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Coop verspricht, seit Anfang M?rz an Jugendliche weder Alkohol noch Zigaretten zu verkaufen. Eine saldo-Stichprobe widerlegt dies klar.
Ende Februar gelobte Coop in einem Communiqu?: «Ab M?rz k?nnen Jugendliche in s?mtlichen Coop-Verkaufsstellen keinen Alkohol und keine Tabakwaren mehr kaufen.» Konkret: Wer Wein, Bier und Zigaretten kaufen will, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Und Spirituosen, Aperitifs und Alcopops werden erst ab 18 Jahren verkauft.
saldo nahm den Grossverteiler beim Wort und schickte Testeink?ufer im Alter von 12 bis 17 Jahren in verschiedene Coop-Filialen und -Tankstellen in Z?rich, Zug und der Ostschweiz. Die Aufgabe der Tester: Sie sollten versuchen, sich mit Alkohol oder Zigaretten einzudecken. Das Resultat ist alarmierend: Nur an f?nf Orten gingen die Jugendlichen leer aus, zehnmal konnten sie Schnaps, Wein und Zigaretten kaufen.
Verk?ufer fragten nicht nach Alter oder Ausweis
So erhielt der 17-j?hrige Sandro in einer Z?rcher Coop-Filiale ohne weiteres eine Flasche Tequila. Aladin, 16, machte in Zug mit einer Flasche Williams die gleiche Erfahrung. Die 15-j?hrige Sabrina war selbst erstaunt, dass sie an der Coop-Tankstelle in Werdenberg SG eine Flasche Baileys kaufen konnte – ohne dass die Kassiererin nach Alter oder Ausweis fragte.
Jugendliche halten immer ?fter Trinkorgien ab
saldo hat Coop mit den Resultaten konfrontiert. Kommentar von Pressesprecher Karl Weisskopf: «Das Ergebnis ist unbefriedigend. Wir werden weiter daran arbeiten.» Er wolle das Ergebnis nicht entschuldigen, dennoch m?sse Verst?ndnis f?r das Verkaufspersonal aufgebracht werden, das durchaus einmal das Alter von Jugendlichen falsch einsch?tzen k?nne.
Alan Knaus, Medienbeauftragter der Schweizerischen Fachstelle f?r Alkohol- und andere Drogenprobleme, zeigt sich besorgt ?ber die Resultate der saldo-Stichprobe. Zwar attestiert er Coop guten Willen. Aber, so Knaus: «Reine Willensbekundung reicht nicht, es m?ssen Taten folgen.»
Aktuelle Studien h?tten gezeigt, dass insgesamt zwar nicht mehr getrunken werde. Hingegen steige bei Jugendlichen die Tendenz zum Rauschtrinken. Trinkorgien an ?ffentlichen Anl?ssen und Privatpartys seien keine Seltenheit. Dass Jugendliche so einfach zu Alkohol kommen, spiele dabei mit eine Rolle.
Coop ist mit seiner Praxis nicht allein. Das hat ein Test des Blauen Kreuzes Bern gezeigt. F?r das Pr?ventionsprojekt Talk About versuchten Jugendliche Anfang Jahr in 79 Gesch?ften und Bars der Region Bern Alkohol zu kaufen. Traurige Bilanz: 68 Verkaufsstellen hielten sich nicht an die Jugendschutzbestimmungen.
Das Schweizerische Alkoholgesetz schreibt vor, dass Spirituosen, Aperitifs und Alcopops nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft und ausgeschenkt werden d?rfen. Viele Kantone kennen zudem die Vorschrift, dass Wein, Bier und saurer Most nicht an unter 16-J?hrige verkauft werden d?rfen. Wer sich nicht an die Vorschriften h?lt, macht sich strafbar. Es drohen Verwarnungen und Bussen bis zu 5000 Franken.
Auf Grund der Testergebnisse von Talk About haben Regierungsstatthalter und verschiedene Gemeinden reagiert: Sie wollen die Kontrollen verst?rken und k?nftig fehlbare Gesch?fte anzeigen.
Schnapsmelder: Kasse piepst bei Alkoholkauf
So weit gehe Talk About nicht, erkl?rt Projektleiterin Christa Reusser. Es gehe nicht an, dass die Grossverteiler das Problem einfach auf das Verkaufspersonal abw?lzen, ohne entsprechende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Christa Reusser schl?gt eine einfache Massnahme vor. Die Kassen sollten so programmiert werden, dass sie blockieren, wenn eine Flasche Alkohol registriert wird. Spar hat den Schnapsmelder vor einem Jahr eingef?hrt und wurde daf?r vom Zent-rum f?r Pr?vention und Gesundheitsf?rderung des Kantons St. Gallen ausgezeichnet.
Folgen andere Grossverteiler diesem Beispiel? Coop-Sprecher Karl Weisskopf h?lt nichts davon. Wenn bei einem Alkoholkauf die Kasse klingle, sei die Diskretion nicht mehr gewahrt.
«Alkoholmissbrauch darf nicht mehr l?nger als Kavaliersdelikt gelten», fordert Christa Reusser. Im Fr?hling plant Talk About eine zweite Testreihe. Bis dahin bleibt Coop und anderen Verkaufsstellen Zeit, zu zeigen, wie ernst es ihnen mit dem Jugendschutz ist.
Jeannette B?chel
28. März 2001
