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Skifahren wird schon wieder teurer. Besonders ärgerlich: Viele Skiregionen holen ihre investierten Millionen auf Kosten der Familien und Kinder herein.
Stolz informierten die Schweizer Seilbahnen Anfang November über diverse Neuerungen und Innovationen für den kommenden Winter. Ein paar Beispiele: Neue Sesselbahnen in Arosa, am Jochpass im Titlisgebiet und im Wintersportgebiet Fiesch-Eggishorn. Diverse kleine Schlepplifte wurden neben Halfpipes gebaut, Bergrestaurants ausgebaut und zahlreiche neue Pistenbars erstellt. Insgesamt investierte die Branche 200 Millionen Franken in neue Infrastruktur und weitere 60 Millionen Franken in Beschneiungsanlagen.
Skifahren wird schon wieder um 3 Prozent teurer
"Trotz dieser hohen Investitionen bleiben die Preise für Wintersport-Fahrausweise in der Wintersaison 2000/2001 mehrheitlich auf dem Vorjahresstand", verkündeten die Seilbahnen. Im Durchschnitt würden Tageskarten für Erwachsene um 1,2 Prozent und für Kinder bis 16 Jahre um 0,4 Prozent teurer. "Nach wie vor setzen die Bahnen auf familienfreundliche Preisgestaltung", versuchten die Seilbahnbetreiber zu beruhigen.
Doch die Realität sieht anders aus: Stiegen bereits letzten Winter die Preise um bis zu 6 Prozent, wird Skifahren schon wieder um 3 Prozent teurer. Ein paar Beispiele: Auf den Flumserbergen kostet die Wochenkarte (sieben Tage) neu 235 statt 215 Franken, in Davos das gleiche Abo 246 statt 228 Franken (sechs Tage). Sieben Tage Savognin schlagen von 243 auf 255 Franken auf.
Viele Skiregionen offerieren keine Familienrabatte
Was sich bereits im saldo-Vergleich von 21 Schweizer Skiorten Anfang Jahr (saldo 1/00) herausstellte, bestätigt der Trend in vielen Skiregionen: Vor allem für Familien wird das Skifahren zunehmend teurer, denn viele Wintersportorte knausern mit Vergünstigungen. Besonders krass ist es beispielsweise in Arosa, Davos, Grindelwald, Scuol und Zermatt, die überhaupt keine Familienrabatte gewähren. Andermatt offeriert einzig für das Gebiet Nätschen/Gütsch eine Familienkarte. Fazit: Mit Preisabschlägen von mickrigen 10 Prozent wird Skifahren für Familien mit beschränktem Budget in den meisten Regionen unerschwinglich.
Wenigstens ein Herz für Kinder bis sechs Jahre haben die meisten Skiorte: Sie lassen die Kleinen gratis mit Bahnen und Liften fahren. Zermatt gibt sich dabei besonders grosszügig: Kinder bis neun Jahre bezahlen nichts. Knauserig zeigt man sich zum Beispiel in Gstaad, auf der Lenzerheide und in Scuol: Selbst für Kleinkinder bis sechs Jahre geht hier nichts zum Nulltarif.
Bei den Halbtageskarten herrscht ein wahres Durcheinander, was eine Transparenz der Preise ungemein erschwert. Doch es gibt auch positive Beispiele: Arosa bietet seine Halbtageskarte in vier Abstufungen an: 43 Franken (ab 11.30 Uhr), 39 Franken (ab 12 Uhr), 35 Franken (ab 13 Uhr) und 31 Franken (ab 14 Uhr). Und in Flumserberg hat man für Halbtageskarten den Halbstundentakt eingeführt: Wer sein Ticket um 11 Uhr löst, bezahlt 43 Franken, ab 14 Uhr kostet die Karte noch 29 Franken.
Wer nicht jeden Tag auf die Piste will, fährt gut mit einer Tageswahlkarte. Erfreuliches Fazit: Andermatt und Zermatt bieten jetzt neu auch Tageswahlkarten an. In der letzten Erhebung gehörten sie noch zu den wenigen Skiorten, die einer flexiblen Gestaltung des individuellen Skivergnügens im Wege standen. Hingegen konnten sich die Wintersportorte Grindelwald, Hoch-Ybrig und Meiringen-Hasliberg noch immer nicht dazu entschliessen, Tageswahlkarten ins Angebot aufzunehmen.
Viel Geld sparen mit einer Tageswahlkarte
Ein Vergleich unter den verschiedenen Regionen lohnt sich. Als Schnäppchen erweist sich das Angebot von Lenzerheide: Die 10-Tages-Wahlkarte kostet 360 Franken, das entspricht einem Tagespreis von 36 Franken. Für die normale Tageskarte hat der Skifahrer 52 Franken zu berappen. Aber auch bei den meisten andern Anbietern lassen sich mit dem Kauf einer 10-Tages-Wahlkarte pro Tag schnell einmal zehn Franken einsparen.
Wer umweltbewusst reisen möchte und die Snow'n'Rail-Karte der SBB wählt, hat unter anderem in folgenden Ferienorten Pech: Crans Montana, Saas Fee, Savognin und Zermatt. Diese Orte haben sich auch diesen Winter nicht entschliessen können, an der Aktion mitzumachen. Savognin begründet die Nichtteilnahme beim Snow'n'Rail damit, dass es keinen Bahnanschluss hat. Und die übrigen Anbieter versuchen, mit eigenen Aktionen ihre Gäste bei der Stange zu halten. Schliesslich wollen sie ja ihre eigenen Bahnen und Betriebe möglichst gut auslasten, um die investierten Millionen so schnell wie möglich wieder hereinzubekommen.
Max Fässler
06. Dezember 2000
