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Artikel | saldo 4/2001

"Der Baumarkt" - "Es war Geschäftspolitik, die Kunden zu täuschen"

 

Viele Gewerbebetriebe erleben dieser Tage eine b?se ?berraschung: Eine Rechnung von ?ber 1000 Franken f?r einen Eintrag ins Branchenverzeichnis "Der Baumarkt".

Monteur Marcel Manzi sagt es offen: "Ich f?hle mich betrogen! 1998 habe ich bei einem Vertreter f?r ein einzelnes Inserat im ‹Baumarkt› unterschrieben. Von einer Wiederholung war nicht die Rede." Das Inserat erschien in einem neuen Handwerkerverzeichnis, das unter dem Titel "Der Baumarkt Schweiz 98-99" von der in Winterthur domizilierten PMV Public Media Verlag AG herausgegeben wurde.


Viele Inserenten ?bersahen das Kleingedruckte

Um das Werk zu f?llen, bearbeiteten die Vertreter der PMV Handwerker wie Manzi so lange, bis diese ein Inserat schalteten. Was die meisten ?bersahen: Im Kleingedruckten stand, dass sich der Vertrag automatisch um zwei Jahre verl?ngert, wenn er nicht Ende Abschlussjahr eingeschrieben gek?ndigt wird.

Auch Marcel Manzi hatte das Kleingedruckte nicht beachtet. Der ?rger begann f?r ihn rund ein Jahr nach seiner Unterschrift. Er erhielt f?r ein Inserat in der zweiten Ausgabe des "Baumarktes" erneut eine Rechnung, dann eine Mahnung und schliesslich die Betreibung ins Haus geschickt.

Dagegen setzte sich der Monteur zur Wehr und zog die Sache vor Gericht. Dabei erhielt er Unterst?tzung: Ausgerechnet der Vertreter Peter Harrar, der ihm den Vertrag damals angedreht hatte, sagte zu seinen Gunsten aus. Er best?tigt auch gegen?ber saldo: "Es war Gesch?ftspolitik, die Kunden nicht auf die Allgemeinen Gesch?ftsbedingungen hinzuweisen." Doch Harrars Aussage n?tzte nichts: Der Richter best?tigte die G?ltigkeit des Kleingedruckten - Manzi musste zahlen.

Die ehemalige PMV-Mitarbeiterin Ruth Walser best?tigt die Aussage ihres fr?heren Kollegen: "Wir durften den Kunden nicht sagen, dass sich der Vertrag automatisch verl?ngert." Sie sieht sich heute selbst als Opfer des PMV-Chefs Andreas Jetzer. "Er hat mir Provisionen von rund 35 000 Franken nicht bezahlt." Die Verk?uferin hatte von Januar bis Oktober 1998 ?ber 350 Vertr?ge abgeschlossen - oft mit ungutem Gef?hl. Andreas Jetzer bestreitet Walsers Forderungen.


Teurer Eintrag, fraglicher Werbeeffekt

?hnlich erging es zwei ehemaligen "Baumarkt"-Disponentinnen: Manuela P?rez verliess sich auf m?ndliche Abmachungen mit PMV. "Die letzte Rechnung wurde mir nicht bezahlt. Herr Jetzer hat behauptet, mich nie eingestellt zu haben." Das Gleiche passierte Brigitte Mandal?: Sie musste 966 Franken abschreiben. Jetzer will davon nichts wissen.

Mittlerweile ist die Ausgabe 2001 des Branchenregisters erschienen. Vielen Betrieben flattert jetzt die Rechnung daf?r ins Haus. Je nach Abschlussdatum kostet der Eintrag zwischen 980 und 1480 Franken. Ob den Handwerkern der Eintrag im "Baumarkt" etwas bringt, ist fraglich. "Ich kenne niemanden, der bei Arbeitsvergebungen zu einem solchen Buch greift", meint der Bauleiter eines Generalunternehmens. Auch Vertreter Harrar zweifelt am Werbeeffekt des Registers. Er arbeitet nicht mehr f?r den "Baumarkt": "Im Prinzip verdient nur einer daran: PMV-Chef Jetzer."


Jetzer will k?nftig nur noch aufs Internet setzen

Jetzer ist bei den Gerichten in Z?rich und in der Ostschweiz kein Unbekannter. Wegen seiner Methoden im Umgang mit Mietern ist er vorbestraft. Und 1997 wollte er in Neuhausen SH Tausende von Franken an Heizkosten nicht an die Mieter zur?ckzahlen. Nach einem Kassensturz-Bericht r?ckte er damit heraus. "Das hat nichts mit der PMV AG zu tun", sagt er.

Zum Vorwurf, er habe Provisionen nicht ausbezahlt, meint er: "Das waren h?chstens zwei F?lle. Einmal gings um gef?lschte Vertr?ge, und einmal wurde sonst unsauber gearbeitet."

Was sagt er zu den unzufriedenen Kunden? "Es gibt Kleinbetriebe aus den ‹Baumarkt›-Anf?ngen, die den Nutzen der Website nicht sehen, wo sie den Eintrag jetzt ja auch haben." K?nftig will Jetzer nur noch aufs Internet setzen. Das Buch werde nach Ablauf der Vertr?ge nicht mehr erscheinen. Streit um K?ndigungsfristen solle es nicht mehr geben: "Ich schule meine Leute, die Vertragsbedingungen mit den Kunden durchzugehen. Wenn einer nur ein Jahr will, machen wir auch nur ein Jahr." Sein Wort in Handwerkers Ohr!

Veronika Sutter

28. Feburar 2001


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