwerzenbach fusionierte im Frühjahr mit fünf Versandhäusern, die teilweise seit Jahren durch ähnliche Inserate auffielen: Die Palette reicht vom «Verlag für Wissenschaft und Medizin» über «Sana Casa» bis zum «Herz-Versand». Die Aktionäre blieben dieselben: Charles Schöbi und Erwin Steinmann halten das stattliche Aktienkapital von sechs Millionen Franken.
Einige Politiker wollen dem Treiben der unseriösen Versandhändler nicht mehr länger zusehen: Im März hat der Nationalrat den Bundesrat beauftragt, per Gesetz gegen solche Praktiken einzuschreiten.
Unterdessen kämpft saldo-Leser Hansjakob Lehmann aus Flamatt BE vor Bundesgericht für seinen 50 000-Franken-Gewinn, den ihm der Garantie-Versand versprochen hatte. Das Bezirksgericht Kreuzlingen sprach ihm das Geld zu, das Thurgauer Obergericht hob das Urteil jedoch auf. Der Garantie-Versand lässt sich vom Rorschacher Anwaltsbüro Dietsche vertreten, das auch die Medosan AG berät.
Mike Weibel
24. Oktober 2001
