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Artikel | saldo 12/2000

Computerschulen tricksen gewaltig mit Kursen

Computerkenntnisse sind unentbehrlich, die Einsteigerkurse boomen. Viele Kursanbieter aber nützen die Unwissenheit von Anfängern schamlos aus.

Seit anderthalb Stunden redet der Mann auf Tiru Subraniam (Name geändert) aus Sri Lanka ein. Vor ihr liegt die Preisaufstellung für einen PC-Lehrgang mit Laptop-Kauf für über 10000 Franken. Das ist fünfmal so viel, wie Tiru in einem Monat verdient. Sie versteht fast kein Deutsch, will nicht unterschreiben. Schliesslich füllt der Mann das Formular aus. Tiru setzt ihre Unterschrift darauf.

In höchster Not erfindet sie eine Lüge, um die Papiere noch bei sich zu behalten. Tiru hat Schlimmes verhindert: Nebst einem Kreditantrag bei der GE Capital Bank hat sie Vergütungsaufträge in der Höhe von 4600 Franken zu Lasten ihres Bankkontos unterzeichnet. Begünstigte: IS Scheidegger AG.


Scheidegger macht falsche Angaben über die Kursdauer

Die Stanser Firma gehört zu den grössten Computerschulen der Schweiz. 25 Ausbildungsberater gehen täglich auf Kundenfang. Scheideggers Kurse sind die teuersten im Land. Beim Preisvergleich bedienen sich die Berater eines Tricks: Sie sprechen von 84 Stunden Ausbildung, obwohl der Lehrgang nur 30 Lektionen beinhaltet - die restlichen Stunden sind Hausaufgaben.

Ein weiterer Scheidegger-Kniff: Den Neueinsteigern werden alte Notebooks zu überhöhten Preisen angedreht. Der Toshiba Satellite 2180 CDT zum Beispiel kostet bei IS Scheidegger 3290 Franken - im Fachhandel 600 Franken weniger.


IHS Informatik: Bei Kursbeginn waren keine PC vorhanden

Auch die IHS Informatik in Horw nimmts mit der Information nicht so genau. "Ich habe betont, dass ich blutige Anfängerin bin", erzählt Brigitt Matthews aus Wollerau. Der IHS-Informatik-Kurs für 1512 Franken entspreche genau ihren Bedürfnissen, wurde sie von einem Vertreter überzeugt. Der gleiche Aufbaukurs von 24 Lektionen wurde auch Regina Meister in Schindellegi verkauft. Resultat: Beide Teilnehmerinnen brachen den Kurs vorzeitig ab. Die Organisation klappte überhaupt nicht: Der erste Kursabend wurde kurzfristig verschoben, am zweiten fehlten die PC. Beide Frauen forderten in eingeschriebenen Briefen einen Teil des Kursgeldes zurück. Keine von ihnen bekam Antwort.

Die Escom Ausbildung AG verschickt keine Unterlagen. Ihr Grundkurs kostet 3290 Franken. "Zu viel für zwölf Abende à drei Stunden", fand Nicole Tschanz aus Murten. Gerade noch rechtzeitig trat sie vom Vertrag zurück, den ihr ein Vertreter aufgeschwatzt hatte.

Wie die IS Scheidegger ist auch die Escom eine mobile Schule. Die Abendkurse werden in über 100 Gemeinden durchgeführt. Die Zuger Firma besitzt für ihren Grundkurs das Zertifikat der Bewertungsstelle für Weiterbildungsangebote AG (BfW). Dieses BfW-Gütesiegel sagt jedoch wenig über das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Kurses aus.

"Auf die Preisgestaltung nehmen wir keinen Einfluss", erklärt Beat Moser von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme, welcher das BfW angegliedert ist. Das BfW selber verrechnet stolze Honorare: Wer sich als Kursanbieter prüfen lassen will, muss dafür gut und gerne 5000 Franken einberechnen. Bekommt er das Siegel, darf er damit Werbung machen. Allerdings nur, solange es gültig ist.

Das nehmen jedoch nicht alle so genau: Ungeniert legen die IS-Scheidegger-Vertreter das Qualitäts-Zertifikat auf die Stubentische. Doch nur wer das Papier durchliest, stösst auf die Fälligkeit des Siegels: 27. Februar 2000.

Veronika Sutter

21. Juni 2000


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