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Artikel | saldo 2/2001

Werbekritik - Auf die ganz billige Tour

Mit Gratisferien und einer Volksinitiative versucht das Reisebüro Helvetic Tours, von Preisaufschlägen abzulenken.

Krankenkassen sollen Ferien bezahlen." Denn: "Erholung in den Ferien ist gesund, mehr Schlaf, viel Spass und null Stress." Wer möchte dem widersprechen? Das doppelseitige Inserat gipfelt in der Aufforderung: "Unterschreiben auch Sie die Helvetic-Tours-Volksinitiative."

Mit fetten Buchstaben und grossen Versprechen sammelt hier nicht die Discount-Kette Denner Unterschriften - nein, jetzt steigt auch die Reisebranche ins Politgeschäft ein. Zu schön, um wahr zu sein: unterschreiben und gedanklich bereits an der Algarve weilen. Doch vorerst warte ich ab - für ein solch hehres Ziel wird es an Unterstützung nicht mangeln ...

Dass die Wirtschaft für ihre Interessen die Politik einzuspannen versucht, ist nicht neu. Schon beim nächsten Blick in die Zeitung wird klar, warum Volksgesundheit und Urlaub untrennbar zusammengehören. "Die Krankenkassen sparen viel Geld, wenn sie allen die Ferien bezahlen." Denn: "Ferien sind günstig." Alle profitieren, alle gewinnen.

Doch, trotzig, fehlt meine Unterschrift noch immer auf dem Bogen. Dabei soll das angebliche Volksbegehren niemanden kalt lassen: Nebst verteilten Postkarten, Aufklebern und Ansteckknöpfen schickten die Werber von Advico, Young & Rubicam in mehreren Städten Unterschriftensammler auf die Strasse.

Getrost fügt der Reiseveranstalter eine Peinlichkeit hinzu: "Judihui, sogar Frau Dreifuss hat unterschrieben! Das Foto!", prangt auf einer weiteren Doppelseite in jenen dicken Lettern, welche der "Blick" nur verwendet, wenn der Papst stirbt. Tatsächlich ist nicht Sozialministerin Ruth Dreifuss abgebildet, sondern eine Rita Dreifuss aus Zürich.

Kleine Scherzkekse. Doch auch diese eloquente Mittdreissigerin, wahrscheinlich Mitarbeiterin der Helvetic Tours, kann mir kein Autogramm entlocken. Drei Tage später löst sich der Spuk vorerst auf: Die Volksinitiative ist ungültig, steht in schon fast unaufdringlich kleinen Inseraten. Doch das Reisebüro ködert weiter: mit Gratisferien für 50 Leute, die weniger widerspenstig waren als ich und unterschrieben haben.

Die Strategie von Helvetic Tours ist stets dieselbe: Vor zwei Jahren warnte der Slogan von allen Plakatwänden: "Buchen Sie jetzt keine Ferien. Warten Sie bis zum 1. Februar." Um dann simpel die neuesten Sommerkataloge anzupreisen.

Letztes Jahr folgte das Lockvogelangebot von schwarzen Weissen: "2 Monate Karibik 1534.-". Erst im Kleingedruckten war die Rede von Einschränkungen. Diese waren so zahlreich, dass selbst die langzeitgebräunten Models hätten erbleichen müssen. Doch der Trick um Aufmerksamkeit funktionierte und bescherte der Kuoni-Tochter ein massives Umsatzplus.

Das soll sich auch 2001 wiederholen: Statt sie gratis in die Ferien fahren zu lassen, bittet Helvetic Tours einfach die Konsumenten stärker zur Kasse. Ihre Badeferien verteuern sich gegenüber letztem Jahr um durchschnittlich 10 Prozent, wie die "Sonntagszeitung" vorrechnete.

Mit dem Lärm um die angebliche Volksinitiative hat der Reiseanbieter geschickt von diesen Preiserhöhungen abgelenkt - wenn auch nur vorübergehend. Denn: Solch spektakuläre Ankündigungen, die später als Luftblase zerplatzen, haben eine kurze Haltbarkeit. Helvetic Tours - Werbung auf die billige Tour.

31. Januar 2001


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