|
(0) |
Der alte Besen sollte definitiv weg. Sabina M. setzte alle ihre Hoffnungen in den empfohlenen Coiffeur. Den heissen Tipp erhielt sie von der Freundin der Freundin einer Freundin: «Vogue» - so der viel versprechende Name des Ladens. Einziger Wermutstropfen: Eine Wartefrist von drei Monaten - was frau bei einem Starcoiffeur, der auch internationale Models frisiert, gerne in Kauf nimmt.
«Aber wenn es nur das gewesen wäre», stöhnte Sabina M. am Hotline-Telefon. Der Salon war schwierig zu finden, lag in einem Aussenquartier und in einem schäbigen Gebäude; unter der Haube sass keine Menschenseele, der Friseur war alles andere als mondän und ob ihrem Erscheinen etwas erstaunt. Aus Lang wurde langweiliges Mittellang und aus Schwarz wurde Wasserstoffgelb. Alles in allem: Ein neuer Besen ersetzte den alten. Zu trösten vermochte sie nicht einmal die Tatsache, dass sie an Stelle der prophezeiten 300 nur gerade mal 150 Franken auslegen musste.
Zu Hause angekommen, klingelte das Telefon. Es war der Starcoiffeur, der sich nach dem Verbleib einer gewissen Frau M. erkundigte, die er leider für das unentschuldigte Fernbleiben mit 150 Franken zu belasten habe. «Und wissen Sie, wo der Hund begraben lag?», fragte mich die Anruferin. «Vogue und En Vogue sind beliebte Firmennamen. Meine Freundin hat mir ganz einfach die falsche Adresse zur richtigen Telefonnummer gegeben.»
Ausser Spesen also nichts gewesen. Denn um die 150 Franken Ausfallhonorar wird Sabina M. in diesem Fall nicht herumkommen. «Nein, nicht ganz», deshalb rufe sie ja an. «Geben Sie doch Ihren Leserinnen meine Erkenntnis weiter, sich nicht blindlings auf gute Tipps von Freundinnen zu verlassen.»
26. September 2001
