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Artikel | saldo 11/2001

Note «genügend» für den teuersten Tampon

Die Auswahl an Damenbinden und Tampons ist gross. Doch ein Test zeigt: Nicht alle Produkte für die Monatshygiene sind zu empfehlen.

Ob Slipeinlagen, Binden, Tampons und alternative Produkte wie Vaginalschwämmchen oder wiederverwendbare Tampons aus Kautschuk: Bei der Monatshygiene für die Tage hat frau die Qual der Wahl. Die Schweizerinnen verwenden vor allem Binden (43 Prozent), Slipeinlagen (31 Prozent) und Tampons (26 Prozent). Laut dem IHA Institut für Marktanalysen AG gaben die Frauen in der Schweiz letztes Jahr über 120 Millionen Franken für Monatshygieneprodukte aus.

saldo sowie die Sendungen Kassensturz und A Bon Entendeur wollten wissen, wie gut die Qualität der Produkte ist, und liessen sieben Tampons in Normalgrösse und sechs ultradünne Damenbinden im Labor testen. Fazit: Der Grossteil der Binden schneidet gut ab. Zwei Tampons zeigten im Qualitätstest jedoch Mängel.


Tampons kamen erst vor 50 Jahren auf den Markt

Noch vor wenigen Generationen mussten sich die Frauen während ihrer Tage mit Stoffbinden, Bindengürteln und -höschen behelfen. Im letzten Jahrhundert war die Entwicklung bei den Monatshygieneprodukten revolutionär. In den 20er-Jahren kamen erstmals Einwegbinden auf den Markt. Und vor fünfzig Jahren wurden in Deutschland die ersten Tampons verkauft. Heute ist das «kleine Stückchen Freiheit» aus dem Leben vieler Frauen nicht mehr wegzudenken.

Bei richtiger Anwendung gelten Tampons als sicher. Dennoch ist auf allen Packungen ein kleingedruckter Hinweis auf das Toxische Schocksyndrom (TSS) zu lesen. Beim TSS handelt es sich um eine Staphylokokken-Infektion. Nur bei ganz wenigen Frauen kommen diese Staphylokokken in der Vagina vor, und in seltenen Fällen bilden sie Giftstoffe. Während der Menstruation und bei lange liegen bleibenden Tampons können sich diese Bakterien stark vermehren und eine Infektion auslösen.

Wird TSS nicht rechtzeitig erkannt, kann das zu einem Versagen mehrerer Organe und zum Tod führen.


Nur sehr wenige Frauen sind TSS-gefährdet

In den 80er-Jahren waren in den USA Tampons mit Kunststofffasern auf dem Markt. Diese hatten eine grosse Saugkraft weshalb sie übermässig lange benutzt wurden. Nachdem die Herstellerfirma Procter & Gamble das Produkt vom Markt zog, nahm die Zahl der TSS-Fälle um über die Hälfte ab.

Laut Beate Schnarwyler, der leitenden Ärztin der Maternité Inselhof Triemli in Zürich, sind nur ganz wenige Frauen TSS-gefährdet: «In Deutschland wird die Erkrankungshäufigkeit mit 1:100 000 Frauen angegeben. Pro Jahr werden dort nur zwei bis drei Fälle beschrieben. Auch in der Schweiz gibt es wenige Frauen mit menstruellem Toxic-Schock-Syndrom. Mir ist ein Fall bekannt. Aber genaue Zahlen gibt es nicht, weil es keine meldepflichtige Krankheit ist.»

Leiden Frauen während der Periode an Fieber über 39 Grad, an Blutdruckabfall und an einem Scharlachähnlichem Hautausschlag, könnte es sich um die Symptome von TSS handeln. Behandelt wird mit Antibiotika.

Beate Schnarwyler empfiehlt, Tampons alle vier bis acht Stunden zu wechseln und je nach Blutungsstärke verschiedene Grössen zu benützen. «Der Tampon sollte auch nicht häufiger als alle drei bis vier Stunden gewechselt werden, weil sonst die Scheide übermässig austrocknet und ein häufiger Wechsel kleinste Verletzungen verursachen kann», erklärt sie.

Im Test schnitt der Molfina-Tampon ohne Applikator der Migros «sehr gut» ab. Er verliert keine Fasern und ist gut dimensioniert. Einen Kritikpunkt gibt es allerdings: Die Saugfähigkeit des Tampons ist höher als auf der Packung deklariert.

