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Artikel | saldo 19/2000

Immer kleiner, funktioneller und robuster

Handys sind technisch hoch entwickelt, klein und solid. Die Hauptunterschiede zeigen sich im Preis, der Batterieleistung und der SMS-Funktion.

Der Mobilfunkmarkt sorgt für Rekordzahlen: Nie zuvor wurden so viele Handys gekauft wie dieses Jahr. Das Institut für Markt- und Meinungsforschung (IHA) in Hergiswil NW hat berechnet, dass sich die Zahl der verkauften Mobiltelefone von Januar bis Ende Dezember 2000 auf knapp drei Millionen beläuft. Zum Vergleich: 1995 wurden "nur" 170 000 Handys verkauft, 1998 waren es bereits eine Million und letztes Jahr schliesslich 1,85 Millionen. Das bedeutet, dass bis Ende Jahr 63 Prozent der Schweizer Bevölkerung - Babys und Hochbetagte mitgerechnet - im Besitz eines Mobiltelefons sind.

Die Fédération Romande des Consommateurs (FRC) hat in einem internationalen Gemeinschaftstest der europäischen Konsumentenorganisationen 24 GSM-Dual-Band-Mobiltelefone testen lassen.

Neun Testmodelle sind mit WAP-Funktion, die den kabellosen Internet-Zugang ermöglicht, ausgestattet. Leider sind nicht mehr alle der getesteten Handys in den Verkaufsgeschäften erhältlich. Grund: Der Mobiltelefonmarkt entwickelt sich rasant, während internationale Produktetests mit einem grossen Zeitaufwand verbunden sind. Deshalb fehlen auch die neuesten Mobiltelefone in der Übersicht. Die europäischen Konsumentenorganisationen nehmen die Mobiltelefone regelmässig unter die Lupe.


Hauptkriterium: Handhabung der Mobiltelefone

Im aktuellen Test wurden die Handys nach sechs Kriterien geprüft. Hauptaugenmerk legten die Tester auf die Handhabung der Mobiltelefone. Die Geräte wurden hinsichtlich Ergonomie und verständlicher Gebrauchsanweisung begutachtet und mussten einen Praxistest aller Funktionen durch eine Gruppe erfahrener Benützer über sich ergehen lassen. Für den Test nicht mitbewertet, zu Informationszwecken in der Tabelle aber dennoch aufgelistet, sind SMS- und WAP-Funktionen.

Die Tonqualität der Handys wurde im schalldichten Studio geprüft. Dazu wurden Gespräche mit einer Lautstärke von 80 Dezibel (dB) zwischen dem getesteten Mobiltelefon und drei Festanschlüssen (in beide Richtungen) simuliert. Gemessen wurden die Werte ohne und mit Hintergrundgeräusch (70 dB), mit dem der Umgebungslärm nachgeahmt wurde.

Weiteres Testkriterium: die Empfindlichkeit der Handys in beiden GSM-Netzen (900 und 1800 MHz). In einem Versuchstunnel mit abnehmender Senderfeldstärke eruierten die Tester den Aufbau und die Beständigkeit der Verbindung.

Die Akkuleistung wurde anhand praxisnaher Gesprächszyklen (zehnmal täglich drei Minuten telefonieren und 57 Minuten Stand-by pro Stunde) gemessen. Beurteilt wurde die Anzahl der möglichen Zyklen bei voll aufgeladenem Akku sowie die Statusanzeige und die Ladezeit.

Anhand der DIN-Norm EN 60065 ermittelten die Tester die Bruchfestigkeit der Handys. Um in dieser Kategorie zu bestehen, mussten die Mobiltelefone 50 Stürze aus 80 cm Höhe ohne Funktionsstörung überstehen.


