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Der VCS hat die umweltrelevanten Daten von über 500 PW-Modellen miteinander verglichen. saldo zeigt die zehn Besten in jeder Kategorie.
Die Autohersteller werben in Hochglanz-Inseraten und TV-Spots meist nur mit PS und Spurtstärke, Emotionen und Fahrgefühl. Ein Grund für den Verkehrsclub der Schweiz (VCS), die Autos genauer unter die Lupe zu nehmen. Fazit: Die neue VCS-Umweltliste bietet eine ganzheitliche Betrachtung des Autos. Für die Konsumenten ist das praktisch. Beim Kauf eines Neuwagens kann der Umweltschutzaspekt mit Hilfe der Liste problemlos mitberücksichtigt werden.
Was auffällt: Noch immer gibt es kein echtes Öko-Auto auf dem Markt. Schlimmer noch: Auf breiter Front verzichten die Autohersteller aus Kostengründen auf verschiedene, heute bereits zur Verfügung stehende Technologien. Zum Beispiel Partikelfilter für Dieselautos. Solche kommen bis heute jedoch einzig im rund 55 000 Franken teuren Peugeot 607 HDI zum Einsatz.
VW und Audi haben die Nase ganz vorn
Immerhin gibt es einige wenige Hersteller, die serienmässig umweltfreundliche Modelle anbieten. So die deutsche VW-Gruppe. Deren Modell VW Lupo 1.2 TDI 3L und Audi A2 1.2 TDI «3L» wurden mit grossem Vorsprung Gesamtsieger.
Erfreuliche Fortschritte machten die Produzenten im Bau von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb. Bestes Beispiel ist der Toyota Prius 1.4 Hybrid Aut.2. Er erreichte in seiner Klasse hinter dem Audi A2 den zweiten Platz. Bei diesem Antriebskonzept arbeiten je ein Verbrennungs- und ein Elektromotor zusammen. Bei tiefen Geschwindigkeiten fährt das Auto elektrisch, wird mehr Leistung gefordert, schaltet sich automatisch der Verbrennungsmotor zu. Nachteil: der hohe Preis von 36 700 Franken.
Bedauerlich ist, dass umweltbewusste Automobilisten in der Schweiz einige der saubersten Autos gar nicht kaufen können. Wie den Honda Insight Hybrid. Das gegenwärtig umweltfreundlichste Auto der Welt würde in der VCS-Umweltliste sagenhafte 91,4 Punkte erreichen - also wesentlich mehr als die jetzigen Sieger VW Lupo und Audi A2 mit 78,8. Wer den Zweiplätzer trotzdem erstehen möchte, muss ihn direkt aus den USA importieren. Und erst noch den stolzen Betrag von 57 000 Franken hinblättern.
Mit dem Yaris 1.0 linea eco brachte Toyota den derzeit verbrauchsärmsten fünfplätzigen Benziner auf den europäischen Markt. Mit 5 Litern fährt der Kleine 100 Kilometer weit. Doch auch ihn gibts in der Schweiz nicht zu kaufen. Mit 77,1 Punkten würde auch er in seiner Kategorie den Sprung aufs Podest schaffen: Rang 3 hinter VW Lupo und Audi A2.
Doch das scheint kein Grund für Toyota zu sein, diesen sauberen Flitzer seiner Schweizer Kundschaft anzubieten. Mit solch einem Gefährt werde die Modellpalette für die Kundschaft zu unübersichtlich, lässt der Schweizer Importeur verlauten. Weiter ist er der Überzeugung, dass für solche Fahrzeuge in der Schweiz zu wenig Interesse bestehe.
ETH-Benzinmotor: Drei Liter pro 100 Kilometer
Obwohl die Autoproduktion in der Schweiz eine geringe Rolle spielt, sind Schweizer Forscher bei der Entwicklung von neuen Technologien an vorderster Front mit dabei. Der allerneuste Coup: Professor Lino Guzella und sein Team vom Institut für Mess- und Regeltechnik der ETH Zürich untersuchen zusammen mit der Firma Swissauto-Wenko in Burgdorf sowie Forschungszentren in Süddeutschland brachliegende Sparmöglichkeiten bei Benzinmotoren.
Die Hightech-Tüftler haben einen Motor konstruiert, der lediglich drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Ein sensationeller Wert. Die Forscher haben sich darauf konzent riert, den Wirkungsgrad des Motors zu verbessern. Den maximalen Wert von etwa 35 Prozent erreicht ein Benzinmotor nur, wenn er mit maximaler Leistung arbeitet. Die meiste Zeit wird ein Automotor hingegen mit reduzierter Leistung betrieben, wodurch der Wirkungsgrad auf 15 Prozent sinkt.
Hohe Leistung bei halb so grossem Hubraum
Der Clou: Um den Wirkungsgrad im Normalbetrieb zu steigern, haben die ETH-Forscher den Hubraum des Motors um die Hälfte verkleinert. Damit sinkt der Verbrauch, leider aber auch die Höchstleistung des Motors. Ein Auto, das nicht eine übliche Beschleunigung aufweist, würde aber von niemandem gekauft. So lösten die Forscher auch dieses Problem: In einem Druckwellenlader wird die Ansaugluft verdichtet. Dem kleinen, nur gerade 50 Kilogramm schweren Motor gelingt es mit dieser Hightech-Entwicklung, Höchstleistung gezielt bereitzustellen, wenn sie wirklich gebraucht wird. Das Problem: Noch gibt es diesen Motor erst im Labor.