Das entspricht nicht der Norm, auf die sich die Vereinigung der europäischen Tampon-Hersteller geeinigt hat: Ein Tropfen steht für 6 Gramm Aufnahmefähigkeit, zwei Tropfen für 6 bis 9 Gramm, drei Tropfen für 9 bis 12 Gramm. Die Skala reicht bis zu sechs Tropfen, welche 21 Gramm entsprechen.

Beim Molfina-Tampon sind nur zwei Tropfen auf der Packung aufgedruckt, die im Testlabor gemessene Saugstärke entspricht allerdings vier Tropfen. «Wir zeigen nur zwei Tropfen auf der Packung für die Sicherheit der Kundin, damit sie auch regelmässig die Tampons wechselt», erklärt Gabriela Luternauer, Product Managerin Papier/ Hygiene bei der Migros. Kürzlich hätten sich die europäischen Tampon-Hersteller jedoch darauf geeinigt, die Normal-Tampons mit drei Tropfen auszuzeichnen, deshalb werde auch Migros ab September die Deklaration auf drei Tropfen ändern.


Häufig falsche oder fehlende Angaben über Saugfähigkeit

Beim Tampon Claretta von Denner - er erhielt das Testresultat «gut» - fehlen jegliche Angaben über die Saugstärke auf der Packung. Auch der teure o.b.-Tampon ohne Applikator erhielt die Note «gut». Er verliert keine Fasern, und sein Rückholschnürchen hält gut. Sein Schwachpunkt: Er dehnt sich nach Gebrauch übermässig aus. Zudem müssten auf der Packung ebenfalls vier statt nur zwei Tropfen aufgedruckt sein.

Bei allen drei Tampons ohne Applikator ist die Saugstärke nicht richtig deklariert. Armelle Davy-Bevilacqua, Biologin beim Testlabor ATS: «Die Saugfähigkeit ist grösser als angegeben. Ein Tampon sollte aber nicht mehr Flüssigkeit aufnehmen, als für die zu erwartende Regelstärke notwendig ist.»

Bei den Applikator-Tampons schnitt Tampax Regular am besten ab. Die Saugfähigkeit ist richtig deklariert und der Tampon ist gut dimensioniert. Auch die Applikatorspitze ist gut konstruiert.

Das ist beim Molfina-Applikator-Tampon von der Migros nicht der Fall. Armelle Davy-Bevilacqua erklärt: «Die Applikator-Spitze hat die Form eines Blütenblattes und reicht nicht genügend hoch. Beim Einführen können sich die Spitzen umstülpen, und die Möglichkeit einer Verletzung besteht.» Migros hat das Problem erkannt und will ab Herbst ein besseres Produkt auf den Markt bringen. Gabriela Luternauer: «Wir haben die Spitze verkleinert, damit wir keine Verletzungsgefahren mehr haben.»


Nur «genügende» Noten für den teuren Tampax Compak

Der teuerste Tampon im Test, Tampax Compak, erhielt die Note «genügend». Sein Applikator besteht aus umweltschädlichem Kunststoff, und das Rückholschnürchen ist etwas kurz. Weil der Tampon sehr klein ist, ist die Saugfähigkeit auch geringer.

Ungenügend schnitt der o.b.-Applikator-Tampon ab. Er ist verglichen mit anderen Normal-Tampons zu gross. Unvorteilhaft ist laut Testlabor auch, dass o.b. für die Tampons mit und ohne Applikatoren dieselbe Technologie verwendet. Armelle Davy-Bevilacqua: «Ein Tampon mit Applikator wird tiefer in die Vagina eingeführt als einer ohne. Deshalb ist es wichtig, dass er sich in die Länge ausdehnt. Dehnt er sich in die Breite aus, kann das beim Zurückziehen zu Schmerzen oder gar Verletzungen führen.»

Die Herstellerfirma des o.b.-Tampons will diese Kritik nicht gelten lassen. «Die Einführtiefe von Tampons, die mit dem Finger eingeführt werden, ist identisch mit der Einführtiefe eines Applikator-Tampons. Der Vorteil des Applikator-Tampons ist gerade seine radiale Expansion. Damit ist gewährleistet, dass der Tampon weder in dem weiter oben gelegenen Bereich des empfindlichen Muttermundes noch im unteren sensibleren Scheidendrittel, wo er zu spüren ist, zu liegen kommt», erklärt Berenike Schenkel von Johnson & Johnson.