Durchschnittliche Gesamtnoten für alle Handys

Ein Blick auf das Gesamturteil zeigt, dass die Qualität der getesteten Handys ziemlich einheitlich ist: Keines der Handys erreichte ausgezeichnete Resultate, erfreulicherweise mussten die Tester auch keine schlechten Noten verteilen. Von den 24 Mobiltelefonen erhielten 10 die Note gut, 9 genügend bis gut. 5 Handys müssen sich die Note genügend gefallen lassen: Ericsson T10s, Nokia 3210, Panasonic EB-GD30, Siemens M 35i und Siemens S25. Bei diesen Geräten lässt vor allem die Akkuleistung zu wünschen übrig.


Fast alle Modelle erwiesen sich als äusserst robust

In Sachen Bruchfestigkeit glänzten bis auf zwei Ausnahmen (Nokia 8210 und Ericsson R320sc) sämtliche Handys. Sie erwiesen sich als sehr robust und erhielten entsprechend gute Noten.

Für die WAP-Funktionen reichen die Noten von mangelhaft bis gut. Bei der Bewertung nicht berücksichtigt wurden die Tücken der WAP-Technologie: langsame Datenübertragung, kleine Displays, häufige Unterbrüche und hohe Kosten.

Während die Qualitätsunterschiede der Handys eher gering sind, zeigen sich bei den Richtpreisen hingegen beträchtliche Differenzen. Das günstigste Handy im Test kostet 299 Franken, das teuerste 1298 Franken. Abhängig ist der Preis von Ausstattung, Design und Alter der Mobiltelefone.

Generell zeigt sich, dass die Mobiltelefone immer kleiner werden und an Gewicht verlieren. Ein Grund dafür ist die Tendenz der Hersteller, die Antenne nicht mehr sichtbar, sondern im Gerät versteckt zu konstruieren. Die Mehrheit aller Mobiltelefone ist zudem mit Vibro-Alarm ausgestattet.

Jeannette Büchel



Handy-Sprache

Viele englische Begriffe haben sich in der Welt der Mobiltelefonie eingebürgert. Hier ein kleines Lexikon, um sich im Abkürzungsdschungel zurechtzufinden.

Dual Band: Mobiltelefon, das sowohl auf der 900 MHz-Frequenz (D-Netz) wie auch auf der 1800 MHz-Frequenz (E-Netz) funktioniert. Ein Dual-Band-Handy kann auch auf ausländischen Netzen benützt werden.

GPRS (General Packet Radio Services) ist ein Dienst für Datentransport (und Internetzugang) in einem Mobilfunknetz. Mit einer Datenübertragungsrate von 43 000 bis 115 000 bits pro Sekunde schneller als WAP (9600 bits pro Sekunde).

GPS (Global Positioning System): Navigationssystem, das dank amerikanischem Satellitennetz jederzeit Höhe und geografische Position an jedem beliebigen Punkt der Welt erkennen kann.

GSM (Global System for Mobile Communications): internationaler Standard für digitale Mobilfunksysteme. Wird weltweit für rund 400 Millionen Handys der zweiten Generation angewendet.

SMS (Short Message System): erlaubt das Übertragen von Textnachrichten zwischen Mobiltelefonen. Dank kurzer Übertragungszeit sind die Textnachrichten günstig.

UMTS oder 3G (Universal Mobile Telecommunications System): weltweiter Mobilfunkstandard, mit dem bis im Jahre 2002 die Handys der dritten Generation eingeführt werden. UMTS wird die WAP-Technologie ersetzen: Der Internet-Zugang wird mit einer Übertragungsrate von bis zu 2 Millionen bits pro Sekunde um ein Vielfaches schneller. Das System erlaubt auch den Echtzeit-Austausch von Videobildern über das Mobilfunknetz.

WAP oder W@P (Wireless Application Protocol): Mit der Einführung dieses Standards 1999 wurde der kabellose Internetzugriff via Handy möglich. Allerdings nur mit einer relativ langsamen Übertragungsrate von 9600 bits pro Sekunde.

22. November 2000


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