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Das Problem ist ein altes, und noch immer l?st es bei den Betroffenen Ratlosigkeit aus. Die Rede ist von Impotenz. Ein neues Medikament wird getestet, auch am Unispital Z?rich.
Paul S. (Name der Redaktion bekannt) f?hrte jahrelang ein zufriedenstellendes Sexualleben. Bis dann, kurz bevor er 50 wurde, einfach nichts mehr ging. Paul S. litt furchtbar darunter: «Ich hatte das Gef?hl, kein rechter Mann mehr zu sein.» In der Folge beschaffte er sich alles, von dem er dachte, dass es eine positive Wirkung haben k?nnte: Abwechslungsweise probierte er Salben, Tabletten und die Vakuumpumpe aus – doch der Erfolg blieb aus.
Noch vor 20 Jahren war die Meinung zu einem solchen Fall klar. Nicht nur bei Laien, sondern auch unter Medizinern galt damals: Impotenz ist in erster Linie psychisch bedingt. Dementsprechend wurden Betroffene gleich reihenweise in die Psychotherapie geschickt. Im Laufe der folgenden Jahre brachten Gef?ssuntersuchungen jedoch anderes an den Tag: n?mlich, dass es sehr viele organisch bedingte Erektionsst?rungen gibt.
Ammenm?rchen halten sich hartn?ckig
Trotzdem geistern in den K?pfen der M?nner noch immer unglaubliche Vorstellungen herum: In einer 1998 durchgef?hrten internationalen Meinungsumfrage schoben die Befragten die Schuld f?r Impotenz haupts?chlich dem Stress, dem Alkohol, der M?digkeit und dem Alter zu. Ein Viertel der M?nner behauptete gar, Impotenz habe mit der mangelnden Attraktivit?t der Bettgenossinnen zu tun. Die Schweizer wurden zwar nicht miteinbezogen, ?usserten sich aber in einer separaten Umfrage ?hnlich: Stress am Arbeitsplatz und Partnerprobleme waren in ihren Augen die haupts?chlichen Gr?nde f?r Erektionsst?rungen; den Frauen lasteten sie zu wenig Reize an.
Die Realit?t sieht indessen v?llig anders aus: 80 Prozent aller Erektionsst?rungen haben organische Gr?nde. Diese decken ein breites Spektrum ab: Sie reichen von den Folgen chirurgischer Eingriffe bis zu Auswirkungen von Krankheiten wie Diabetes. F?r die Betroffenen jedoch ist das Wissen um die Gr?nde oft ein kleiner Trost: Sie leiden unter ihrer Impotenz, sch?men sich sogar h?ufig daf?r – und versuchen mit allen Mitteln, davon loszukommen.
Von der Vakuumpumpe bis zur Penisprothese
Aus diesem Grund wurden im Laufe der Jahre die verschiedensten Verfahren entwickelt, um dem ?bel zu Leibe zu r?cken. Zum Beispiel die Vakuumpumpe: Sie zielt darauf ab, das Blut im Penis am Zur?ckfliessen zu hindern. Seit Mitte der 80er-Jahre hat sich zudem eine Methode etabliert, bei der sich der Patient selber ein Pr?parat in den Schwellk?rper einspritzt. Und nicht zuletzt wurden Penisprothesen entwickelt – doch sie werden, weil sie in einer Operation eingesetzt werden m?ssen und es kein Zur?ck mehr gibt, nur empfohlen, wenn alle andern Behandlungen nichts gebracht haben.
Als schliesslich mit Viagra das erste Medikament in Tablettenform auf den Markt kam, horchten die betroffenen M?nner auf. Das war auch bei Paul S. nicht anders: Er glaubte, die L?sung des Problems endlich gefunden zu haben – bis ihn die Nebenwirkungen, Herzklopfen und Hitzestau im Kopf, immer mehr zu st?ren anfingen. Als er h?rte, dass das Unispital Z?rich Freiwillige suchte, um ein neues Medikament zu testen, meldete er sich.
Apomorphin wirkt auf das zentrale Nervensystem
Das neue Mittel wird in der Schweiz von zwei Herstellern unter dem Namen Ixense respektive Uprima lanciert. Es basiert auf Apomorphin, das anders als Viagra nicht den Schwellk?rper im Penis aktiviert, sondern auf das Sexualzentrum im Gehirn wirkt. In Amerika wurde der Stoff bereits in einem Grossversuch getestet; die Erfolgsquote lag dort bei fast 60 Prozent, wobei als Nebenwirkung ?belkeit auftrat, und zwar umso h?ufiger, je h?her die Dosierung lag.
In Europa wurden k?rzlich ebenfalls Studien durchgef?hrt; Ziel war unter anderem, herauszufinden, ob die Nebenwirkungen mit einer kleineren Anfangsdosis geringer sind.
Die Resultate der Studien stehen im Moment noch aus. Stefan Suter, der an der Urologischen Klinik im Z?rcher Unispital 25 Testpersonen betreute, hat jedoch nur «sehr wenige» Personen ?ber ?belkeit klagen h?ren. Zudem hat er die Erfahrung gemacht, dass rund die H?lfte aller Personen gut auf das Medikament angesprochen hat. Paul S. ist einer von ihnen: Er versp?rt absolut keine Nebenwirkungen – und «es wirkt super gut».
Im Moment l?uft bei der Interkantonalen Kontrollstelle f?r Heilmittel das Zulassungsverfahren. Die Pharmahersteller rechnen damit, dass Ixense und Uprima Anfang 2002 in der Schweiz auf den Markt kommen. Die Aussicht darauf, dass bald ein weiteres Medikament gegen Potenzst?rungen erh?ltlich ist, freut Suter: «So kann ich meinen Patienten eine individuelle Behandlung anbieten.»
Bernadette Scherer
Erektionsst?rung - Potenzkiller vermeiden
Alles, was schlecht ist f?r Herz und Kreislauf, schadet auch der Potenz. Denn wer unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und hohem Cholesterinspiegel leidet, hat ein erh?htes Risiko f?r Erektionsst?rungen.
Darum gilt es, all das zu meiden, was als Ausl?ser in Frage kommt. Dazu geh?rt Alkohol im ?bermass, fettes Essen und Zigarettenrauchen.
Der Potenz abtr?glich sind aber auch Drogen – und Medikamente: Fast alle k?nnen grunds?tzlich Erektionsst?rungen verursachen. Vor allem sind es aber Herz-Kreislauf-Medikamente sowie Psychopharmaka. Bei M?nnern, die sonst schon unter Erektionsst?rungen leiden, k?nnen sie das ?bel verst?rken.
25. April 2001