Die meisten Frauen verwenden während der Tage noch immer Slipeinlagen und Binden. In den letzten Jahren konnte ein Trend zu immer dünneren Binden festgestellt werden. Im Test vertreten sind deshalb sechs ultradünne Damenbinden.


Damenbinden: Claretta von Denner am günstigsten

Von einer Binde erwarten die Frauen vor allem, dass sie die Feuchtigkeit gut aufnimmt, nicht zurücknässt und bequem zu tragen ist. Dies sind denn auch die wesentlichen Testkriterien. Fünf der sechs getesteten Binden erfüllen diese Anforderungen. Einzig Camelia erhielt lediglich die Note «genügend». Dies, weil sie weniger Flüssigkeit absorbiert und auch punkto Rücknässung nicht über alle Zweifel erhaben ist.

Claretta von Denner ist mit 15 Rappen die günstigste Binde im Test. Ihre Vorteile: gute Saugfähigkeit, guter Halt und textile Oberfläche.

Neben Claretta hat auch Camelia ein textiles Oberflächenvlies. Die anderen Binden im Test haben alle eine Kunststoffoberfläche. Diese biete weniger Tragkomfort, so Armella Davy-Bevilacqua: «Die Kunststoffoberflächen sind eher verschlossen. Das bedeutet, dass man schneller schwitzt, während die textile Oberfläche mehr atmet.»

Drei der Binden sind in einem Clean Pack verpackt. Bei Claretta, Always und Helen Harper befindet sich der Klebstreifen direkt auf der Verpackung, sie kommen ohne zusätzlichen Papierstreifen aus. Die Umwelt wirds danken: Denn allein in der Schweiz werden pro Jahr über 600 Millionen Binden verwendet.

Jeannette Büchel



Labor - Nach diesen Kriterien wurde getestet

Kassensturz, das Partnermagazin saldo und die Sendung A Bon Entendeur haben sieben normalgrosse Tampons sowie sechs ultradünne Damenbinden ins Labor geschickt. Das spezialisierte Labor ATS in Aix-en-Provence (Frankreich) untersuchte, wie es um die Qualität der Hygieneprodukte bestellt ist.

Die Testkriterien bei den Tampons:

- Saugfähigkeit: Unter realitätsnahen Druckverhältnissen stellte das Labor fest, wie viel Flüssigkeit ein Tampon aufnehmen kann. Geprüft wurde auch, ob sich der Tampon anatomisch richtig ausdehnt.

- Sicherheit: Getestet wurde, ob die Tampons beim Gebrauch keine Fasern verlieren und ob sie mit einer Schutzhülle versehen sind. Wenn sich von einem Tampon Fasern ablösen, kann es zu Infektionen kommen. Das Labor prüfte auch, wie gut das Rückholschnürchen im trockenen wie auch im nassen Zustand hält.

- Komfort: Anhand von Grösse und Gewicht wurde festgestellt, ob die Dimension der Tampons anatomisch richtig ist und den Angaben auf der Packung entspricht.


Die Testkriterien bei den Binden:

- Saugfähigkeit: In drei realitätsnahen Situationen hat das Labor untersucht, wie viel Flüssigkeit eine Binde aufnehmen kann: beim Stehen, Sitzen und während der Nacht. Getestet wurde auch, ob die Flüssigkeit im Innern der Binde bleibt oder ob sie an die Oberfläche dringt.

- Praktische Eigenschaften: Das Labor prüfte, ob die Binden seitliche Flügelchen (garantieren einen guten Halt) haben und ob sie einzeln verpackt sind. Die Art des Klebstreifens besagt, wie gut die Binde hält, wie einfach sie sich wieder e ntfernen lässt und ob die Unterwäsche durch den Leim Schaden nehmen kann.

- Komfort: Ermittelt hat das Labor Grösse und Gewicht der Binden. Wichtig für den Tragkomfort ist auch die Beschaffenheit der Oberfläche: Textile Oberflächen fühlen sich angenehmer an als jene aus Kunststoff.

06. Juni 2001


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