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Artikel | saldo 2/2001

Fleischkonsum - "Was kann ich noch essen?"

Die Verunsicherung ist gross: Welche Fleischsorten sind noch geniessbar? Sechs Fachleute wurden an der Kassensturz-Hotline regelrecht bestürmt.

Am häufigsten fragten Konsumentinnen und Konsumenten, ob man überhaupt noch Fleisch essen könne. Übereinstimmende Antwort aller Experten: "Ja." Denn: Schweizer Fleisch unterliegt weltweit den strengsten Kontrollen auf BSE-Erreger wie auch auf Antibiotika und Hormonrückstände.

Bei US-Rind stellt BSE keine Gefahr dar, da nie Tiermehl verfüttert worden ist. Die USA erlauben Antibiotika und Hormone im Tierfutter, die aber beim Importfleisch kaum je nachgewiesen wurden.

Auch die meisten EU-Länder erlauben gewisse Antibiotika zur Leistungsförderung und Krankheitsvorbeugung. Generell besteht für Konsumenten dadurch aber kein Gesundheitsrisiko. Ausnahme: Gelangen Antibiotikaresistente Keime von den Tieren auf den Teller, kann es zu gesundheitlichen Schäden kommen. Eine dänische Konsumentin von Schweinefleisch ist an Antibiotikaresistenten Salmonellen gestorben.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Frau Briggen, Dübendorf ZH: Kann man Krankheitserreger im Fleisch beim Kochen und Braten abtöten?

Heinrich Binder, stellvertretender Kantonstierarzt Zürich: Ja. Alle Keime, auch Antibiotikaresistente, liegen an der Fleischoberfläche. Braten und Kochen töten diese Erreger in jedem Fall zuverlässig ab.

Das Problem liegt in der Hygiene bei der Zubereitung: Durch unsauberes Arbeiten in der Küche können Keime vom Rohfleisch auf andere Lebensmittel oder Besteck und Geschirr übertragen werden und von dort den Menschen befallen.

Frau Prim, Fahrwangen AG: Wie riskant sind Milch und Milchprodukte?

Jennifer Zimmermann, Projektleiterin Ernährung WWF: BSE-Erreger wurden in der Milch und bei Milchprodukten bislang noch nie nachgewiesen. Krankheitserreger können in der Rohmilch vorkommen. Pasteurisierte und vor allem UHT-Milch sind in der Regel frei von Krankheitserregern. Bio-Produkte bieten eine verstärkte Sicherheit, weil die Haltung der Tiere weniger zu Krankheiten führt und damit auch weniger Antibiotika-Einsatz erfordert.

Frau Ehler, Baar ZG: Wie verlässlich ist Pouletfleisch aus China und Ungarn?

Bruno Pacciarelli, Leiter tierische Lebensmittel, kantonales Labor Zürich: Import-Poulet wird an der Grenze und zusätzlich durch den Importeur in regelmässigen Stichproben auf Antibiotika-Rückstände und mikrobielle Verunreinigungen geprüft. Die Grossimporteure kontrollieren teilweise auch direkt im Ausland. Das Risiko, dass belastetes Import-Geflügel hier in den Verkauf gelangt, ist dadurch sehr gering.

Trotzdem ist auch bei einheimischem Geflügel sehr auf eine hygienische Verarbeitung in der Küche zu achten.

Frau Bühlmann, Zug: Birgt der Fleischkonsum ein Risiko, wenn ich auf Antibiotika allergisch reagiere?

André Herrmann, Kantonschemiker Basel-Stadt: Antibiotika-Rückstände werden nur selten und mit sehr tiefen Werten im Tierfleisch nachgewiesen. Bei hoch sensiblen Menschen kann dies allerdings genügen, um eine allergische Reaktion auszulösen. Fleisch aus Bio-Produktion bietet eine erhöhte, aber keine hundertprozentige Sicherheit. Antibiotika werden erst eingesetzt, wenn andere Heilmittel versagen. Im Vergleich zur herkömmlichen Produktion müssen Bio-Bauern doppelt so lange warten, bis sie ihre Tiere nach Medikamenteneinsätzen schlachten dürfen. In der Regel baut sich Antibiotika in dieser Zeit vollständig ab, sodass das Fleisch unbedenklich ist.

Herr Ivos, Bern: Wie gefährlich ist das Fleisch von Kaninchen, Lamm und Pferd?

Peter Sommerauer, Lebensmittelinspektor Fleisch, St. Gallen: In Bezug auf BSE sind diese Fleischsorten sicher. Die Antibiotika-Problematik ist äusserst gering, weil diese Tiere in der Regel nicht in Intensivmast gehalten werden. So kommt es selten zu Erkrankungen und damit auch selten zum Medikamenteneinsatz.

Herr Thalmann, Menznau LU: Darf man Kalbfleisch und Kalbsleber noch essen? Und weshalb wird Kalbfleisch nicht auf BSE getestet?

Walter Baur, Leiter Qualitätskontrolle Ausbildungszentrum Metzgerverband: Das Fleisch und auch die Leber vom Kalb, die aus Schweizer Produktion stammen, sind bedenkenlos konsumierbar. Wie beim Rind gelangen die risikobehafteten Bestandteile wie Hirn, Rückenmark usw. nicht in die Verarbeitung.

Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass ein Kalb BSE-infiziert ist, aber die Krankheit wäre beim Kalb noch im Frühstadium. Ein BSE-Test würde nichts anzeigen.

Pascal Derungs

31. Januar 2001


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