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Eifrige Budgetsanierer wollen die Pilzkontrollstellen in den Gemeinden aufheben. Am falschen Ort gespart, meinen Fachleute.
Auf dem Tisch der Pilzkontrollstelle Uster liegen nur einige wenige Pilze ausgebreitet. Fein säuberlich, nach Arten sortiert, reihen sich da Gold- und Körnchenröhrlinge neben Ledertäublinge und Gallenröhrlinge. Wegen der trockenen Witterung spriessen kaum Pilze; entsprechend hält sich der Andrang von Pilzsammlern in Grenzen.
Kontrolleurin Käthi Weber nimmt sich Zeit und erklärt der Sammlerin den Unterschied zwischen Steinpilzen und Gallenröhrlingen. Letztere sind ungeniessbar; daher stellt Käthi Weber einen roten "Giftschein" aus, versehen mit Gewicht oder Anzahl Pilzen. "Wer in die Kontrolle kommt, versteht bereits etwas von Pilzen. Oder ist äusserst motiviert, etwas dazuzulernen", erklärt sie. "Doch täuschen kann sich jeder mal."
Kontrollstellen können viel Unheil abwenden
In der deutschen Schweiz gibt es 350 Kontrollstellen. In verschiedenen Kantonen laufen derzeit Bestrebungen zur Abschaffung dieser unentgeltlichen Dienstleistung. Vor drei Jahren wurde im Zuge des neuen Schweizer Lebensmittelgesetzes die Aufsicht der Pilzkontrollstellen den Kantonen übertragen. Erste Kantone wie Obwalden und Schwyz entschlossen sich zu deren Abschaffung, unter anderem mit der Begründung, sie nützten nur einer Minderheit. Mit der Massnahme werde die Eigenverantwortung der Sammler grösser, wird auch in der Stadt Bern die geplante Abschaffung begründet. Viele Sammler würden wahllos Pilze ausreissen und dann die Auswahl der Kontrollstelle überlassen.
Für verschiedene Fachleute ist diese Argumentation nicht nachvollziehbar. "Pilzkontrollstellen sind ein sinnvoller, kostengünstiger Dienst an der Volksgesundheit", ist der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter überzeugt. Zwar liegt in der Schweiz die letzte tödliche Vergiftung durch einen Weissen Knollenblätterpilz vier Jahre zurück. Doch haben die Kontrollstellen seither viel Unheil abwenden können: Unter den 15 Tonnen Pilzen, die 1998 allein im Kanton Zürich kontrolliert wurden, mussten acht Kilo tödliche Knollenblätterpilze - 1999 waren es fünf Kilo - zurückbehalten werden.
Einsparung steht in keinem Verhältnis zum Nutzen
"Wenn man bedenkt, dass 50 bis 100 Gramm für eine tödliche Vergiftung genügen, ist leicht ersichtlich, dass die Kontrolleure eine wichtige Dienstleistung erbringen", sagt Christine Rauber vom Toxikologischen Informationszentrum Zürich. Die Abschaffung der Kontrollstellen macht daher auch ihr Bauchweh. Eine Aufhebung von Kontrollstellen könne allerdings nicht automatisch mit einer Zunahme von Vergiftungen gleichgesetzt werden, räumt die Fachfrau ein. "Wir wissen nicht, wie viel vorsichtiger die Leute ohne Kontrollstelle Pilze sammeln." Sie weist aber darauf hin, dass selbst Pilzkenner mit dem Gang zur Kontrollstelle ein Restrisiko ausschliessen wollen. Christine Rauber: "Pilzstellen haben eine grosse prophylaktische Wirkung; mit einer Aufhebung würde klar am falschen Ort gespart."
Tatsächlich steht die Einsparung in keinem Verhältnis zum Nutzen: Die Gemeinde Uster gibt für die Kontrollstelle gerade mal 5000 bis 7000 Franken pro Saison aus. Pro Einwohner macht das rund 25 Rappen aus.
"Alles in allem ist das gut angelegtes Steuergeld", meint Markus Reiser vom Gesundheitsamt Uster. Wohl wahr: Die Behandlung einer durch Giftpilze geschädigten Leber kostet die Allgemeinheit gegen eine halbe Million Franken.
Stefan Hartmann
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Eine lehrreiche Übersicht zum Thema Pilze bietet www.pilze.ch.
30. August 2000