Weiter fortgeschritten ist die Brennstoffzellen-Technik. Fachleute sind überzeugt, dass sie in ein paar Jahren serienreif sein wird. Erst vor wenigen Tagen war der Opel Zafira Hydrogen 1 als erstes Brennstoffzellen-Auto 24 Stunden nonstop unterwegs. Das beweist: Brennstoffzellen-Autos halten bereits heute Dauerbelastungen aus.
Brennstoffzellen: Infrastruktur zur Betankung fehlt
Diese Antriebsart gilt bei den Autobauern als Antrieb für die Zukunft. GM und Opel wie auch Mercedes und Toyota wollen im Jahr 2004 das erste Brennstoffmodell auf den Markt bringen. Die Funktionsweise: Brennstoffzellen wandeln Wasserstoff in elektrischen Strom um. Dieser treibt einen Elektromotor an.
Leider ist die Entwicklung zur Serienreife extrem teuer, weshalb solche Autos heute noch nicht auf unseren Strassen zu sehen sind. Auch fehlt die Infrastruktur zur Herstellung und Betankung mit Wasserstoff. Vorerst wird dieser aus fossilen Energien - zum Beispiel Benzin oder Methanol - direkt im Auto mit einem Reformer hergestellt. Das hat einen grossen Nachteil: Beim Vorgang entsteht Kohlendioxid - jedoch in geringeren Mengen als bei einem Verbrennungsmotor.
Kurt Egli, Max Fischer
VCS-Umweltliste - Die Daten aller 500 Autos
- saldo-Leserinnen und -Leser können die komplette VCS-Umweltliste mit 500 Autos vom Kleinwagen bis zum Van zum Spezialpreis von 7 Franken beim VCS unter Tel. 031 328 82 41 oder per E-Mail dok@vcs-ate.ch bestellen. VCS-Mitglieder erhalten die Umweltliste gratis mit der Zeitschrift «Leonardo».
- Weitere Möglichkeit im Internet: www.topten.ch anklicken. Dort sind die 10 besten Modelle je Kategorie der VCS-Umweltliste ebenfalls abrufbar.
Hersteller: Grosse Worte - kleine Taten
Am 15. Mai präsentierte die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure (VSAI) eine Studie, die zeigen sollte, wie hoch das Sparpotenzial beim Treibstoffverbrauch ist. Nachdem die VSAI die Studie selbst in Auftrag gegeben hatte, fielen die Resultate entsprechend positiv aus.
Interessanter als die PR-Studie sind jedoch die Daten, die die VSAI vor rund einem Monat veröffentlicht hat: die aktuellen Verbrauchszahlen für Personenwagen. Seit 1996 haben die neu zugelassenen Autos im Schnitt sechs Prozent weniger Treibstoff verbraucht. Doch das ist immer noch viel zu viel: Gemäss Vorgaben der Energieverordnung sollte die Reduktion derzeit bei 12 Prozent liegen, bis Ende 2001 gar bei 15 Prozent. Dieses Ziel werden die Importeure weit verfehlen.
Doch das kümmert die Firmen wenig. Denn die Energieverordnung kennt keine Sanktionen. Der Bund hat also nichts in der Hand, um die Autobranche zur Räson zu bringen. So wurstelt die Industrie nach Gutdünken vor sich hin.
Zum Beispiel fördern die Automobilkonzerne den Absatz von Dieselfahrzeugen. So lässt sich auf die Schnelle noch die grösste Reduktion erreichen. Ein Dieselmotor verbraucht bei gleicher Leistung weniger Treibstoff als ein Benzinmotor. Je mehr Dieselfahrzeuge die Importeure absetzen, desto tiefer liegt der Verbrauchswert der Neuwagen.
Doch die Dieselstrategie hat ihre Tücken. Wer einen Liter Diesel verbrennt, erzeugt damit 12 Prozent mehr Kohlendioxid als bei der Verbrennung von Benzin. Zudem zeigen neueste Studien, dass die kleinen Russteilchen, die ein Dieselmotor ausstösst, die Atmosphäre aufheizen. Diese beiden Effekte machen den besseren Wirkungsgrad von Dieselmotoren beinahe wieder zunichte.
Auch aus gesundheitspolitischer Sicht ist die Dieselstrategie ein Fehler. Die Russpartikel finden ihren Weg bis in die Verästelungen der Lunge. Sie verursachen Asthmaanfälle und akute Bronchitis. Studien haben aufgezeigt, dass infolge der Luftverschmutzung in der Schweiz jährlich 4000 bis 5000 Menschen hospitalisiert werden müssen.
Die SVP präsentierte im April ein Positionspapier zur Klimapolitik. Darin forderte die Partei, dass der Bund die Steuern auf Diesel senken sollte. Als Begründung führen die Autoren an, Dieselfahrzeuge «emittieren 25 Prozent weniger CO2» als Autos mit Benzinmotoren. Diese Aussage ist unhaltbar. Dieselmotoren verbrauchen zwar bei gleicher Leistung 20 bis 25 Prozent weniger Treibstoff als Benzinmotoren. Pro Liter Treibstoff entstehen aber 12 Prozent mehr CO2. Zusätzlich heizt Dieselruss dem Klima ein.
Wenn die SVP den Diesel steuerlich entlasten möchte, so nützt dies dem Klima herzlich wenig. Profitieren würden allerdings zahlreiche Fuhrunternehmer, die günstiger Diesel tanken und so ihre Rendite erhöhen könnten.
Reto Gerber
23. Mai 2001
