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Gefl?gelfleisch ist beliebt wie noch nie. Diese Gunst der Stunde nutzt Gefl?gelproduzent Frifag aus: H?hner aus Extremzuchten verkauft er als gl?ckliche
«Natura»-Poulets.
Maul- und Klauenseuche, BSE sowie Antibiotikaverseuchtes Schweinefleisch – viele Konsumentinnen und Konsumenten suchen nach Alternativen beim Fleisch. Zum Beispiel Huhn: In jedem Haushalt sind letztes Jahr 19 Prozent mehr Poulets auf dem Teller gelandet.
Diese grosse Nachfrage stellt die M?ster vor Lieferprobleme. Neue St?lle lassen sich so schnell nicht bauen. Grossproduzent Frifag aus dem thurgauischen M?rwil will vom Poulet-Boom dennoch profitieren. Ein Streifzug von Kassensturz durch die Zuchthallen zeigt: Die Frifag stellt einfach mehr Tiere als ?blich in bestehende St?lle und verst?sst damit gegen das Tierschutzgesetz.
Verkr?ppelte und kranke H?hner liegen am Boden
Die Bilder in den Frifag-Mastbetrieben zwischen Neukirch SH und Gossau SG sind schockierend: Zwei Kilogramm schwere H?hner, mit den Beinen himmelw?rts, gestorben an Herzschlag, wie der Bauer vermutet. In einem andern Stall: Zehn Tage alte K?ken, die sich auf ihren verkr?ppelten Beinchen kaum mehr bis zum Fressnapf vork?mpfen k?nnen. Zudem sind in jedem Stall zu viele Tiere auf zu engem Raum eingepfercht. Folge: Die H?hner leiden vermehrt an Krankheiten oder sterben fr?hzeitig. Besonders st?rend: Die Frifag verkauft diese Kreaturen als «Natura»-Poulets in der Waro und auf der Strasse an mobilen Grillst?nden. Dabei haben diese Tiere mit gl?cklich aufgezogenen H?hnern in freier Natur nur wenig gemein.
Der Gefl?gelspezialist des Schweizer Tierschutzes, Hansuli Huber, spricht von einem Etikettenschwindel: «Die verwendete H?hnerrasse Cobb ist eine Extremzucht. Solche Tiere wachsen zu schnell; die Folge sind Gelenk- und Knochenprobleme. Man kann das mit einem siebenj?hrigen Kind vergleichen, das schon ein Gewicht von 70 Kilogramm hat.»
Peter Felder, Gesch?ftsf?hrer der Frifag, spielt das Problem herunter: «Hier handelt es sich nicht um Eier legende H?hner, die jahrealt werden, sondern nur um
Mastpoulets.» Mastpoulets, die 35 bis 42 Tage alt werden und in dieser kurzen Zeit auf 2 Kilogramm Gewicht hochgem?stet werden.
?berf?llte St?lle f?r einengr?sseren Profit
Trotzdem sieht der Frifag-Chef kein Problem darin, solche Tiere aus Qualzuchten unter dem Label Natura zu vermarkten. «Es kommt drauf an, was man unter
Natura versteht», sagt er.
Mehr versteht Felder aber von Profit und Gewinn. Seine St?lle sind proppenvoll. Das Tierschutzgesetz legt fest, dass die Menge Tiere pro Quadratmeter nicht schwerer als 30 Kilogramm sein darf. Das entspricht rund 16 schlachtreifen H?hnern auf einen Quadratmeter!
Das Bundesamt f?r Landwirtschaft (BLW) hat auf Grund der Kassensturz-Recherchen letzte Woche selbst Kontrollen durchgef?hrt. Dabei stellte das BLW fest, dass die Frifag selbst die largen Tierschutzbestimmungen nicht einh?lt und noch mehr Tiere in ihre St?lle pfercht. Die Beamten sprechen gar von einem systematischen
Verstoss der Frifag gegen das Tierschutzgesetz. Denn der Poulet-M?ster stopfte 20 Prozent mehr Tiere in einzelne St?lle, als es das ohnehin schon grossz?gige Tierschutzgesetz erlaubt. Das wird Konsequenzen haben: Die Beh?rden pr?fen derzeit, ob sie den fehlbaren Frifag-Bauern Subventionen k?rzen werden.
Dass in solch randvollen St?llen die H?hner am meisten leiden, beeindruckt die Frifag-M?ster wenig. Dabei sterben in den St?llen, die Kassensturz besuchte, w?hrend der kurzen Mastdauer durchschnittlich f?nf Prozent der Tiere. Eine zu hohe Sterberate, sagen Wissenschafter. Zum Vergleich: In den St?llen der Konkurrentin Optigal sterben zwei Prozent der genau gleichen Rasse in derselben Mastzeit. Der Unterschied: In den Optigal-St?llen haben die Tiere mehr Platz.
Verriegelte St?lle: H?hner k?nnen nicht ins Freie
Doch die Frifag hat nicht nur zu viele Tiere in ihren St?llen. Kassensturz deckte weitere Gesetzesverst?sse auf: In einzelnen F?llen haben die «Natura»-H?hner keinen Auslauf ins Freie gehabt. Die Stallt?ren sind verschlossen geblieben. Dies, obwohl die Tiere nach Vorschrift Auslauf haben m?ssten.
An eine solche Intensivmast denken wohl die wenigsten Konsumenten, wenn sie ein Poulet mit dem irref?hrenden Kleber «Frifag Natura» kaufen. Das Wohl der H?hner bleibt bei der Frifag Nebensache.
Daniel Mennig
11. April 2001
