SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | saldo 12/2001

Fein empfunden

Es gibt Menschen, die schon wegen geringfügiger Händel gänzlich aus dem Häuschen geraten. Die Titel, mit denen sie in der Folge ihre Gegenpartei beehren, umfassen nicht selten den Viehbestand eines behäbigen Bauernhofes. Das ist natürlich nicht schön.

Andere wiederum sind sensibler, empfinden schon ein deutliches Wort als verletzend und ziehen es vor, über wattierte Phrasen aneinander vorbeizureden. Auch das geht nicht immer gut.

In einer Wohngemeinschaft zum Beispiel, in der es trotz professioneller Konfliktbewältigungs-Strategien nicht mehr so recht geigte, versuchte eine Vermieterin, ihren teamunfähigen Mitbewohner - offenbar ein Macho - einfühlsam aus der Wohnung hinauszukomplimentieren:

«Detlef!», schrieb sie, «spürst du eigentlich, dass deine Schwingungen nicht mehr zu Tamara und mir herüberkommen? Wir haben hart daran gearbeitet, deine negativen Vibrations aufzufangen und kreativ umzuwandeln. Leider hast du die Chance nicht genutzt und hast mental abgeblockt. Nun sei bitte so lieb und lasse deine Energie nicht länger in unsern Räumen fliessen ...», und so weiter (Name der Sensibilität zuliebe geändert).

Schön gesagt. Doch den blumigen Worten mangelte es offenbar an Kraft und Klarheit - und vor allem fehlte das richtige Kündigungsformular. Detlef jedenfalls hockt weiterhin in der WG - unbeeindruckt, faul und breit wie ein junger Kuckuck im fremden Nest.

Ich bin grundsätzlich gegen Grobheiten. Aber schrötige Leute verstehen am besten eine schrötige Sprache. Ich würde mich hier kurz fassen: «Uns reichts. Die gültige Kündigung folgt morgen eingeschrieben mit amtlichem Formular.»

Zugegeben, das klingt nicht sehr sensibel. Aber es wirkt.

Hans Ruedi Schmid

20. Juni 2001


Beitrag als PDF
Fein empfunden
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Lebensmittel
Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Arbeitsrecht: Was Angestellte wissen müssen
Arbeitsrecht: Was Angestellte wissen müssen
Von der Bewerbung bis zum Arbeitszeugnis

Detail-Infos
Buchshop
 
Alle Testsieger im Handy
Alle Testsieger im Handy
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Verwandte Artikel
Wegen sexueller Belästigung fristlos gekündigt Schönreden einer Anlage für die eigene Provision Der Chef darf vieles - aber nicht alles
Testsieger
Testsieger
Die besten Produkte aus unseren Tests auf einen Blick.
Aktuelle Beratungstexte
Darf mein Chef alle Spinde öffnen? Hafte ich nach dem Auszug? Werden auch Einkäufe in die Pensionskasse geteilt? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Warmluft-Stylingbürsten Fleckenmittel ­Bad­reiniger Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
09.02.2012, 21:06 | 6 AntwortenHilcom Computer Onlinehandel--) andere Geschädigte gesucht!!! 09.02.2012, 16:31 | 11 AntwortenSVAG Schweizer Vermögensberatung seriös? 09.02.2012, 15:52 | 182 AntwortenUnglaublich: Die Business Academy heisst neu auch Eternicom! 09.02.2012, 14:46 | 6 AntwortenFirma liefert/reagiert nicht. Was tun?
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Gesund und aktiv bleiben, das Leben im Ruhestand geniessen. (1. Auflage 2011)
Benutzer-Favoriten