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Multiple Sklerose: Die Nervenkrankheit ist zwar chronisch, aber l?ngst nicht alle Patienten werden schwerbehindert.
Schwerbehindert, abh?ngig, kein lebenswertes Leben mehr, IV-Rente statt Karriere, Pflege statt Familie: Der 35-j?hrige Philipp Strebel (Name ge?ndert), denkt an Selbstmord. Nach Schwindelanf?llen und Sehst?rungen, die er der ?berarbeitung zugeschrieben hat, wird er mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS) konfrontiert. Ein Schock bef?llt ihn – und tiefe Depression.
Was es wirklich heisst, an MS erkrankt zu sein, wie sein Leben weitergehen wird, welche Therapiem?glichkeiten es gibt, weiss Strebel zu diesem Zeitpunkt nicht. Mit Kortison gegen die Nervenentz?ndung abgespeist, f?hlt er sich alleine gelassen. Und ?berfordert, mit der Diagnose umzugehen.
Frauen h?ufiger von MS betroffen als M?nner
In der Schweiz leiden rund 10 000 Menschen an der Nervenkrankheit, eher junge Erwachsene (20 bis 40 Jahre), und Frauen fast doppelt so h?ufig wie M?nner. Bei MS treten an verschiedenen Stellen im Hirn, im R?ckenmark oder auch an den Sehnerven Entz?ndungen auf – meist schubweise. Diese Irritationen st?ren und sch?digen teilweise irreparabel die Schutzh?lle der Nervenfasern (Myelin). Nach einem Schub k?nnen sich die durch die Entz?ndungen entstandenen Symptome (Schwindel, Doppeltsehen, Sensibilit?ts- und Sprachst?rungen, L?hmungserscheinungen, Kribbeln) wieder vollst?ndig zur?ckbilden – oder sie bleiben.
Die Ursache der Krankheit ist unbekannt, einen einheitlichen Krankheitsverlauf gibt es nicht. Einige Patienten sind kaum beeintr?chtigt, andere leben fr?her oder sp?ter im Rollstuhl.
Von MS spricht man meist erst beim zweiten Schub; die ersten Entz?ndungen k?nnen auch anderen Krankheiten zugeschrieben werden. Die Ungewissheit, von einer unheilbaren Krankheit betroffen zu sein, trifft Philipp Strebel hart. Heirat, Familie, Hausbau: Alles scheint sinnlos. Therapiem?glichkeiten gibt es in diesem Stadium der Krankheit noch kaum: Kortison gegen die Entz?ndungen. Oder allenfalls bereits Interferone – eine aufw?ndige medikament?se Behandlung, die die Krankheitssch?be bis zu einem Drittel verz?gern soll.
Nur: Soll mit Interferonen behandelt werden, wenn man noch nicht einmal weiss, ob die Symptome wirklich ausschliesslich MS zugeschrieben werden k?nnen? Fragen ?ber Fragen – Antworten darauf erh?lt Philipp Strebel erst im Internet und nicht von den behandelnden ?rzten.
Auf der Homepage der Schweizerischen MS-Gesellschaft findet er Informationen, chattet mit anderen Betroffenen und meldet sich f?r psychologische Betreuung an. Heute weiss Strebel, dass MS nicht gleich ein Leben im Rollstuhl sein muss.
Katrin Sutter
25. April 2001
