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Darmbakterien im Tauchbecken, tausende Keime auf den Holzbänken. Saunas sind zu wenig sauber. Ein Hygienesiegel soll jetzt das Problem lösen.
Allzu oft endet die Hygiene vor den Türen der Schwitzstube: In einer Kassensturz-Stichprobe erhielten acht von zehn Saunas schlechte Noten. In den schlimmsten Fällen waren die Sitzbänke mit Tausenden von Keimen belegt, im Tauchbecken fand das Labor Zollinger, Zürich, sogar Fäkalbakterien.
Die schlechten Resultate haben die Betreiber aufgeschreckt. Mit den Ergebnissen konfrontiert, beteuerten die Saunaleiter, ihre Betriebe täglich zu reinigen - doch die Proben seien am Abend genommen worden, als die Saunas bereits häufig benützt worden waren. Ernst Braunschweiler, Präsident des schweizerischen Saunaverbandes (SSV), ist besorgt: "Ich hoffe, dass sich alle Mitglieder jetzt des Themas Hygiene bewusster und kritischer annehmen werden." Als Reaktion auf den Test will der Verband ab kommendem Herbst jährliche Kontrollen durchführen und längerfristig unhygienische Mitglieder ausschliessen. Braunschweiler: "Wir ziehen die Schaffung eines Hygienesiegels in Betracht. Das würden nur Saunas erhalten, die in künftigen Keimproben saubere Resultate erzielen."
Besserer Schutz vor Erkältungen und Infektionen
Doch viele Saunagänger erwarten nicht nur Sauberkeit, sondern eine gesundheitsfördernde Wirkung. Eine finnische Volksweisheit besagt: "Einem kranken Menschen ist nicht mehr zu helfen, wenn ihn nicht Teer, Schnaps und eine Sauna wieder auf die Beine bringen." In der Schweiz versprechen sich Saunagänger Schutz vor Erkältungen und Infektionen. Der Grund: Im heisskalten Wechselbad erweitern und verengen sich die Blutgefässe und gleichen den Blutdruck aus - der Körper kann sich Temperaturschwankungen leichter anpassen.
"Sauna stärkt das Herz-Kreislauf-System nicht"
Selbst Herzspezialisten wie Dr. Franz Wolfgang Ammann vom Unispital Zürich empfehlen ihren Patienten massvolle Saunagänge. Allerdings: Vor übertriebenen Erwartungen warnen die Mediziner. Solche weckt der Verband mit Aussagen wie "Sauna stärkt das Herz-Kreislauf-System". Ammann: "Dazu müssten schon die Muskeln körperlich trainiert werden, was beim passiven Schwitzen nicht passiert. Das Herz-Kreislauf-System wird in der Sauna nicht gestärkt."
Wer einige Tipps befolgt, schont seinen Körper in der Schwitzkammer:
° Im warmen Bad zuerst die Füsse auf das heisse Klima vorbereiten. Danach: acht bis zehn Minuten in die Sauna. Vor dem Gang unter die kalte Dusche oder ins Tauchbad einige Minuten an die frische Luft. Zum Schluss: ein wärmendes Fussbad.
° Vorreinigen unter möglichst warmer Dusche. Der Körper verliert in der Sauna ein bis zwei Liter Schweiss. Daher immer die gleiche Seite des Badetuchs auf den Holzbänken verwenden. Verlorene Flüssigkeit muss wieder zugeführt werden - mit alkoholfreien Getränken. Zum Abnehmen ist die Sauna nicht geeignet.
° Bei Herzpatienten, die Medikamente zur Blutdrucksenkung nehmen müssen, kann der Blutdruck zu stark sinken. Temperaturen über 60 Grad und Tauchbecken meiden. Infarktrisiko: bei Herzkranzverengungen vorgängig mit dem Hausarzt sprechen.
Marc Meschenmoser
Hygiene-Stichprobe / 8 von 10 Saunas waren zu schmutzig
Kassensturz nahm in zehn Saunas Abklatschproben auf den Holzbänken und Wasser aus den Tauchbecken. Sie wurden im Labor auf Keime und Fäkalbakterien untersucht. Acht von zehn Betrieben schnitten ungenügend bis schlecht ab.
Die Ergebnisse: Nur die Sitzbänke im Alpamare, Pfäffikon, Matthof, Luzern, und im City-Fit, Luzern, waren sauber. Am meisten Keime fanden sich in den Zürcher Saunas Binzmühle und Volksgesundheit Allenmoos sowie Grossrieder in Luzern.
Mikrobiologe Walter Zollinger zu den Messungen: "Es geht darum, dass die Gäste jene Sauberkeit erhalten, die sie auch erwarten." Resultate der Wasserproben (Toleranzwert 1000 Keime pro Milliliter):Gut: Alpamare, Pfäffikon SZ, 4 Keime pro Milliliter Wasser; Matthof, Luzern, 75 Keime. Keine Fäkalbakterien.
Ungenügend: City-Fit, Luzern, 1600 Keime; Sexclub Zeus, Küssnacht am Rigi, 1800 Keime; Grossrieder, Luzern, 2200 Keime; Binzmühle, Zürich, 2300 Keime; Sportpark Thalwil ZH, 2900 Keime. Ekelerregend: Fäkalbakterien in City-Fit, Zeus, Grossrie der sowie im Sportpark Thalwil.
Stark ungenügend: Volksgesundheit Allenmoos, Zürich, 210 000 Keime; Koller, Luzern, 230 000 Keime und der Swingerclub Sauna Manesse, Zürich, 320 000 Keime. In allen drei Tauchbecken schwammen Fäkalbakterien.
17. Januar 2001
