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Artikel | saldo 14/2000

Grüne Pensionskassen - Die schwierige Abgrenzung

Grüne Pensionskassen verwalten über eine Milliarde Franken, die sie in sozial- und umweltverträgliche Firmen investieren. Manchmal, ohne wählerisch zu sein.

Rund 410 000 Angestellte aus 1600 Betrieben investieren ihre Pensionskassengelder in nachhaltige, sprich umwelt- und sozialverträgliche Unternehmungen. Sie sind den drei Marktführern Ethos, Nest und Abendrot angeschlossen, die 1,23 Milliarden Franken in fortschrittliche Firmen investieren - Tendenz stark steigend.

Peter Bosshard, Anlagespezialist der Erklärung von Bern: "Es wird in den nächsten fünf Jahren massive Verschiebungen von herkömmlichen in so genannt grüne Pensionskassen geben, welche ihre Rendite mit nachhaltigen Firmen erzielen. Vielen Arbeitnehmern ist es nicht mehr egal, wenn ihr Alterskapital bei Unternehmen angelegt ist, die auf Kosten von Umwelt und Angestellten hohe Profite machen."


Ethos investiert in ökologisch fragwürdige Betriebe

Sowohl der grünen Pensionskasse Abendrot als auch Nest schliessen sich Jahr für Jahr mehr Firmen an; Ethos wurde 1997 in Genf gegründet und investiert bereits 900 Millionen Franken Alterskapital - hauptsächlich in Aktien europäischer und US-amerikanischer Firmen.

Doch mit dem schnellen Wachstum stellen sich für die Anlagestiftungen neue Probleme: Obwohl der Nachhaltigkeit verpflichtet, investiert beispielsweise Ethos in Betriebe, die für Umweltfonds tabu sind: Erdölfirmen wie BP Amoco, Chemiemultis wie Roche oder die Fastfood-Kette McDonald's. Dominique Biedermann, Geschäftsführer der Ethos: "Das finanzielle Risiko wäre zu gross, wenn wir nur in wenige, sehr nachhaltige Firmen investieren würden." Betriebe, welche die von Ethos aufgestellten Sozial- und Umweltkriterien nicht erfüllen, seien aber unterdurchschnittlich vertreten, sagt Biedermann. "Nachhaltiges Feigenblatt", kommentierte die "Wochenzeitung" (WOZ), als Ethos letztes Jahr ihre Anlagestrategien offen legte.


Abendrot und Nest: Engere Grenzen fürs Aktienportefeuille

Immerhin: Die Genfer üben ihr Stimmrecht aktiv aus und scheuen an den Generalversammlungen kritische Fragen nicht, wenn Firmen in ökologischen oder sozialen Belangen sündigen. Ethos unterstützte etwa heuer einen Antrag, dass McDonald's künftig auf gentechnisch veränderte Lebensmittel verzichten soll (der allerdings abgelehnt wurde).

Die Konkurrenten Nest und Abendrot haben den Kreis sozial- und umweltpolitisch überzeugender Firmen enger begrenzt: Lohngleichheit, Mitspracherecht der Angestellten, hohe Öko-Relevanz der Produkte und Nachhaltigkeit als Unternehmensziel sind nur einige der nachgeprüften Kriterien, um ins Portefeuille zu gelangen. Mineralöl-, Chemiefirmen sowie diverse andere Branchen (z. B. Automobilkonzerne) sind dort ausgeschlossen.

Die beiden Kassen sind eher bereit, in kleinere, aufstrebende Firmen zu investieren - und gehen so höhere Risiken ein. Abendrot musste diesen Sommer 400 000 Franken abschreiben, nachdem der Kurs der unterstützten Terra Trust Umweltholding AG eingebrochen war. Hans-Ulrich Stauffer, Abendrot-Geschäftsführer: "Verheerend wäre, wenn wir schwergewichtig in solch kleine Neugründungen investieren würden. Mit einer Performance von 11,4 Prozent bei den Wertpapieren haben wir auch letztes Jahr gezeigt, dass erfolgreiches, nachhaltiges Wirtschaften sehr gut möglich ist."

Auch Nest-Geschäftsführer Felix Pfeifer freut sich über einen Kapitalzuwachs von 20 Millionen Franken in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. "Der Stellenwert der nachhaltigen Geldanlage nimmt innerhalb der Betriebe weiter zu", ist er überzeugt.

Jüngstes Beispiel: die ABB- Pensionskasse mit 14 000 Versicherten. Zusammen mit der Fachhochschule Aargau prüft sie, wie die Anlagepolitik auf nachhaltiges Investieren ausgerichtet werden könnte. "Wir planen dies nicht, um unser Gewissen zu beruhigen", betont deren Kassenleiter Christoph Oeschger, "sondern als klaren Entscheid für eine Neuorientierung."

Marc Meschenmoser

13. September 2000


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